Breitbandoffensive soll Österreich wieder in Pole Position bringen

4. April 2003, 09:06
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Telekom-Regulator: Fördervolumen von 50 bis 100 Millionen Euro wäre - Strategieentscheidung der Regierung bis Herbst - PPP-Modelle werden geprüft sinnvoll

Rund 13 Prozent der österreichischen Haushalte verfügen derzeit über einen Breitband-Internetanschluss. Damit liegt Österreich europaweit an fünfter Stelle und über dem EU-Durchschnitt von 9 Prozent, aber dennoch weit hinter führenden Breitband-Nationen wie den Niederlanden (22 Prozent) oder Belgien (18 Prozent). Im weltweiten Vergleich liegt Österreich gar nur im Mittelfeld. Mit einer vom Telekom-Regulator initiierten österreichweiten Breitbandinitiative soll Österreich nun wieder in die europäische Pole-Position gebracht werden.

Rückfall im letzten Jahr

Nach einem vergleichweise frühen Start mit der Breitbandtechnologie, die hohe Übertragungsraten im Internet ermöglicht, sei Österreich besonders im letzten Jahr im internationalen Vergleich wieder zurückgefallen, berichtete der Telekom-Geschäftsführer der Rundfunk- und Telekomregulierungs GmbH (RTR), Georg Serentschy am Dienstag Abend bei einem Pressegespräch. Damit Österreich künftig wieder zu den Top-Informationsgesellschaften in Europa zähle und der EU-Aktionsplan "eEurope 2005" auch in Österreich seinen Niederschlag finde, seien gezielte Anstrengungen – wie beispielsweise Förderungen über Private Public Partnership-Modelle für unter- und unversorgte Gebiete – notwendig.

ADSL, WLAN und WLL

Konkret geht es bei der Initiative um den Ausbau von verschiedensten Breitband-Technologien wie Telefonnetzen (ADSL), von Kabel-TV, Glasfaserkabel-Anschlüssen (fiber to the home – FTTH) sowie von Breitband-Funk-Technologien wie WLAN (Wireless Local Area Network) oder WLL (Wireless Local Loop). Besonders mit WLAN könne man relativ schnell und kostengünstig unterversorgte Regionen mit Breitbandinternet ausstatten, meint Serentschy. Bisher sei Breitband mit Internetzugang via PC gleichgesetzt worden, künftig könne Breitband auch auf anderen Geräten – etwa Fernseher, Laptops und Taschencomputer – genützt werden.

Die Anwendungsgebiete

Anwendungsgebiete für Breitband-Internet sieht Serentschy vor allem bei Geschäfts-Anwendungen (etwa Videokonferenzen), Teleworking, im Gesundheitsbereich (etwa Chipkarte), bei E-Government (etwa elektronische Steuererklärung), Bildungsbereich (e-learning, Vernetzung von Universitäten und Schulen), Unterhaltungsbereich (Spiele, Video Streaming) und bei persönlichen Dienstleistungen wie etwa e-Banking.

Eine Grundsatzentscheidung der Regierung über Breitband-Ziele und Fördermodelle soll bis zum Herbst fallen, ein Fördervolumen von "50 bis 100 Mio. Euro" wäre sinnvoll, meint Serentschy. Die RTR wolle ihrerseits ihre "inhaltliche Kompetenz und internationale Erfahrung" einbringen, den Diskussionsprozess moderieren und aktiv an einem Masterplan für die nächsten drei bis fünf Jahre mitarbeiten.

"Digital Divide"

Ein gezielter Breitband-Ausbau würde auf die Volkswirtschaft positive Auswirkungen haben und Wachstums- und Innovationseffekte mit sich bringen, ist Serentschy überzeugt. Außerdem könnte dadurch dem regionalen und sozialen "digital divide", der Spaltung der Bevölkerung in eine Online- und eine Offline-Gesellschaft, entgegengewirkt werden.

Die RTR plant für Anfang Mai 2003 einen ersten Bericht über den Breitband-Status Quo in Österreich, danach soll eine Task Force mit politischer Besetzung gegründet und mit der Erstellung eines Masterplans begonnen werden. Ein Breitband-Symposium ist für Oktober/November 2003 geplant. Heute, Mittwoch, Nachmittag will die RTR die Initiative einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. (APA)

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