USA: Widersprüchliche Angaben über befreite Kriegsgefangene Lynch

2. April 2003, 20:00
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Stillschweigen über von CIA und Marines durchgeführte Rettungsaktion - Bush über die Befreiung: "Das ist eine großartige Nachricht"

"Amerika lässt seine Helden nicht alleine zurück", erklärte ein Sprecher für den Oberbefehlshaber Tommy Franks über die Rettung der 19-jährigen amerikanischen Soldatin Jessica Lynch, die von Sondereinheiten der Marines aus irakischer Kriegsgefangenschaft gerettet worden war. "Das ist eine großartige Nachricht", meinte Präsident George W. Bush, als er von der Befreiung der schwer verletzten Gefreiten informiert wurde.

Angeblich war Lynchs Aufenthaltsort von CIA-Agenten ausfindig gemacht worden, befreit wurde sie von Spezialtruppen der Marines aus einem Krankenhaus in Nasiriya im südlichen Irak. Allerdings wurde die Freude über das Überleben der Soldatin dadurch getrübt, dass in demselben Krankenhaus auch elf Leichen, darunter vermutlich auch etliche Amerikaner, gefunden wurden. Lynch war gemeinsam mit ihrer Einheit, der 507. Maintenance Company, einem Nachschub- und Wartungskonvoi, am 23. März von irakischen Soldaten überfallen und gefangen genommen worden.

Ihre Truppe hatte sich in die falsche Richtung bewegt und war den Irakern direkt in die Hände gelaufen. Gleichzeitig gerieten zwölf Soldaten angeblich ebenfalls in Kriegsgefangenschaft, fünf von ihnen gelten offiziell als Kriegsgefangene.

Lynch war nicht unter den fünf Kriegsgefangenen, die vom irakischen Fernsehen in der vergangenen Woche öffentlich zur Schau gestellt wurden. Bis Mittwochfrüh galt sie als vermisst.

Ob sie tatsächlich alle neun Tage hindurch in irakischer Gefangenschaft war, war vorerst nicht bekannt. Über ihren Verbleib gibt es widersprüchliche Aussagen: Vom US-Militär wurde der Familie mitgeteilt, Lynch sei ganz einfach "in ein irakisches Spital gegangen" - anderen Berichten zufolge habe sie jedoch beide Beine und einen Arm gebrochen, was heißen würde, dass sie das Spital nicht mehr aus eigener Kraft aufgesucht haben kann. Auch über Details der Rettungsmission bewahrten die öffentlichen Stellen Stillschweigen.

Die aus dem kleinen Ort Palestine in West Virginia stammende angehende Lehrerin war in die US-Armee eingetreten, um in den Genuss der kostenlosen Fortbildungsprogramme zu kommen, den die Army ihren Mitgliedern bietet. In ihrem Heimatort liegt die Arbeitslosenrate derzeit bei 15 Prozent.

In Palestine gab es nach Bekanntwerden der Nachricht von der Befreiung der Soldatin spontane Beifallskundgebungen. "Ganz West Virginia freut sich mit ihr", erklärte Jay Rockefeller, ein Senator aus ihrem Heimatstaat. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.4.2003)

Susi Schneider aus New York
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jessica Lynch nach ihrer Befreiung

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