Peter Arnett - Beständig Bote schlechter Nachrichten

3. April 2003, 22:28
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Bad News: Nach CNN warf auch NBC den Reporterstar hinaus

Nicht zum ersten Mal fällt Peter Arnett als Überbringer der - für die Vereinigten Staaten - schlechten Nachricht auf. Und nicht zum ersten Mal wirft ihn deshalb ein US-Sender hinaus wie nun NBC, weil er im irakischen Fernsehen vom Scheitern der amerikanischen Strategie sprach.

1999 weist CNN Arnett unsanft die Türe: Er hat einen Aufsehen erregenden Beitrag präsentiert, wonach die USA im Vietnamkrieg Nervengas eingesetzt hätten.

Das für Natur wie Mensch verheerende Kampfmittel Agent Orange hin, Phosphorbomben her - diese giftigen Informationen über die US-Streitkräfte erwiesen sich als falsch. Da kann Arnett noch so glaubwürdig beteuern, er habe mit Recherche und Gestaltung des Beitrags nichts zu tun gehabt. Er lieh ihm Gesicht und Stimme.

Arnetts Konterfei signalisiert dem TV-Publikum in den USA und dem Rest der westlichen Welt schließlich auch einige Bedeutung. Er gab dem Golfkrieg das journalistische Gesicht. Als einziger Journalist einer großen Fernsehstation konnte er nach der ersten Kriegswoche in Bagdad bleiben. Vom Dach des Hotels Al-Rashid berichtete er mit der damals für Reporter noch sehr exotischen Satellitenanlage.

Als Kriegsreporter hat er schon seine nun fast 40-jährige Karriere begonnen - als kritischer Kriegsreporter. Die US-Präsidenten Nixon und Johnson beschweren sich über seine militärfeindliche Berichterstattung aus Vietnam - für die er 1966 mit dem renommierten Pulitzerpreis ausgezeichnet wird. Schon 1965 berichtete er übrigens unter Berufung auf Radio Hanoi vom Einsatz "giftiger Chemikalien" gegen Kinder.

Auch Arnetts Einsatz in Bagdad 1991 war der US-Regierung nicht wirklich willkommen: Mit seinen Berichten vom Hoteldach helfe er dem Irak, seine Propaganda im Westen zu verbreiten.

"Ultimatives Schlachtross" der Medien nennt ihn die "Washington Post". Kein Wunder also, dass er sich auch mit 68 Jahren noch einmal in die irakische Hauptstadt aufmachte. Wohl auch, um es den Kollegen von CNN zu zeigen. NBC erhoffte sich vom - alles andere als uneitlen - Reporterstar wieder mehr Ansehen für seine TV-Information.

Gegen erste Angriffe wegen des Auftritts im irakischen Fernsehen verteidigte ihn NBC noch, beugte sich aber der massiven Kritik etwa von Rupert Murdochs Fox News. Zeitgleich mit dem Verlag von National Geographic, für den Arnett ebenfalls aus Bagdad berichtete.

Der "Daily Mirror", Konkurrent von Murdochs "Sun" in Großbritannien, schaltete schnell und engagierte Arnett. Headline am Dienstag: "Von Amerika gefeuert, weil er die Wahrheit sagte. Vom "Daily Mirror" angeheuert, damit er sie weiter sagt." Womit um Arnett der nächste Krieg tobt. Wieder mal ein Medienkrieg. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe vom 2.4.2003)>/P>

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    foto: der standard
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