Fieberhafte Suche nach dem Erreger

1. April 2003, 18:52
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Bisherige Erfolgsmeldungen über Sars kamen zu früh. Ohne Tierversuche bleibt es beim reinen Verdacht, dass Coronaviren die Krankheit auslösen

Das erste: Ein Patient wurde zufällig knapp vor seiner Infektion zur Ader gelassen. Der Blutvergleich vor und nach dem Sars-Ausbruch zeigte: Er hat nun Antikörper gegen Coronaviren, hatte mit diesen also Kontakt.

Das zweite Indiz: Das Hamburger Bernhard- Nocht-Institut hat in Patienten zwar nicht das Virus, aber einen spezifischen Erbgutabschnitt gefunden. Der gleicht Gen-Sequenzen von Coronaviren, die Vögel und Rinder krank machen.

Darauf beruht auch der jüngst entwickelte Sars-Test, für den das entsprechende Knowhow derzeit international weitergegeben wird, sodass laut Berliner Robert-Koch-Institut in den nächsten Tagen an allen Kliniken auf Sars getestet werden kann.

Mutationsfreudig

Sicher ist vorerst aber nur eines: Die verdächtigen Viren mutieren gerne, schaffen den Sprung zwischen Spezies: Wird ein Tiervirus für Menschen infektiös, steht dieser dem neuen Erreger meist völlig machtlos gegenüber. Was man auch 1998 am "Vogelgrippevirus" in Hongkong sehen konnte.

Wurde damals durch Notschlachtung des Geflügels eine Epidemie verhindert, funktioniert dies heute nicht: Das neue Virus wird durch Speichel von Mensch zu Mensch übertragen.

Mutationen nicht neu

Solche Mutationen sind nicht neu, passieren ob der räumlichen Nähe von Mensch und Tier in der asiatischen Landwirtschaft jährlich etwa bei Influenza, dessen eigentlicher Wirt das Tier ist.

Coronaviren sind weit verbreitet, gefundene Antikörper und Gen-Sequenz müssen nicht mit Sars zusammenhängen. Aber ohne eindeutigen Erregernachweis gibt es weder Impfung noch direkte Behandlung. (fei/DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2003)

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