Immer mehr Hotels ködern mit Wellness

1. April 2003, 18:38
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Tirol Spitzenreiter hinter Bayern, aber zum Teil schwere Qualitätsmängel - Testsieger Kärnten

Wien - Wellnesshotels sprießen wie die sprichwörtlichen Schwammerln aus dem Boden. Nicht in jedem Haus ist aber Wellness drinnen, wo Wellness draufsteht. Das geht aus dem neuesten Relax Guide hervor, der heuer zum vierten Mal erschienen ist.

"Es gibt so viele Trittbrettfahrer, die von dem Bedürfnis der Urlaubsgäste nach Erholung und Pflege in schönem Ambiente profitieren wollen", sagte Christian Werner, Tester von Wellnesshotels und Herausgeber des Relax Guide, dem STANDARD. Mit ein Grund sei das Fehlen klarer Regeln, wann sich ein Hotel Wellnesshotel nennen darf.

"Skurrile Szenen in Tirol"

Vor allem in Tirol liege vieles im Argen. Das Bundesland ist zwar im Vorjahr mit 199 einschlägigen Einrichtungen zur zweitgrößten Wellness-"Regionalmacht" Europas aufgestiegen - geschlagen nur von Bayern mit 430 Wellnesshotels. "Nirgendwo sonst erleben unsere Tester aber so viele skurrile Szenen wie in Tirol", sagte Werner.

"Da gibt es Saunas, versteckt im Keller, die nur von 15 bis 18.30 Uhr offen sind. Da wird im Hausprospekt Wellness auch schon mal als ,Wellneß' oder nur mit einem ,l' buchstabiert." Und fette Kasnocken als Teil eines Vitalmenüs sowie Rohkost am Abend seien ebenfalls weit verbreitet.

Werners Zählung zufolge gibt es in Österreich derzeit rund 580 Wellnesshotels; vor fünf Jahren waren es erst knapp 100. Die größte Dichte hinter Tirol weist Salzburg mit 85 einschlägigen Hotels aus, gefolgt von der Steiermark (71) und Kärnten (54).

Kärnten Spitzenreiter

Das insgesamt beste Niveau bescheinigt Werner den Wellnesshotels in Kärnten, die in Summe den besten Mix aus Rundumbetreuung, Lage, Infrastruktur und Mitarbeiterausbildung zusammenbringen. In Bezug auf Qualität stuft der Wellness-Tester Tiroler Betriebe durchschnittlich am unteren Ende der Rangliste ein. Werner: "Nur dank eines knappen Dutzends sehr guter Hotels fällt Tirol in der Durchschnittswertung nicht ganz ab." Dazu gehörten das Interalpen Tyrol bei Seefeld, der Lanserhof in Lanz bei Innsbruck und das Posthotel Achenkirch am Achensee.

"State of the Art" seien aber auch Häuser wie der Salzburgerhof in Zell am See. "Wir haben unser Wellnessangebot erst im Herbst auf 2600 m² erweitert", sagte Hoteldirektorin Gisela Holleis. "Die Gäste honorieren das." (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 2.4.2003)

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