Mutti, komm gucken, der Krieg fängt an!

15. April 2003, 21:46
3 Postings

Zum Start von "Big Brother IV - The Battle", der neuen, "verschärften" Staffel der Doku-Soap auf RTL 2

"Erwarte das Unerwartete!" In Zeiten der großen Verunsicherung und Angst, dass wir eventuell für Verbrechen bestraft werden, die wir gar nicht begangen haben, ist es wichtig, sich an konstanten Größen orientieren zu können. Und seien sie auch noch so klein.

Während britische Truppen am Montag kurz vor Basra lagen und von dort auf eine Stadt schossen, die angeblich schon eine Woche zuvor eingenommen worden ist, war es auch dem übermächtigen Pop-Diktator Dieter Bohlen vorbehalten, als Stargast lenkende Worte zu finden.

"Megawarm und megascheiße"

Da mit "Big Brother IV - The Battle" der Krieg jetzt auch nach Deutschland gekommen ist, analysierte der Generalexperte für die letzten Dinge den Start der neuen, "verschärften" Staffel der Doku-Soap auf RTL 2 recht präzise: "Das ist hier megawarm und megascheiße." Auf dem tatsächlich als "Schlachtfeld" bezeichneten Open-Air-Areal von Big Brother IV hatte man gerade gesehen, wie sich Halbprominenz wie Boxer René Weller, Teenie-Star Oli P. oder der Tanztrainer der "No Angels" in einem auf 70 Grad aufgeheizten Auto darum bemühten, möglichst lange durchzuhalten: "Man muss immer gehen, wenn's am schönsten ist."

Gewinnerseite

Bei Kämpfen dieser Preisklasse geht es ab sofort darum, als Sieger in der einen Haushälfte im Luxus zu leben oder durch Kordeln getrennt auf Stroh und mit Plumpsklo: "Man sollte auf jeden Fall immer auf der Gewinnerseite sein. Auf der anderen Seite ist es echt nicht lustig." - "Danke für den Tipp!"

Schon nach einer Stunde und 14 Minuten Schwitzen im Auto stand schließlich fest, wer als Sieger aus dieser wie jeder "Schlacht" hervorgeht: niemand. Immerhin aber hat der bis vor kurzem wegen Drogenhandels einsitzende René Weller schon vor Jahren einen schönen Satz geprägt: "Ich bin immer oben. Und wenn ich unten bin, ist unten oben."

Fernsehen ist endlich ganz unten angekommen. Und wir müssen dabei nicht über Moral sprechen. Nur über das Niveau. Nach zwei Tagen Kampfeinsatz im Auto, auf Gerüsten hantelnd und im Wüstensand, durch den sich die in zwei Teams geteilten Marines für das Kinderbecken möglichst schnell zu buddeln hatten, durfte die Prominenz den Container wieder verlassen.

"Emotionsmessungen"

Der Boden war bereitet für die eigentliche, mit Sicherheit auf weitere 99 Tage konzipierte Auseinandersetzung von den nun einrückenden Kombattanten. Schwerpunktbereiche: Swingerclub, schlechte Tätowierungen, falsch angewandte Trainingsprogramme im Fitnessstudio und sich bereits nach zehn Minuten "im Haus" abzeichnende soziopathische Störungen.

Über im Container zusätzlich installierte "Emotionsmessgeräte", "Spylines" und regelmäßige "Lügendetektortests" soll die Truppe zusätzlich aggressiv angespitzt werden. Prognose: Die Entscheidungsschlacht bei Big Brother IV wird wie im richtigen Leben in der Küche geschlagen werden. Erst kommt das Fressen, dann die Moral.

Ein Krieg ohne Schlacht zeichnet sich schon jetzt ab. Wenig Werbung und ein Sendetermin im Vorabend deuten darauf hin, dass es RTL wichtiger ist, dem Publikum mit der anschließend im Hauptabend laufenden Show Wer wird Millionär? lieber unbegründet Hoffnung statt real Saures zu geben. Von wegen: "Rumkuscheln ist nicht mehr." Der Zielgruppe war es egal. 30 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 29-jährigen deutschen Sehern ist leider auch nicht nichts. (Christian Schachinger/DER STANDARD, Printausgabe, 2.4.2003)

Share if you care.