ÖIAG: Verkaufsauftrag keine starre Vorgabe

1. April 2003, 17:01
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Verkaufszeitpunkt soll von Fall zu Fall entschieden werden - "Höchst möglichen Privatisierungserlös" angepeilt

Wien - Für die ÖIAG ist nach dem heutigen Privatisierungsauftrag aus dem Ministerrat die Ampel jetzt auf Grün gestellt. Die Staatsholding werde nun "die Ärmel aufkrempeln", den Markt genau prüfen und dann für die zum weiteren Verkauf frei gegebenen Unternehmen "weiterführende Strategien entwickeln". Dies erklärte ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger am Dienstag.

Wann für die betroffenen Beteiligungen eine Interessentensuche eingeleitet werden soll, steht noch nicht fest. Das werde von Fall zu Fall entschieden, betont man in der Staatsholding. ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis hatte bereits vor dem Ministerratsbeschluss Montagabend vor Managern bekräftigt, dass der Privatisierungsauftrag zwar möglichst bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode erfüllt sein solle, dass dies aber "kein Muss" sei, was Finanzstaatssekretär Alfred Finz (V) am Dienstag bekräftigt hat.

"Höchstmöglicher Privatisierungserlös"

Ziel der ÖIAG, so Michaelis, sei ein "höchstmöglicher Privatisierungserlös bei gleichzeitiger Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Der Privatisierungsauftrag sei dabei "keine starre Vorgabe", entschieden werde je "nach Möglichkeit und Zweckmäßigkeit", sagt der ÖIAG-Vorstand.

"Nach Möglichkeit und Zweckmäßigkeit" - dies gilt laut ÖIAG-Vorstand auch für die Vorgaben, wonach Firmen-Zentralen in Österreich bleiben und "deutliche österreichische Elemente" in der Eigentümerstruktur Platz finden sollen. Bei letzterem setzt Michaelis vor allem auf österreichische Syndikate, wie etwa die Investoren-Gruppe um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries, die bei Böhler-Uddeholm im Vorjahr zum größten Aktionär avanciert ist und dort ebenso eine Sperrminorität hat wie die ÖIAG.

Kein Österreich-Fonds

Einen speziellen Österreich-Fonds wird es laut ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch nicht geben. Ein "Kunstobjekt" mit Steuerzuckerl für Private, das österreichische Interessen und vor dem Verkauf ins Ausland schützt - "einen solchen Alleskönnerfonds gibt's nicht und wird's nie geben", sagte Wieltsch im Managerkreis.

Nach Verkauf aller Beteiligungen soll die ÖIAG gemäß Regierungsübereinkommen in eine Bundesbeteiligungs- und - managementgesellschaft umgewandelt werden. Die ÖBB sollen in diese neue Gesellschaft eingebracht werden. Damit soll, so Wieltsch, das in der ÖIAG angesammelte Know-how dann den Infrastrukturgesellschaften zur Verfügung gestellt werden. An eine Einbringung der Asfinag und der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ist vorerst laut Staatssekretär Finz nicht gedacht. (APA)

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