Werbelogos in Sendungen gezählt

2. April 2003, 11:58
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In Graz geleitetes europäisches Forschungsprojekt will Computer das "erkennende Sehen" lehren

Graz - "Computer Vision" ist jener Zweig der digitalen Bildanalyse, der versucht, dem Computer das "erkennende Sehen" beizubringen. Sie kommt dort zum Einsatz, wo das menschliche Auge zu schwach oder zu langsam ist oder menschliche Beobachtung zu teuer kommt. Am Grazer Joanneum Research wird zur Zeit ein europäisches Forschungsprojekt geleitet, das in der Werbewirtschaft zum Einsatz kommen soll: Ein Bildverarbeitungssystem, das in Echtzeit die Präsenz von Werbelogos in Sendungen zählen kann. Vorgestellt wurde das Projekt im Rahmen der "Computer Visions Systems"-Tagung, die noch bis zum 4. April in Graz läuft.

Wie erhebt ein Sponsor einer Sportveranstaltung, wie oft sein Logo an den Bildschirmen der Fernsehzuseher zu sehen war? "Sehr sehr mühsam", so Georg Thallinger, Leiter der Gruppe "Digitale Medien" am Institut für Digitale Bildverarbeitung des Grazer Joanneum Research und Koordinator des EU-Projektes "DETECT". Die Aufgabe, die bisher meist von mit Stoppuhren bewaffneten Testsehern ausgeführt wurde, soll bald vollautomatisch mit Hilfe eines Bildanalysesystems aus Graz bewerkstelligt werden. "Neben der Schnelligkeit besteht ein großer Vorteil unseres Systems darin, dass es nicht ermüdet wie das menschliche Auge", so der Telematiker im Gespräch.

Semantische Blöcke erkennen

Im Prinzip lehren die Grazer Experten den Computer, bestimmte semantische Blöcke (in diesem Fall die Logos der Auftraggeber) im Bilderfluss zu erkennen. Diese detektierten Regionen innerhalb des Filmes können dann einer weiteren Analyse - z. B. wie oft und wie lange die Logos im Bild waren - unterzogen werden. "Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Logos von den Kameras ja nicht immer frontal, sondern in vielen unterschiedlichen Winkeln aufgenommen werden. Das System muss sie allerdings aus allen erdenklichen Perspektiven erkennen", so der Experte. Zusätzliche Herausforderungen stellen sich durch unterschiedliche Belichtungssituationen (Flutlicht, Sonne, Regen) oder den Umstand, dass die Logos oft nur in Ausschnitten im Bild sind, weil sie von anderen Objekten verdeckt wurden. "Unser Bestreben ist es, dass das Ganze dann sowohl mit unbewegten als auch bewegten Logos funktioniert", so Thallinger.

Seit Dezember 2001 arbeitet das Team, zu dem als wissenschaftlicher Partner u.a. das französische Institut National de Recherche en Informatique et en Automatique und als kommerzieller Partner die deutsche Taurus Media gehört, an dem Projekt, das bis Februar 2002 zu einem Prototyp des Bilderkennungssystems führen soll.

Rund 120 "Computer Vision"-Spezialisten aus Österreich und 20 weiteren Staaten tagen bis inklusive 4. April in Graz. In der Ausstellungshalle im Grazer Congress werden einige Projekte aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und Schweden präsentiert. (APA)

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