Euroline: Wachstum im Schatten

1. April 2003, 18:22
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Transeuropäisches Busnetz verzeichnet kräftige Passagierzuwächse - Großes Potenzial durch EU-Erweiterung

Wien - Im Schatten der boomenden Billigflieger verzeichnet ein anderes grenzüberschreitendes Verkehrsmittel stetige Zuwächse: Das transeuropäische Busnetzwerk Eurolines, ein loser Verbund europäischer Autobusgesellschaften, hat in den vergangenen Jahren laufend mehr Passagiere befördert. Eurolines Austria hat im vergangenen Jahr 2002 rund 600.000 Fahrgäste verzeichnet, doppelt so viele wie zu Beginn vor sieben Jahren, sagte Blaguss-Direktor Gerhard Rust, am Dienstag.

In Österreich ist die Busgesellschaft Blaguss federführendes Mitglied bei Eurolines. Pro forma sind auch die ÖBB an der Gesellschaft beteiligt, betreiben derzeit aber keine Linie im Rahmen des europaweiten Eurolines-Streckennetzes. Entstanden ist das europaweite Projekt als Marketing-Idee Anfang der neunziger Jahre, seit 1995 ist auch Österreich dabei.

Irak-Krieg hat keine Auswirkungen

Der Irak-Krieg hat so gut wie keine Auswirkungen auf das kurzfristige Verhalten der Fahrgäste, weder negativ noch positiv. "Wir hatten auch nach dem 11. September (2001) kaum Zuwächse", erklärt Rust. Das dürfte auch mit der Struktur der Eurolines-Nutzer zusammenhängen, die sich aus jungen Menschen, Wochenpendlern aus Osteuropa, Nicht-Fliegern, Übersee-Touristen oder einfach Abenteuerlustigen zusammensetzen. "Wer zuviel Gepäck hat, ist bei uns besser aufgehoben, es gibt keine Vorlaufzeiten und manche schätzen das besondere Flair einer Busfahrt, bei der man mit den Mitreisenden enger in Kontakt kommt", nennt Rust weitere Anreize.

Steigender Beliebtheit erfreue sich der "Eurolines-Pass", der für 15, 30 oder 60 Tage mehr als 30 Städte anbietet und ab 189, 269 oder 339 (Jugendliche/Pensionisten: 159, 219 oder 269) Euro zu haben sind.

Hauptkonkurrent ist die Bahn

Eurolines versteht zwar die Luftfahrt und insbesondere die Billiganbieter durchaus als Mitbewerber, ein wichtiger Rivale ist aber die Eisenbahn. "Auf manchen Strecken dauert der Zug länger, ist teils komplizierter und bis zu 100 Prozent teurer", so die Argumentation für den Bus. Zahlreiche Passagiere nutzen eine Kombination mehrerer Verkehrsmittel.

Das Geschäft selbst wächst: Rust erwartet im Jahr 2003 ein Passagierplus von 10 Prozent. Angesichts der bevorstehenden EU-Erweiterung sei das Potenzial noch lange nicht erschöpft. Rust erwartet eine Verkürzung der für sieben Jahre fest gelegten Übergangsfrist für die Beschäftigungsfreiheit in der EU, das würde einen weiteren Wachstumsschub bedeuten.

Unzufriedenheit mit Infrastruktur

Unzufrieden sind die heimischen Eurolines-Bosse mit der fehlenden Infrastruktur: "International gibt es überall große Busbahnhöfe, in Österreich ist das ein Manko". Mit 1. April übersiedelte das Haltestellen-Provisorium von Wien Mitte/Marxergasse zur U3-Station Erdberg, aus diesem Grund gibt es heute um 50 Prozent verbilligte Tickets. (APA)

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    Auch Wachstumskurs: Das transeuoropäische Busnetz Eurolines.

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