Von der Diktatur des Zuschauers

1. April 2003, 13:46
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50. Biennale Venedig unter dem Motto "Träume und Konflikte"

Wien - Eine "Ausstellung von Ausstellungen" solle die 50. Biennale in Venedig werden, sagte Direktor Francesco Bonami auf der heutigen Presse-Präsentation im Semper-Depot. Unter dem Motto "Träume und Konflikte - Von der Diktatur des Zuschauers" findet man auf dem Ausstellungsgelände und in der Stadt Arbeiten internationaler Künstler, von mehreren eingeladenen Kuratoren betreut. "Kunst heute ist so vielfältig, dass ich nicht meinen persönlichen Blickwinkel als maßgeblich voraussetzen kann", so Bonami. Die Biennale findet von 14. 6. bis 2. 11. statt.

11 Ausstellungen

Insgesamt wird es elf Ausstellungen geben, wovon Bonami selbst zwei kuratiert. "Diese Biennale soll als Dialog zwischen Künstlern funktionieren, und dem Zuschauer wollen wir sein Recht auf Selbstbestimmung seiner Wahrnehmung wieder geben", erläuterte Bonami sein Konzept. Jeder Betrachter habe eine eigene Vorgeschichte mit Zeitgenössischer Kunst, und solle daher autonom auf dieser aufbauen können. Mit der letzten Biennale, die von Harald Szeemann unter dem Titel "Plateau der Menschheit" geleitet worden war, sei auch "das Ende des Zeitalters der großen monothematischen Ausstellungen" eingeläutet worden. Damit gleichbedeutend sei das Ende des allgegenwärtigen Kurators.

"Heute kann ein Kurator allein nicht mehr den Anspruch auf eine globale Ausstellung erheben", weshalb Bonami elf weitere Experten zur Mitarbeit, etwa Catherine David oder Daniel Birnbaum, einlud. In den "Giardini della Biennale" gibt es die Schauen "Delays and Revolutions" und "The Zone". Im "Arsenale" werden acht Projekte gezeigt: "Clandestine", "Fault Lines", "Individual Systems", "Z.O.U. (Zone of Urgency)", "The Structure of Survival", "Contemporary Arab Representations", "The Everyday Altered", "Utopia Station". Im "Museo Correr" präsentiert Bonami "Painting: Von Rauschenberg zu Murakami, 1964-2002". Dabei sind über 40 Werke führender Künstler zu sehen, die bereits an früheren Biennalen teilgenommen haben, wie Lucio Fontana, Roy Lichtenstein, Anselm Kiefer oder Francis Bacon. Einzige Österreicherin dabei ist Maria Lassnig.

"Mentale Zwischenspiele"

Die sogenannten "Interludes" sind laut Pressetext "mentale Zwischenspiele" in der Stadt und im Freien. Zwölf Ereignisse wie Installationen oder Interventionen sollen sich dabei abspielen, durch welche die gesamte Ausstellung einen besonderen Rhythmus annehmen soll. Zur weiteren Bereicherung wurden zusätzliche Projekte geplant, wie das einer Gruppe aus der Accademia di Belle Arte. In der "Darsena di Marghera" am Rande der Lagune planten die Künstler einen Treffpunkt, wo Geschichten rekonstruiert und weiter erzählt werden.

Für den Österreich-Pavillon wählte Kommissär Kasper König zwei Skulpturen des Bildhauers Bruno Gironcoli aus, der angesichts der Größe des 1933 von Josef Hoffmann gestalteten Baues gesagt haben soll: " Das ist doch ein Kiosk".

(APA)

50. Internationale Kunstausstellung " Träume und Konflikte - Von der Diktatur des Zuschauers", Venedig, Orte: Giardini della Biennale, Arsenale, Museo Correr, Bahnhof Santa Lucia, weitere Sitze in der Stadt, Eröffnung am 914. Juni. Öffentlich zugänglich von 15. Juni bis 2. November 10 bis 18 Uhr
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