Flughäfen profitieren von Billigfliegern

1. April 2003, 13:36
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Studie: Discount-Airlines fördern Wachstum - Austro-Airports teurer als deutsche und Schweizer Flughäfen

Wien - Angesichts der erschwerten Situation in der internationalen Luftfahrt ist in dieser Branche "der Kampf um Subventionen voll entbrannt", so der Befund des Unternehmensberaters A.T. Kearney. Die aktuellen Probleme der Luftfahrt schlagen aber nicht auf die Flughäfen durch, stellte der Berater in einer aktuellen Studie fest. Der Flughafen Wien-Schwechat und einige österreichische Bundesländerflughäfen hätten auch vom Boom der Billigfluggesellschaften profitiert, erklärte A.T. Kearney-Verkehrsexperte Christoph Brützel am Dienstag vor Journalisten in Wien.

Neue Finanzierungsmodelle

Der sich abzeichnende Strukturwandel in der Branche erfordert innovative Finanzierungsmodelle zwischen Airlines, Flughäfen und Tourismuswirtschaft, meinen die A.T. Kearney-Experten. Denkbar seien etwa Private-Public-Partnership-Modelle (PPP), erwartet Brützel. Billigflugairlines brächten immerhin bis zu 40 Prozent Neuverkehr.

Boom der Billigflieger hält an

Der Boom zum Billigflug dürfte zumindest noch in den kommenden Jahren anhalten. Allein der Marktanteil von Ryanair und Easyjet dürfte sich von derzeit 6,5 Prozent bis 2005 auf rund 17 Prozent fast verdreifachen, erwartet A.T. Kearney. Die ehrgeizigen Expansionspläne sehen Steigerungen auf je 190 Maschinen und jeweils mehr als 50 Millionen Passagiere bis 2005 vor. Damit würden Ryanair und Easyjet gemeinsam in den nächsten Jahren das gesamte erwartete Wachstum im innereuropäischen Flugverkehr von rund 3 Prozent alleine absorbieren. "Für die anderen bliebe damit nur Stagnation", so Brützels Schlussfolgerung.

Die Bundesländerflughäfen Graz, Salzburg und Klagenfurt, die in den vergangenen Monaten dank der Billiganbieter überproportional wachsen konnten, könnten diesen Zusatzmotor bald auch wieder verlieren: Dann, wenn die zeitlich begrenzten Begünstigungen und Marketingzuschüsse wieder wegfallen. "Low Cost Carrier stellen den Service nach Auslauf der Förderungsmaßnahmen oft wieder ein", erklärte Brützel, "die sind genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind". Von 1998 bis 2002 hätten Billiganbieter 20 Prozent ihrer Strecken aus diesem Grund wieder gestrichen.

Austro-Airports teuer

Die Austro-Airports zählten zu teuersten im gesamten deutschsprachigen Raum. Der Wiener Flughafen (VIE) liegt mit durchschnittlich rund 150 verrechneten Euro je Landung (Durchschnitt deutsprachiger Raum: 101 Euro) insgesamt an der Spitze, hier ist auch der Gebührenanteil je Flugzeug mit 45 (Durchschnitt: 33) Prozent am höchsten. Die Airlines werden verstärkt auf günstigere Tarife sowie auf Höchstgrenzen ("Fee Caps") drängen, erwartet Brützel.

Darüber hinaus versuchten etablierte Airlines wie die Lufthansa oder die Austrian Airlines-Gruppe die Schwierigkeiten im Europageschäft mit klarer Spezialisierung und Marktsegmentierung aufzufangen. So ist die Lufthansa mittlerweile mit unterschiedlichen Produkten und Produktionslinien in acht Geschäftsfeldern unterwegs, darunter auch Ferienflug (Thomas Cook), Low Cost (Germanwings), reduzierte First Class ("Kont 30") oder dezentrale Langstrecke (PrivatAir) ebenso wie die klassische Lang- und Mittelstrecke.

AUA unter Konkurrenzdruck

Die Situation der AUA beurteilt er als schwieriger, als es derzeit den Anschein habe: "Das Ergebnis des vergangenen Jahres war sicher besser als das des laufenden Jahres", sagte Brützel. Der Start der neuen steirischen Fluggesellschaften Styrian Spirit und Fairline falle in eine schwierige Zeit. (APA)

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    A.T. Kearney-Experten: Strukturwandel verlangt neue Finanzierungsmodelle zwischen Airline, Flughäfen und Tourismuswirtschaft.

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