Mit GPS-Jammern gegen Hightech-Waffen

2. April 2003, 08:57
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Billige russische Störsender sollen Millionen Dollar schweres Kriegsgerät ablenken

Sechs Stück der russischen Störsender konnten die Amerikaner bislang im Krieg gegen den Irak aufspüren und unschädlich machen. Die billigen, russischen, in den Abmessungen kaum größer als ein Mobiltelefon, unter dem Namen "GPS-Jammer" bekannten, Störsender sollen gegen die Hightech-Waffen der Amerikaner wahre Wunder vollbringen, doch was steckt wirklich dahinter?

Lenkwaffen ablenken und Truppen in die Irre führen

Um einige hundert Dollar sind die GPS-Jammer erhältlich und sollen die Signale des "Global Positioning System" (GPS), eines Netzes von derzeit 27 Satelliten - bald 28 (der Webstandard berichtete) - blockieren. Wenn es wirklich gelänge die GPS-Signale nachhaltig zu stören, so würden die neuesten Lenkwaffen sowie die gesamte Logistik des Gegners wirkungslos.

Geht es wirklich?

Auch innerhalb der US-Truppen scheinen die Meinungen zu divergieren. Laut einem Bericht des Spiegel soll der US-Militärexperte James Zumwalt schon vor dem Krieg vor GPS-Störsendern gewarnt haben. Der Leiter des GPS-Systemprogramms, Luftwaffenoberst Douglas Loverro, meint hingegen, dass es keinen Störsender zu kaufen gebe, der eine GPS-Lenkwaffe komplett ablenken könnte. Zwar lassen sich zivile Navigationssysteme leicht durch die Jammer irrietieren, doch die militärischen Frequenzen, der so genannte "P"- oder Präzisionscode ist, im Gegensatz zum "C/A"-Code, dem Militär vorbehalten, sollen, dank zusätzlicher Verschlüsselung, nicht leicht zu beeinträchtigen sein.

Genauer und sicherer

Die militärischen "P"-Codes sind wesentlich genauer als zivile Navigationssysteme und können die Standorte auf bis zu einen Meter exakt lokalisieren. Laut Loverro haben militärische Jammer-Tests ergeben, dass ein GPS-Jammer nur im Umkreis von wenigen Kilometer wirksam wären und die Genauigkeit von GPS-Waffen kaum beeinträchtigen können - eine wirkliche Ablenkung wäre dabei nicht zu erreichen. Die Hightech-Waffen der US-Armee orientieren sich aber nicht nur über GPS, auch ein parallel geschaltetes Trägheitsnavigationssystem (TNS), das gegen Störangriffe von außen immun ist, sorgt für einen gezielten Angriff mit Raketen. Bei einem Angriff gegen militärische Gebäude würde eine GPS-gesteuerte Lenkwaffe bis kurz vor dem Einschlag auf Kurs bleiben, selbst wenn ein Jammer aktiviert ist, solte dieser dann für eine Störung sorgen, führt das TNS-System die Attacke zu Ende. Laut Medienangaben soll die Abweichung vom Ziel in diesem Fall bis zu 20 Meter betragen. Im Falle eines gezielten Angriffs auf militärische Einrichtungen in Wohngebieten könnte diese Abweichung allerdings verheerende Folgen haben.

Alle zerstört?

Laut Angaben von Major-General Victor Renuart, der letzten Dienstag gegenüber Journalisten ein kurzes Newsbriefing in Quatar abgehalten hatte, wurden schon vor einer Woche sämtliche GPS-Jammer der Iraker zerstört. "Wir haben herausgefunden, dass es Versuche von Seiten der Iraker gab, GPS-Jammer, die in einem anderen Land hergestellt wurden, einzusetzen. Wir konnten die Stellungen der einzelnen Jammer herausfinden und haben alle sechs Jammer im Zuge der Luftangriffe auf Bagdad zerstört. Ich bin sehr erfreut, dass diese Geräte keinen Einfluss auf uns hatten. Wir haben einen GPS-Jammer sogar mit einer GPS-gesteuerten Waffen zerstören können", so Renuart.(red)

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