Rudolf Edlinger neuer DÖW-Präsident

1. April 2003, 13:24
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Ex-SPÖ-Finanzminister tritt Nachfolge von Hubert Pfoch an

Wien - Der ehemalige SPÖ-Finanzminister Rudolf Edlinger (63) wurde Montag Abend bei der Generalversammlung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) zum neuen DÖW-Präsidenten gewählt. Das gab das DÖW am Dienstag in einer Aussendung bekannt. Edlinger löst in dieser Funktion den früheren Wiener Vizebürgermeister Hubert Pfoch (S) ab, der nun Ehrenpräsident des DÖW wird. Edlinger gehört dem DÖW-Stiftungsrat seit 1983 an. In seiner Antrittsrede würdigte Edlinger vor allem die Verdienste des DÖW um die Aufarbeitung der Vergangenheit und die Aktivitäten "gegen revisionistische und rechtsextreme Organisationen und Personen".

Rudolf Edlinger wurde am 20. Februar 1940 in Wien geboren. Er lernte den Beruf eines Lithographen und absolvierte außerdem in Abendkursen die Handelsschule und einen Hochschullehrgang für Handel und Verkauf. Ende der 50er Jahre begann sich Edlinger politisch zu engagieren. 1964 stieg Edlinger als SPÖ-Bezirksparteisekretär auch beruflich in die Politik ein. 1976 bis 1981 war er schließlich Landesparteisekretär der Wiener SPÖ. Vom 6. Juni 1969 bis 1986 war Edlinger Landtagsabgeordneter im Gemeinderat, die letzten fünf Jahre davon als Klubobmann. Am 25. Juni 1986 wechselte er als Amtsführender Stadtrat für Wohnbau und Stadterneuerung in die Landesregierung. Im November 1994 übernahm er das Ressort Wirtschaft und Finanzen. Von Jänner 1997 bis Februar 2000 war Edlinger dann der 15. Finanzminister der Zweiten Republik im Kabinett Viktor Klima.

Nach dem Wechsel der SPÖ in die Opposition war Edlinger Finanzsprecher der SPÖ. Dem im vergangenen November gewählten Nationalrat gehört Edlinger nicht mehr an.

Der Verein DÖW wurde 1963 von ehemaligen Widerstandskämpfern sowie von Wissenschaftern, darunter Paul Schärf und der erste Leiter Herbert Steiner, gegründet. Die relativ späte Gründung - 18 Jahre nach dem Kriegsende - wird auf das innenpolitische Klima der vierziger und fünfziger Jahre zurück geführt. Widerstandskämpfer wurden als "Eidbrecher", als "Feiglinge" und "Verräter", als "Verbrecher" und "Mörder" angesehen. Der österreichische Widerstand wurde angezweifelt, bagatellisiert oder geleugnet, heißt es in der Historie des DÖW. Die Widerstandsforschung des Archivs "entsprang nicht der vom offiziellen Österreich vertretenen 'Opfertheorie', sondern dem Bemühen um Selbstdarstellung der Widerstandskämpfer und Verfolgten und deren Selbstbehauptung gegen Ignoranz und Verdrängung". Neben dem Widerstand bilden die Bereiche Verfolgung, Exil, NS-Verbrechen, insbesondere Holocaust und Rechtsextremismus nach 1945 die inhaltlichen Schwerpunkte. 1983 wurde neben dem Verein DÖW eine gleichnamige Stiftung ins Leben gerufen, die von der Republik Österreich und der Stadt Wien getragen wird. (APA)

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    Rudolf Edlinger

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