Die "Wiener Zeitung" wird 300 Jahre alt

1. April 2003, 18:28
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Jubiläum wird mit Ausstellung und Sonderbeilage gefeiert

Einen beachtlichen "Runden" feiert die "Wiener Zeitung" dieses Jahr: Die älteste Tageszeitung der Welt wird 300 Jahre alt und begeht dies unter anderem mit einer Ausstellung in der Nationalbibliothek, die am Donnerstag eröffnet wird. Aber: "Hundert Jahre sind ein stolzes Alter, aber nichts ist so alt wie die Tageszeitung von gestern, daher machen wir uns vor allem Gedanken um die Zukunft", sagt Geschäftsführer Karl Schiessl im Gespräch mit der APA. Auch Chefredakteur Peter Bochskanl denkt ans Morgen: Für 2004 ist ein umfassender Blattrelaunch geplant, die Vorarbeiten nehmen gerade ihren Anfang, kündigt er an.

Mit "Tagblatt" und "Amtsblatt" erscheint die "Wiener Zeitung", die zu 100 Prozent im Eigentum der Republik steht, täglich von Montag bis Freitag. Und ohne "Amtsblatt" mit seinen Pflichtveröffentlichungen gäbe es wohl kein Tagblatt. Eine Tatsache, die Strategien für die Zukunft erforderlich macht, sind sich Schiessl und Bochskanl einig. "Wir müssen schauen, dass wir a la longue zu einer Lösung kommen und eine Marktnische finden, in der wir, etwa in zehn Jahren, auch ohne die amtlichen Einschaltungen lebensfähig sind", so der Chefredakteur.

"Unersetzlich" im elektronischen Sektor

Schiessl möchte die "Wiener Zeitung" für den Fall der Fälle im elektronischen Sektor "unersetzlich" machen. Denn auch für ihn ist "klar, dass die Geschichte mit dem Amtsblatt nicht ewig weiter gehen wird". Die Wiener Zeitung GmbH habe daher im vergangenen Jahr das gesamte Ausschreibungswesen auf völlig neue - elektronische - Beine gestellt. Kern sind die Plattformen www.lieferanzeiger.at und www.auftrag.at. Ab Mitte des Jahres soll die Gesamtabwicklung von Ausschreibungen elektronisch möglich sein.

Auch die Bundesgesetzblätter, als Digitale Publikationen GmbH eine Tochter der Wiener Zeitung GmbH, sollen demnächst komplett digitalisiert zugänglich sein. e-Gouvernment schließlich sei ein zentrales Thema für die "Wiener Zeitung", so Schiessl weiter. Bereits jetzt zeichnet man für die "Republiksplattform" www.oesterreich.at verantwortlich. Konzepte für weiter gehende Aktivitäten sollen der Regierung "in nächster Zeit" angeboten werden.

"Interventionen gibt es nicht und hat es früher auch nicht gegeben"

Dass die Republik alleinige Eigentümerin der "Wiener Zeitung" ist, habe auch "Nachteile", wie Schiessl einräumt. "Wir haben aus nahe liegenden Gründen keine Kommentarstrecken, sondern ziehen uns auf die Position von Facts und Tatsachen zurück. Die Leser-Blatt-Bindung lebt aber oft von den Meinungen in einer Zeitung." In der alltäglichen Arbeit spiele die Eigentümerin jedoch keine Rolle, betont Bochskanl. Und: "Interventionen gibt es nicht und hat es früher auch nicht gegeben." Im Zuge des Relaunches werde man die Vorteile dieser blattmacherischen Position betonen, sagt der Chefredakteur: "Die 'Wiener Zeitung' soll noch stärker als seriöse Tageszeitung, die den Lesern jene Informationen liefert, die sie benötigen, um sich ihre Meinung zu bilden, auftreten."

"Schwieriges Geschäftsjahr"

Das Jahr 2002 war auch für die Wiener Zeitung GmbH ein "schwieriges Geschäftsjahr", blickt Schiessl zurück. Zum einen habe man die neuen Internetdienste gestartet, zum anderen habe man die schlechte Konjunktur "auch im Amtsblatt gespürt", die "freien" Inserate, die rund zehn Prozent ausmachen, seien "überhaupt eingebrochen. 2002 habe man derzeit mit "leichten schwarzen Zahlen" bei einem stabilen Umsatz von 17 bis 17,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die Bundesgesetzblatt-Tochter habe weitere zehn Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Für heuer hofft Schiessl, dessen Vertrag als Geschäftsführer bis 2008 verlängert wurde, "auf einen deutlich positiven Abschluss". (APA)

Hintergrund

Die älteste Tageszeitung der Welt

Ausstellung der "Wiener Zeitung": "Zeiten auf Seiten" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek vom 4. April bis 4. Mai. Öffnungszeiten: Täglich 10.00 bis 14.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 19.00 Uhr. Am Freitag liegt der "Wiener Zeitung" außerdem eine 116 Seiten starke Sonderbeilage zur 300-jährigen Geschichte und Gegenwart des Blattes bei.

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