China reagiert auf Kritik am Umgang mit Epidemie

1. April 2003, 18:49
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Verhaltensrichtlinien veröffentlicht - Australien bestätigt SARS-Fall - 24 Stunden Rufbereitschaft in Österreich

China hat jetzt auf die internationale Kritik an seinem Umgang mit der gefährlichen Lungenkrankheit SARS reagiert und Richtlinien für die Behandlung von Erkrankten veröffentlicht. In China war die Seuche vermutlich zuerst aufgetreten, und es ist auch das Land mit den meisten bekannt gewordenen Erkrankungen und Todesfällen. Das in der Schweiz ansässige Weltwirtschaftsforum verschob unterdessen ein für Mitte April in Peking geplantes Treffen von Wirtschafts- und Regierungsvertretern auf den Herbst.

Richtlinien

Die Richtlinien wurden auf der Web-Site der chinesischen Behörde für Seuchenbekämpfung veröffentlicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde darüber am Montagabend informiert, nach chinesischen Angaben gibt es diese Web-Site bereits seit Freitag. "Die chinesische Regierung hat nichts verschwiegen. Dafür gibt es keinen Grund", erklärte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchao.

1.600 Menschen betroffen, mindestens 62 Todesfälle

Weltweit sind bisher mehr als 1.600 Menschen in 15 Ländern am Schweren Akuten Atemwegsyndrom (SARS) erkrankt, mindestens 62 Menschen starben an den Folgen der Lungenkrankheit. 34 Todesfälle gab es in China, davon allein 31 in der Provinz Guangdong (Kanton).

Die WHO ist nach eigenen Angaben aber weiter mit der Zusammenarbeit der chinesischen Behörden unzufrieden. So gibt es aus Peking noch keine täglichen Informationen zu SARS. Ferner sagte ein WHO-Sprecher, seine Organisation warte immer noch auf Einreisegenehmigungen nach Guangdong, wo sie hoffe, Hinweise zum Ursprung und zur Ausbreitung der Krankheit zu finden.

Bei einem CNN-Bericht über SARS aus einem Wohnblock für Ausländer in Peking wurde plötzlich der Bildschirm schwarz. Derartiges passierte in der Vergangenheit nur bei Berichten über die Falun-Gong-Bewegung oder andere Themen, die der Regierung unangenehm sind.

Australien bestätigt SARS-Fall

Unterdessen bestätigten die australischen Behörden am Dienstag den ersten Fall der gefährlichen Lungenkrankheit. Der Patient habe sich aber wieder erholt, und die Krankheit habe sich nicht ausgebreitet, erklärte der Leiter der Gesundheitsbehörde, Richard Smallwood. Der Australier, der vor seiner Erkrankung in Singapur war, wurde Ende Februar in einem Krankenhaus in Sydney erfolgreich behandelt, wie Smallwood sagte. Er sei entlassen worden, bevor SARS als neue Seuche bekannt geworden sei.

24 Stunden Rufbereitschaft in Österreich

In Österreich herrscht seit dem Auftreten der ersten SARS-Verdachtsfälle eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. Wie die Geschäftsführerin der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Christine Weber erklärte, stehen im Auftrag des Gesundheitsministeriums im Verdachtsfall im AGES-Labor in der Währinger Straße in Wien-Alsergrund zwei Mediziner und vier Medizinisch-Technische Assistentinnen zur Untersuchung von Proben zur Verfügung. Die Rufbereitschaft wurde nach dem Auftreten des ersten Verdachtsfalles in Österreich Mitte März verfügt. Vom Gesundheitsministerium wurde auch eine Hotline unter der Nummer 0800-201611 eingerichtet. Sie ist von Montag bis Freitag von 8.00 bis 16.00 Uhr für Anfragen aus der Bevölkerung besetzt. (APA)

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