Gravierende Qualitätsdefizite in Tiroler Wellnesshotels

1. April 2003, 12:07
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48,2 Prozent im Test des Wellnesshotelführers "Relax Guide" unter Qualitätslimit

Zahlreiche Tiroler Wellnesshotels weisen gravierende Qualitätsdefizite auf. Dies ergaben die alljährlichen Tests für den Wellnesshotelführer "Relax Guide". 48,2 Prozent der Hotels könnten nicht als Qualitätsbetriebe bezeichnet werden. Rein zahlenmäßig belegte Tirol mit insgesamt 199 derartigen Hotels und 25.347 Gästebetten nach Bayern europaweit den zweiten Platz.

Fette "Kasnocken"

Fette "Kasnocken" als Teil eines Vitalmenüs sowie Rohkost am Abend seien leider weit verbreitet, sagte Relax-Guide-Herausgeber Christian Werner. Häufig würde der Wellnessbereich in Tirol als unsachgemäß betreutes "Add-on" geführt, Sauna und Bäderzonen nur wenige Stunden geöffnet sein. "Nirgendwo sonst erleben unsere Tester so viele skurrile Szenen wie in Tirol", sagte Werner. So würde im Hausprospekt Wellness schon mal als "Wellneß" oder mit nur einem "l" buchstabiert werden. Figurformende Körperwickel ("Body-Wrapping") seien auch schon als "Body-Raping" bezeichnet worden, was übersetzt "Körpervergewaltigung" bedeute.

Boom der Welnneshotels in Tirol

In keiner Region Europas außer Bayern mit 430 Häusern gebe es mehr Wellnesshotels als im "Heiligen Land". In kürzester Zeit hätte Tirol damit Thermenregionen in Ostösterreich und selbst das klassische "Bäderland" Baden-Württemberg zahlenmäßig überholt. Qualitätsmäßig belege Tirol mit 12,8 von maximal 20 Punkten aber nur den drittletzten Platz im Österreichvergleich. Einem knappen Dutzend an sehr guten Hotels sei es zu verdanken, dass Tirol in der Durchschnittswertung nicht ganz abfalle. Testsieger sei Kärnten mit durchschnittlich 14,2 Punkten. Der Anteil der "Schwarzen Schafe", die unter dem Qualitätsminimum von 13 Punkten liegen würden, betrage in Kärnten und Oberösterreich jeweils 29,8 Prozent, in Tirol 48,2 Prozent.

"Trittbrettfahrer"

"Einen sehr hohen Anteil" an "Trittbrettfahrern" sehe in Tirol der Tourismusberater Jakob Edinger aus Innsbruck. Jeder Wirt mit Sauna und einem Bademantel am Zimmer könne sich Wellnesshotelier nennen. Speziell im Therapiebereich sei sowohl die Anzahl als auch die Qualifikation der Mitarbeiter in den meisten Betrieben absolut ungenügend. (APA)

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