Barbara Rosenkranz im April 1993 im STANDARD-Gespräch zu den rechtsradikalen Aktivitäten ihres Gatten

1. April 2003, 12:27
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"Sehe nichts Ehrenrühriges"

Wien - Barbara Rosenkranz, die Kandidatin Nummer fünf auf der FPÖ-Wahlliste für die niederösterreichische Landtagswahl, glaubt "überhaupt nicht", daß die politischen Aktivitäten ihres Mannes, die tief ins rechtsradikale Lager hineinreichen, ihre Kandidatur beeinträchtigen könnten. "Ich kann nur sagen, daß Eheleute ja nicht unbedingt füreinander haften", sagt sie im STANDARD-Interview gleich zu Beginn. "Ich mache meine Sachen, mein Mann seine."

Wie gestern berichtet, ist Jakob Horst Rosenkranz eine der schillernden Figuren der österreichischen Rechten: Er war Mitglied der wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz aufgelassenen NDP. Er gründete den Verein zur Förderung der Ganzen Wahrheit, in dessen Vorstand vier junge Männer aus dem Kreis der "Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition" (VAPO) des verurteilten Neonazis Gottfried Küssel saßen. Und er ist "Schriftleiter" des vom Verein herausgegebenen Extrem-Blattes Fakten.

Frau Rosenkranz redet sehr schnell im Interview, in dem sie gebeten wird auch zu sagen, was sie von den Inhalten hält, die ihr Mann vertritt. "Ich kann nicht sehen, daß mein Mann etwas Ehrenrühriges macht", sagt sie. "Er ist weder verurteilt worden, noch hat er eine Verhandlung gehabt. Insofern sei sie "sehr zufrieden, daß ich mit meinem Mann verheiratet bin", der ein von ihren sieben Kindern "heißgeliebter Vater ist".

Ob sie seine Ideen teile, könne sie "nicht pauschal beantworten". Sie bittet um eine konkrete Frage.

DER STANDARD: "In den Fakten wird die Abschaffung des Verbotsgesetzes gegen nationalsozialistische Wiederbetätigung gefordert. Teilen sie diese Forderung?"

Rosenkranz: "Dazu muß man sagen, und das ist ja nicht nur meine Meinung, das haben auch Beamte des Justizministeriums so gesehen, daß es keine günstige Lösung ist, Meinungen zu verbieten."

Später sagt sie, daß sie "ein radikal-liberales Verständnis von Meinungsfreiheit habe". Damit sei "alles gesagt". Es sei auf jeden Fall "günstiger, Handlungen zu bestrafen, als Meinungen zu bestrafen".

Aber sie ist "heilfroh, daß mein Mann noch nie wegen Wiederbetätigung verurteilt wurde, und auch noch nie angeklagt war".

"Gelegentlich" habe sie "schon etwas gelesen", was ihr Mann verlege. Was sie davon halte? "Ich kann nicht päpstlicher sein als der Papst. Nachdem der Staatsanwalt nichts dran findet, kann ich auch nichts dran finden." Wenn die Fakten zu Spenden für inhaftierte Neonazis aufrufe, sei das "strafrechtlich nicht relevant". Mehr könne sie dazu nicht sagen.

Mehrfach wollte Frau Rosenkranz das Gespräch beenden - oder über Familienpolitik reden, die sie für die FPÖ, "wie mein Auftrag lautet", im Landtag machen soll. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.4.1993)

Von Thomas Mayer
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