Medien schauen "Feldherren auf die Finger"

1. April 2003, 11:16
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RTL-Infochef Hans Mahr: Krieg im Irak ist auch "Medienkrieg der besonderen Art"

Ein "Medienkrieg der besonderen Art" spielt sich nach Ansicht von Hans Mahr, Informationsdirektor und stellvertretender Geschäftsführer des deutschen Privatsenders RTL, derzeit im Irak und auf den Bildschirmen in aller Welt ab. "Noch nie war der Zuschauer so nah am Geschehen wie heute", sagte er Montagabend bei einem Diskussionsabend in Wolfgang Rosams "Zigarrenclub". Ein großer "Quotenbringer, wenn man so will" sei der Krieg aber nur "in den ersten Stunden, höchstens Tagen" gewesen, sagte Mahr auf eine entsprechende Frage.

Werbung und Krieg

Grundsätzlich sei ein Abflauen des Zuschauerinteresses zu konstatieren. Bewährt habe sich bei RTL aber eine "Mischung" von "normalem" Programm mit aktueller Information, auch via News-Flashes. Diese Strategie fährt man natürlich auch, um der Werbewirtschaft unbelastete Sendeplätze anbieten zu können. "Werbung und Krieg ist nicht eben etwas, was sich gegenseitig anzieht", so Mahr. Man habe daher versucht, die werberelevanten Zeitzonen größtenteils freizuhalten oder zumindest "Puffer" - also etwa den Wetterbericht oder Eigenpromotion" zwischen Kriegsberichte und Werbeblöcke einzuziehen. Der Rückgang der Werbeerlöse sei so überschaubar geblieben: "Wir haben weit weniger als eine Million Euro verloren."

"Manipulationsversuche auf beiden Seiten"

Die Rolle der Medien im Krieg schätzt Mahr sehr hoch ein. "Sie sind die Einzigen, die den Feldherren wenigstens ein bisschen auf die Finger schauen." Wie wichtig die Medienpräsenz sei, zeige sich auch darin, dass sie von den Kriegsparteien "ernst genommen" würden. Kritisch beäugte Entwicklungen wie etwa die in die Koalitionstruppen "eingebetten" Journalisten haben sich für Mahr auch schon bewährt. "Ohne Journalisten vor Ort wäre es wahrscheinlich durchgegangen, dass Basra schon in der ersten Nacht erobert worden ist." Dass es "Manipulationsversuche auf beiden Seiten" gebe, sei klar, schließlich werde der Krieg - ebenfalls von beiden Seiten - auch mit PR-Mitteln geführt. "Es ist Aufgabe der Medien, sich aus der PR-Umklammerung zu lösen."

Die Medien in Großbritannien und ihre Berichterstattung über den Krieg sind für Mahr "immer noch ein Hort der Fairness", während in den USA "Hurrapatriotismus" herrsche. Er warnte jedoch davor, dies vorschnell zu verurteilen, da man in Österreich, das nicht involviert sei, den Grad der Betroffenheit in den USA kaum einschätzen könne. "Zwei österreichische Lawinenhunde würden schon genügen, um hier ein mittleres patriotisches Erdbeben auszulösen", illustrierte der österreichische Medienlegionär die potenziellen Befindlichkeiten hier zu Lande. (APA)

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