Construct Data unter Betrugsverdacht

1. April 2003, 11:04
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Vösendorfer Datenverarbeiter soll 2.000 italienische Firmen betrogen haben - Der Vorwurf: Unlautere Werbemethoden

Rom - Wegen des Verdachts auf trügerische und unlautere Werbemethoden ist die österreichische Datenverarbeitungsgesellschaft Construct Data Verlag Gmbh (Vösendorf) in Italien stark unter Druck geraten. Rund 2.000 italienische Unternehmen sollen Medienberichten zufolge von der Gesellschaft betrogen worden sein, die Infos über Messeveranstalter und Aussteller weltweit im Internet anbietet. Wir haben uns korrekt verhalten", sagte hingegen Construct Data-Geschäftsführer Wolfgang Valvoda am Dienstag auf APA-Anfrage.

"Verfahren anhängig"

"Es ist ein Verfahren gegen uns vor der italienischen Wettbewerbsbehörde anhängig", bestätigte Valvoda: "Wir lassen uns das aber nicht gefallen und werden bis zur obersten gerichtlichen Instanz gehen. Das Verfahren wird daher sicher noch Jahre dauern". Im Zuge einer weltweiten Expansion habe man zuletzt auch stärker den italienischen Markt bearbeitet, die Unternehmen aber stets genau über die Kosten der Dienstleistungen informiert, ist Valvoda überzeugt: "Ein kleiner Prozentsatz der Unternehmen reklamiert immer, in Italien ist das vielleicht auch mentalitätsbedingt". Auch in Deutschland habe es "hie und da Beschwerden" gegeben.

Laut einem Bericht der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" (Dienstagausgabe) sollen italienische Unternehmen 1998 bei internationalen Messen und Veranstaltungen von Construct Data kontaktiert worden sein und Daten an das Unternehmen weitergegeben haben, die im Internet unter Web-Seite Fairguide.com veröffentlicht wurden. Angeblich soll es sich dabei um eine Gratis-Dienstleistung gehandelt haben. Hunderte italienischer Unternehmen haben laut Bericht die entsprechenden Formulare ausgefüllt, aber nach wenigen Tagen die Anforderung auf eine Zahlung einer dreijährigen Gebühr für die Eintragung in die Web-Seite in Höhe von 700 Euro erhalten.

Lega Nord aktiv

Gegen jene Unternehmen, die sich zur Zahlung der geforderten Summe geweigert haben, seien sogleich österreichische Rechtsanwalt-Kanzleien angesetzt worden, die bei verspäteter Rechnungsbegleichung Zinsen verlangt und mit Strafverfahren gedroht hätten, so die Tageszeitung. Einige Unternehmen haben laut Bericht nachgegeben und die Summe gezahlt, andere hingegen Rechtsanwälte mit dem Fall beauftragt.

Der Lega Nord-Parlamentarier Edouard Ballaman hatte laut Bericht zuletzt die italienischen Wettbewerbsbehörde eingeschaltet, die am 30. Mai 2002 entschied, dass die Werbemethoden der Vösendorfer Gesellschaft trügerisch seien. Construct Data hat daraufhin gegen das Urteil der Behörde beim Verwaltungsgericht der Region Latium Einspruch erhoben. Das Verwaltungsgericht habe daraufhin bestätigt, dass die Werbemethoden der Construct Data fragwürdig seien, habe jedoch das Urteil der Konkurrenzbehörde annulliert, schreibt der "Giornale" weiter. Die Behörde erwäge nun weitere Vorgehensweisen gegen die österreichische Gesellschaft.

Auf Anfrage der Lega Nord sei auch das italienische Außenministerium eingeschaltet worden. Auch die italienische Botschaft in Wien habe Unternehmen vor der Gefahr trügerischer Werbung gewarnt. (APA)

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    montage: derstandard.at
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