Breakfast in Graz

2. April 2003, 15:25
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Graz entdeckt zur Zeit ganz heftig das urbane Wesen des Szene-Lokals. Was Graz noch nicht überzuckert hat: Öfter als einmal frühstücken pro Tag, ist nicht.

Viel tut sich in Graz, also auch lokalmäßig. Restaurants und Bars, die bisher schon gut besucht waren, brezeln sich mit gestylten Lounges auf, wie zum Beispiel das "Maroni"; andere, die vor kurzem zusperrten, sperren wieder auf, wie zum Beispiel die ehemalige "Mocca Bar", jetzt "Pfauengarten"; dritte wiederum, die bisher einem abendlichen Publikum vorbehalten waren, öffnen nun schon des Vormittags, man denke etwa an das "Thienfeld 03"; und dann sind da schließlich noch jene, die dort für Gedränge sorgen, wo früher nur trübes Wasser war, also konkret die "Insel" auf der Acconci-Insel, der derzeitige Szene-Hotspot Grazens. Und das Interessante dabei: So ziemlich alle setzen voll auf Frühstück. Die "03 Bar" sowieso, das Sixties-gestylte "Mocca Supremo" schon seit geraumer Zeit, das "Pfauengarten" aber auch, im "Thienfeld" gibt's Croissants und Milchkaffee, die "Insel" versucht mit drei verschiedenen frühstücken zu überzeugen, um nur einige der derzeit hippen Grazer Locations zu nennen. Interessant nicht zuletzt deshalb, weil küchenmäßig in der Kulturhauptstadt jetzt nicht gerade das Rad neu erfunden wird, da schlingert man zwischen Verhaftung im Steirischen und der hingebungsvollen Anbetung hegemonialer Italo-Küche. Wie lautet also die Message? Will man in Graz gut versorgt sein, sollte man in der Früh und des Vormittags ordentlich einschneiden, weil dann bleibt's bis zum nächsten Morgen eher fad und dürftig? Das kann's wohl nicht sein. Viel mehr drängt sich der Verdacht auf, dass dieses Frühstücks-Dings als urbanes Allheilmittel missverstanden wird, so auf die Art "füllst du Kaffee mit viel Milch in große Gläser, presst die Orange aus und träufelst Kernöl über die Eierspeis, dann hast du den halben Weg nach New York schon mal geschafft". Ist leider Unsinn, vor allem deshalb, weil auswärtiges Frühstück von Menschen, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, ja nur so wirklich am Wochenende wahrgenommen werden kann, und da hat in Graz leider immer noch so ziemlich alles zu. Außerdem, wie schon oben erwähnt, mag man eine als Frühstück deklarierte und in ihrer Zusammensetzung als solche auch erkennbare Mahlzeit nicht unbedingt zu Mittag oder des Abends verspeisen, also ich zumindest nicht.

Na wie auch immer, vielleicht trainieren sich die Grazer ja auch einen Buschmann-Magen an, die halten es nach dem Verzehr eines Straußeneis auch ein paar Tage ohne Essen aus. Den alten Schmäh, "Graz, und was machen wir am Nachmittag?", macht der Grazer Frühstücksboom aber jedenfalls auch nicht gerade weniger aktuell.

Von
Florian Holzer
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