Syrien arbeitet an "Wiederauferstehung" der arabischen Nation

1. April 2003, 08:01
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Bashar Assad hat zweischneidige Beziehung zu Saddam Hussein

Damaskus - Unter sengender Sonne sollen sich der syrische Präsident Bashar Assad und der irakische Machthaber Saddam Hussein im vergangenen August an der Grenze ihrer Länder getroffen haben. Der Iraker habe dem Syrer ein Gewehr aus dem Museum von Bagdad überreicht, berichtete eine jordanische Wochenzeitung. Seit der 37-jährige syrische Staatschef im Jahr 2000 seinem verstorbenen Vater nachfolgte, hat Damaskus seine Fühler Richtung Bagdad ausgestreckt.

In beiden Ländern predigt die regierende Baath-Partei ("Partei der Wiederauferstehung") einen knallharten arabischen Nationalismus. Nun sind im Norden des Iraks die ersten Freiwilligen aufgetaucht, die mit den irakischen Brüdern gegen die Invasoren aus den USA und Großbritannien kämpfen wollen. Assad gerät zunehmend ins Visier der USA.

Die Grenz-Begegnung zwischen Syriens jugendlich wirkendem Staats- und Parteichef und seinem 65-jährigen Kollegen aus Bagdad wurde offiziell nicht bestätigt. Als Bashar Assad seinen Vater Hafez gerade beerbt hatte, soll er Saddam Hussein sogar als "menschliche Bestie" bezeichnet haben. Denn trotz der gemeinsamen Wurzeln der Baath-Parteien hatten sich die Parteiführer seit den 70er Jahren in ihrem Bemühen um eine Führungsrolle im arabischen Lager zu Intimfeinden entwickelt.

Die Beziehungen sind heute mit Sicherheit unverkrampfter als zu Lebzeiten von Assad senior. Hatte Syrien sich im Golfkrieg 1990/91 noch auf die Seite der USA gestellt, so steht es diesmal an der Seite Saddams: Es sei "im Interesse" seines Landes, wenn "die Invasoren im Irak besiegt werden", sagt der syrische Außenminister Faruk el Sharaa.

Obwohl die Baath-Partei sozialistisches Gedankengut verbreitet, ist Syrien durch mehr als 30 Jahre Assad-Herrschaft unter die Knute eines kleinen Clans geraten. Bashar folgte seinem Vater in allen Führungsämtern nach, als wäre Syrien eine Monarchie. Bei seiner Wahl war er der einzige Kandidat und erhielt 97 Prozent der Stimmen. Mit der Meinungsfreiheit ist es nicht weit her. Auch hat Damaskus bis heute die Vormachtstellung im benachbarten Libanon nicht aufgegeben, die es seit 1976 ausübt. Das US-Außenministerium führt Syrien schon seit Jahren neben dem Irak, dem Iran und Libyen als eines der Länder auf, die "dem Terrorismus Pate stehen".

Als der blauäugige, schnurrbärtige Bashar an die Macht gelangte, sprach er viel von "Modernisierung". Aber die Führungsgremien von Staat und Baath-Partei werden von Militärs und anderen Vertretern der Sicherheitskräfte besetzt, die den Assads treu ergeben sind. Die syrische Außenpolitik ist fast ausschließlich von dem Prinzip bestimmt, Israel Paroli zu bieten. Seit 1967 weigert sich Damaskus, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, solange die damals von Israel eroberten Golanhöhen nicht vollständig zurückgegeben sind.

Eigentlich war Bashar, der zweitälteste Assad-Sohn, gar nicht als Staatschef eingeplant: 1994 kam sein älterer Bruder Bassel, der vom Vater für die Nachfolge auserkoren war, bei einem Unfall ums Leben. Daraufhin gab Bashar seine Ausbildung zum Augenarzt auf und ließ sich an der Militärakademie Homs zum Kommandant einer Panzerdivision ausbilden. Dank seiner Studien in London und des Besuch eines französisch-arabischen Gymnasiums in Damaskus ist der syrische Staatschef mehrsprachig und wirkt weltgewandt.

Doch mit dem Irak-Krieg scheint sich der Himmel über Damaskus zu verdüstern. Der syrische Präsident, der im Juli 2001 mehrtägige Besuche in Paris und Berlin absolvierte, steuert auf die schwierigsten Weichenstellungen seit seinem Amtsantritt zu. US-Außenminister Colin Powell forderte am Wochenende auf, er müsse sich entscheiden - zwischen der Unterstützung terroristischer Gruppen und Bagdads sowie der Zusammenarbeit mit Washington. Und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld möchte aus dem Mund Assads nicht wieder hören, der "arabische Widerstand" solle die amerikanische "Besatzung" des Iraks verhindern.(APA)

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