USA intensivieren Angriffe auf Bagdad

1. April 2003, 07:22
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Kurden: Nordfront bald einsatzklar - Arabische Staaten wollen UNO-Antikriegsresolution - USA: "Irak missachtet Menschenrechte"

Bagdad/Washington - Amerikanische und britische Streitkräfte haben am Dienstag, dem 13. Kriegstag, ihre Offensive im Irak mit Bombardements auf Bagdad und andere Ziele fortgesetzt. Die irakische Hauptstadt wurde am Morgen nach Berichten des US-Senders CNN von Explosionen erschüttert. In der Nähe der zentralirakischen Stadt Najaf töteten US-Soldaten an einer Straßensperre sieben Zivilisten. Die Front im Nordirak wird nach Darstellung eines kurdischen Sprechers schon bald einsatzbereit sein. Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau kritisierte wegen des Krieges ungewöhnlich scharf US- Präsident George W. Bush.

Arabische Staaten wollen UNO-Antikriegsresolution

Die arabischen Staaten streben eine Antikriegsresolution der UN-Vollversammlung an. Das teilte der irakische UN-Botschafter Mohammed El Duri am Montag nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan mit. Aus Diplomatenkreisen verlautete, in dem Entwurf der arabischen Staatengruppe werde ein Ende des Irak-Krieges, die Bekräftigung der irakischen Souveränität und die Rückkehr der UN-Waffeninspektoren gefordert.

In den vergangenen drei Tagen warfen die US-geführten Streitkräfte insgesamt 3000 Bomben über dem Irak ab. Dadurch sei die irakische Armee erheblich geschwächt worden, berichtete CNN unter Berufung auf das Pentagon. Zwischen US-Einheiten und irakischen Elite-Truppen der Republikanischen Garde kam es am Montag südlich Bagdads zu erbitterten Kämpfen. Laut der britischen BBC waren es die "ersten ernsthaften Zusammenstöße" mit den auf 60.000 Mann geschätzten Garde-Truppen. Die US-Armee habe damit "die Stärke der irakischen Einheiten testen" wollen.

Im Südirak erzielten die britischen Streitkräfte im Raum Basra laut BBC ihre "bisher größten Erfolge". Die rund 200.000 Einwohner zählende Stadt As Subayr sei nach "heftigen Gefechten" jetzt unter britischer Kontrolle, berichtete der Sender. Militärsprecher Piers Hankinson sprach von "brutalen Straßenkämpfen". Jetzt aber sei die Herrschaft des irakischen Staatschefs Saddam Hussein in As Subayr "ein für alle Mal vorbei".

Kurden: Nordfront bald einsatzklar

Im Nordirak rückten kurdische Truppen unterdessen weiter in Gebiete vor, die von der irakischen Armee aufgegeben wurden. Die irakischen Streitkräfte zögen sich weiter in Richtung der "Ölstadt" Kirkuk zurück, sagte der zur Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) gehörende Kommandeur Abdulrahman Kawrini am Montag vor Journalisten in Erbil. KDP-Sprecher Hoshyar Sibari erklärte ohne weitere Details zu nennen, die Nordfront werde bald einsatzbereit sein und im Krieg eine entscheidende Rolle spielen. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Montag im Nordirak erneut mutmaßliche Stellungen irakischer Truppen.

Bundespräsident Rau sagte am Montag in der n-tv-Sendung "Maischberger", Bush unterliege einem "grandiosen Missverständnis", wenn er von einer göttlichen Mission spreche, die ihn zu diesem Krieg antreibe. "Das ist eine völlig einseitige Botschaft des George W. Bush. Ich glaube nicht, dass ein Volk einen göttlichen Hinweis erhält, ein anderes Volk zu befreien."

USA: "Irak missachtet Menschenrechte"

Die USA warfen der irakischen Regierung von Saddam Hussein vor, sie habe im vergangenen Jahr Offiziere, Zivilisten und opponierende Stammesführer ermorden lassen. Allein in den ersten beiden Monaten 2002 habe das Regime 1500 Zivilisten wegen angeblicher Verbrechen gegen Saddam oder seine Baath-Partei hingerichtet, hieß es in dem am Montag vom US-Außenministerium vorgestellten Jahresbericht über die Lage der Menschenrechte in der Welt.

US-Außenminister Colin Powell wird an diesem Dienstag zu Gesprächen in Ankara erwartet, wo er die türkische Regierung davon überzeugen will, keine Truppen in den Norden des Iraks zu schicken. Im Anschluss will er das NATO-Hauptquartier in Brüssel besuchen. (APA/dpa/AP)

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