"Ich dachte, es wäre ein Selbstmordanschlag"

1. April 2003, 22:55
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US-Soldaten erschießen Zivilisten bei Checkpoints - Am Montag wurden sieben Frauen und Kinder bei Najaf erschossen - US-Generalstabschef entschuldigt sich

Shatra - US-Marineinfanteristen haben am Dienstag an einem Kontrollpunkt im Süden des Irak einen unbewaffneten Autofahrer erschossen. Erst Stunden zuvor starben am Montag sieben Frauen und Kinder bei einem ähnlichen Vorfall. "Ich dachte, es wäre ein Selbstmordanschlag", sagte einer der Soldaten. Der Vorfall ereignete sich nahe der Stadt Shatra, wo es zu einigen der bisher schwersten Kämpfen zwischen den US-geführten Truppen und Irakern gekommen war. Er könnte die Wut in der arabischen Welt über den US-Angriff weiter verstärken.

Am Morgen sei ein Mann mit seinem weißen Transporter schnell auf die Straßensperre an einer wichtigen Verbindungsstraße im Südirak zugefahren, sagten US-Soldaten der Nachrichtenagentur Reuters vor Ort. Offenbar habe er den begrenzenden Stacheldraht nicht gesehen. Als er durch den Stacheldraht gefahren sei, hätten die Soldaten das Feuer eröffnet. Der Fahrer sei dabei getötet und sein Beifahrer an Armen und Beinen verletzt worden. Der Mann habe keine Uniform getragen und das Auto sei unbeladen gewesen.

Sieben Frauen und Kinder getötet

Am Samstag waren bei einem irakischen Selbstmordanschlag an einem US-Kontrollpunkt vier Soldaten getötet worden. Zudem wurden die US-geführten Truppen in dem seit 13 Tagen andauernden Krieg mehrmals aus einem Hinterhalt angegriffen.

Die irakische Regierung hatte nach dem Anschlag vom Wochenende weitere Selbstmordanschläge angekündigt. Am Montag hatten US-Soldaten an einem Kontrollpunkt bei Najaf ebenfalls auf ein ziviles Auto geschossen und dabei sieben Frauen und Kinder getötet.

US-Generalstabschef entschuldigt sich

US-Generalstabschef Richard Myers hat sich am Dienstag bei den Hinterbliebenen der sieben von US-Soldaten an einem Kontrollposten erschossenen irakischen Zivilisten entschuldigt. "Der Verlust jeden unschuldigen Lebens ist wirklich tragisch", sagte Myers in Washington. "Ich möchte den Familien der Iraker, die gestern bei Najaf getötet wurden, mein Beileid aussprechen." Zugleich wies der General der irakischen Regierung eine Mitschuld an dem Zwischenfall zu: "Das von dem Regime im Irak erzeugte Klima hat mit zu diesem Vorfall beigetragen." Die irakische Führung verletze "andauernd die internationalen Gesetze der Kriegsführung". Die US-Regierung versuche dennoch alles, um zivile Leben zu schonen.

amnesty fordert Untersuchung

Die Menschenrechtsvereinigung amnesty international (ai) forderte unterdessen eine "unabhängige und vollständige" Untersuchung des Todes der sieben irakischen Frauen und Kinder. "Jeder Verdacht auf die unrechtmäßige Tötung von Zivilisten muss vor die Justiz gebracht werden", hieß es in einer am Dienstag in London verbreiteten Erklärung. Die Vereinigung wies darauf hin, dass sich die Schilderung des Vorfalls durch die US-Armee von Augenzeugenberichten in der US-Presse unterscheide.

Augenzeuge: Es gab keine Warnschüsse

Die US-Armee hatte angegeben, ihre Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben, bevor sie am Montag auf das mit Frauen und Kindern besetzte Fahrzeug feuerten. Ein von der "Washington Post" zitierter Augenzeuge bestritt dies.

Ein britischer Armeesprecher stellte sich hinter die Soldaten der alliierten Truppen. Soldaten, die sich bedroht fühlten und aus Selbstschutz handelten, "werden unsere volle Unterstützung haben, ganz gleich, wie es ausgeht", sagte Chris Vernon im britischen Rundfunksender BBC. "Wir und unsere Vorgesetzten müssen unsere untergebenen Kommandanten dort schwierige Entscheidungen so treffen lassen, wie sie sie für richtig halten", betonte der Sprecher. "Wenn sie entscheiden, dass die Bedrohung für unsere Soldaten eine Selbstverteidigung rechtfertigt, haben sie unsere Unterstützung." (APA/Reuters)

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