Schnellstarterin, aber keine Klasnic-Kopie

2. April 2003, 12:23
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Die 31-jährige Kristina Edlinger-Ploder ist Österreichs jüngste Landesrätin

Sie hat nicht lange überlegt. So eine Chance bekommt "frau" nicht alle Tage. Eine kurze Besprechung mit ihrem Ehemann, dem Architekten Elemer Ploder - und schon war die 31 Jahre alte Kristina Edlinger-Ploder jüngste Landesrätin Österreichs. So schnell kann das im Bundesland der Waltraud Klasnic gehen.

Die steirische Landeshauptfrau konnte ob ihres Coups ein schelmisches Lächeln nicht verbergen, als sie den Karrieresprung ihrer Mitarbeiterin nun öffentlich machte. Wobei "Karrieresprung" reiner Euphemismus ist. Edlinger-Ploder legte mit Klasnics Hilfe einen regelrechten Katapultstart in die Politik hin.

Die Tochter des ehemaligen TV-Moderators Klaus Edlinger kam erst 1998 als Mitarbeiterin ins Büro der Landeshauptfrau. 2000 kam Sohn Konstantin zur Welt. Kaum von der Karenz zurück, avancierte sie 2002 zu Klasnics Büroleiterin; wenig später trat Tochter Johanna in ihr Leben. Vater Elemer ging in Karenz, Mutter Kristina diesmal kurz in den Mutterschutz. Wieder im Büro, überraschte Klasnic ihre junge Mitarbeiterin mit dem Angebot, dem zum steirischen Energieunternehmen Estag quer aussteigenden Gerhard Hirschmann als Landesrätin nachzufolgen.

Kristina Edlinger-Ploder bringe "alles mit", was von einer verantwortungsvollen Politikerin verlangt werde, lobt Klasnic: Verlässlichkeit, "herb sein", wenn es notwendig ist, Organisationstalent für sich, für die Familie und Loyalität.

Auf die studierte Juristin wartet aber nun auch jenes von Klasnic geschaffene Monsterressort "Jugend, Generationen, Schulen, Universitäten, Fachhochschulen". "Ich trau' es mir zu", sagt Edlinger-Ploder selbstbewusst. Sie sei an diesen Themen allein durch ihr Alter "näher dran". "Ich kann mich noch besser an die Schule erinnern als einer, der 30 Jahre von der Schule weg ist."

Beruflich angefangen hat alles im weiten Sinne mit Bildung. Mit dem Erlernen des Golfspiels. Edlinger versuchte sich nach dem Studium am Aufbau eines Golfshops, ehe ihr eines Tages im Jahr 1998 die Frau Landeshauptmann in der Grazer Innenstadt über den Weg lief. Aus dem "Schauen S' einmal in meinem Büro vorbei" wurde ein enges Verhältnis und die Chance einer Politkarriere.

In der steirischen Volkspartei hält sich der Jubel über Klasnics Erfindung noch in Grenzen. Sie stößt vorerst unter den Parteigranden auf einige Skepsis. Sie bekenne sich aber ohnedies "voll und ganz" zur Volkspartei, versichert die junge Landesrätin. Parteipolitik sei ihr sogar "Herzenspolitik". Ein Ausdruck, der von Klasnic stammen könnte.

Aber halt! Sie sei Klasnic zwar in vielem sehr ähnlich - aber eines wolle sie ganz sicher nicht: eine "schlechte Kopie" der Waltraud Klasnic werden. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 1.4.2003)

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    Kristina Edlinger-Ploder
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