Ausgemerzte Künstlerin

2. April 2003, 01:00
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Das Leben der jüdischen Violinistin und Dirigentin Alma Rosé endete in Auschwitz

Lange Zeit war über die begabte Violinistin und Dirigentin Alma Rosé nichts bekannt. Ausgelöscht ihr Werk wie ihr Leben im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz. Die Erforschung des Werdegangs der Künstlerin gelang schließlich über Bibliografien ihres bekannten Vaters, den Geiger Arnold Rosé und ihren noch berühmteren Onkel Gustav Mahler.

Jugendliche Erfolge

Am 3. November 1906 in Wien geboren, wuchs Alma Rosé in einer assimilierten jüdischen Familie auf. Sie hatte das Glück, die Lieblingstochter des Vaters zu sein, der sie unterrichtete, "sobald sie eine Geige halten konnte". Ein Konservatorium hat sie vermutlich nie besucht. Im Alter von vierzehn Jahren hatte sie offenbar ihren ersten öffentlichen Auftritt als Solistin in Bad Ischl. Als 20-Jährige folgte ihr erstes großes Konzert im Wiener Musikverein mit Mitgliedern des Wiener Staatsopernorchesters unter der Leitung ihres Vaters. Dabei spielte sie Beethoven, Bach und Tschaikowsky. Ein Jahr später trat sie mit dem Wiener Sinfonie-Orchester auf und spielte im Rundfunk das Doppel-Violin-Konzert von J.S. Bach in D-moll. "Diese Aufnahme ist erhalten und wahrscheinlich die einzige, die von Alma Rosé existiert." (Knapp)

"Die Wiener Walzermädeln"

Vermutlich zu Beginn der 30er-Jahre (dies ist nicht genau belegt) gründete Alma Rosé unter dem Namen "Die Wiener Walzermädeln" ein eigenes Damenorchester. Im Österreichisch Biographischem Lexikon (1815-1950) sind ab 1935 zahlreiche Konzertreisen in Europa mit Alma Rosés Damenkapelle zahlreiche Konzertreisen in Europa verzeichnet.

Als sie 1930 einen tschechischen Violinvirtuosen heiratete, ging sie mit ihm auf Konzerttournée. Fünf Jahre später ließ sie sich scheiden und zog 1936 zu ihren Eltern nach Wien zurück. Hier hatte sich in der Zwischenzeit die politische Lage zugespitzt. Die Mehrheit der KünstlerInnen war bereits emigriert. Doch Alma Rosé ließ sich trotz ihrer jüdischen Herkunft nicht einschüchtern und gab bis 1938 mehrere Solidaritätskonzerte im Ausland aus Protest gegen die Nazis.

Emigration und Flucht

Als nach der "Annexion" Österreichs viele Musikschaffende wegen "rassischer Bedenklichkeit" Berufsverbot erhielten, wurden auch die "Wiener Walzermädeln" von der Reichskulturkammer aufgelöst. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 befand sich Alma Rosé noch in Wien. Erst am 24. März 1939 emigrierte sie nach London. Hier gab sie im Juli als Mitglied des Rosé-Quartetts bei einer Veranstaltung des "Musicians Group of the Austrian Circle" ihr letztes Konzert in Freiheit. Bald darauf verließ sie Großbritannien und lebte in den Niederlanden. Warum sie das sichere Exil verlassen hatte, ist nicht bekannt.

Deportation

Als im Herbst 1942 die ersten Deportationen holländischer JüdInnen in die Vernichtungslager begannen, floh sie nach Frankreich. Dort wurde sie verhaftet. Etwa ein halbes Jahr war sie im Internierungslager Drancy bei Paris gefangen, bevor sie am 18. Juli 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. (Knapp) Von August 1943 bis zu ihrem Tode leitete sie das Frauenorchester in Auschwitz-Birkenau.

Alma Rosé wurde am 4. April 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. (dabu)

Quelle:
Gabriele Knapp:
Alma Rosé (1906-1944)
Violinistin und Dirigentin.
Eine biografische Skizze
  • Alma Rosé - Vienna to Auschwitz.
    buchcover
    Alma Rosé - Vienna to Auschwitz.
  • Alma Rosé: Wien 1906 - Auschwitz 1944. Eine Biografie von
Richard Newman.
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    Alma Rosé: Wien 1906 - Auschwitz 1944. Eine Biografie von Richard Newman.
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