Jay Garner soll Iraks oberster Zivilverwalter werden

22. April 2003, 13:50
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Pensionierter General ist wegen Verfilzung mit Rüstungsindustrie umstritten - Vorläufige irakische Regierung erst später vorgesehen

Washington - Nach dem Golfkrieg 1991 war er Kommandant der in den nordirakischen Kurdengebieten stationierten US-Truppen, jetzt ist der zwischenzeitlich in den Ruhestand versetzte Drei-Sterne-General Jay Garner von Washington als Chef der "Zivilverwaltung" im Irak nach dem Sturz von Saddam Hussein vorgesehen. Doch der 64-jährige Garner, Leiter der Abteilung für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe im Pentagon, ist seit einiger Zeit in die Kritik geraten. Zuletzt warf ihm das britische Wochenblatt "The Observer" am Sonntag seine Verfilzung mit der US-Rüstungsindustrie vor.

Vorstandsvorsitzender einer Rüstungsfima

Nach seinem Abschied aus der Armee im Jahr 1997 wurde Garner, in Sachen Privatwirtschaft bis dato ein vollkommen unbeschriebenes Blatt, Vorstandsvorsitzender der in Virginia ansässigen Rüstungsfirma SY Technology. Mittlerweile ist er laut "Observer" Chef des mit SY Technology fusionierten Rüstungsunternehmens SY Coleman, seit diesem Jahr Filiale von L-3 Communications, deren Systeme für die Präzisionssteuerung von US-Raketen beim derzeitigen Krieg gegen den Irak im Einsatz sind.

Ex-Oberstleutnant erhebt Vorwurf der Freunderlwirtschaft

Im vergangenen Jahr beschuldigte der ehemalige Oberstleutnant Biff Baker Garner, einen engen Feund von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, vom Pentagon Aufträge im Wert von 100 Millionen Dollar (93,2 Mill. Euro) bekommen zu haben, indem er seine guten Beziehungen spielen ließ. Garner verklagte Baker daraufhin wegen Rufschädigung, und im Jänner kam es außergerichtlich zu einer gütlichen Einigung, die vertraulich behandelt wurde.

In der arabischen Welt umstritten

In der arabischen Welt ist Garner durch seine Erklärungen gegen die Palästinensische Autonomiebehörde und seine Verbindungen zum rechtsgerichteten Jewish Institute for National Security Affairs (JINSA) zusätzlich umstritten. Als oberster Zivilgouverneur im irakischen Staat der Nachkriegszeit soll Garner nach den Vorstellungen der Regierung von George W. Bush nur einige Monate im Amt bleiben. Als der wirklich starke Mann im Irak ist ohnehin der Chef des US-Zentralkommandos, General Tommy Franks, auserkoren. Später soll eine vorläufige irakische Regierung schrittweise Kompetenzen übernehmen.(APA)

  • Der pensionierte Drei-Sterne-General Jay Garner soll Chef der "Zivilverwaltung" im Nachkriegsirak werden.
    foto: epa/afpi files

    Der pensionierte Drei-Sterne-General Jay Garner soll Chef der "Zivilverwaltung" im Nachkriegsirak werden.

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