"Nein, danke" reichte nicht

31. März 2003, 14:11
184 Postings

... vor dem Ambulatorium am Fleischmarkt: Eine Leserin berichtet aus ihrem Alltag

Eigentlich bin ich wahrlich nicht der Typ Frau die wegen allem gleich in die Luft geht und sich ewig über unangenehme Geschehnisse des Alltags ärgert. Mein Erlebnis vom letzten Samstag (22.03.2003) schlägt jedoch dem Fass den Boden aus:

An bewusstem Samstag wollte ich dem Telekom-Shop am Schwedenplatz einen Besuch abstatten. Es war nach zwölf, das Geschäftslokal war geschlossen, ich war auf der Suche nach irgendwo angeschriebenen Öffnungszeiten und fand mich vor einem anderen Ausgang wie Eingang wieder. So weit so unspektakulär. Doch der Ausgang war direkt gegenüber dem Ambulatorium am Fleischmarkt, wie ich an einem Mann mit umgehängtem Abbild eines Fötus bemerkt habe. "Aha, da ist das also", dachte ich mir als ich daneben eine Bipa-Filiale registirierte. Einen kurzen Einkauf später verließ ich selbigen wieder und stand auf der Straße, als ich das gelbe Postschild mit Öffnungszeiten bemerkte. Da ich über gute Augen verfüge, sparte ich mir die Mühe, die Straße zum Lesen zu wechseln und blieb also stehen.

Wenige Sekunden später waren zwei Bilder von Ungeborenen in meinem Blickfeld, eine Frau sprach mich an "ob ich Informationen benötige?". Mit einem (noch) freundlichen, aber äußerst bestimmten "Nein, danke, ich brauche das nicht" hielt ich die Sache für erledigt. Doch die Frau ließ nicht locker (während ich mich auf das Lesen konzentrieren wollte) - "Sind Sie sicher daß Sie keine Informationen brauchen???" Nach einem weit weniger freundlichen "Ja!" und zwei Seitwärtsschritten wurde wieder nachgehakt: sie wird mich doch wohl noch informieren dürfen?!

Ich verließ dann äußerst verärgert und ziemlich fluchtartig diese sehr ungastliche Stätte (ob ich nun wohl auch als "Bekehrte" gelte??), die wohl nicht zu Unrecht so unbevölkert war. Ich empfinde es als Frechheit, daß man sich offensichtlich als Frau im gebärfähigen Alter nicht in dieser Gegend aufhalten kann, ohne derart penetrant belästigt zu werden. Da sind mir alle Bettler und "Hast du mal kurz Zeit für Tiere/Kinder/die ganze Welt?-Menschen" beim vielzitierten A**** lieber wie diese beim Gesicht. Bei den NPO-Leuten reicht meist ein freundliches "nein" um seine Ruhe zu haben; ich fühlte mich wahrlich belästigt durch diese Aufdringlichkeit. Wäre ich Inhaberin der Bipa-Filiale, ich hätte schon längst wegen Geschäftsschädigung geklagt, denn keine Frau wird sich nach solchen Erlebnissen absichtlich in diese Gegend "verirren" ...

Von Alexandra Anton

Rubrik "Mein Alltag":
Sie stecken in Ihrem Alltag zuviel drin? Dann erzählen Sie uns und anderen UserInnen Ihre kleinen (und kurzen!) Alltagsgeschichten. Per E-Mail.

  • Eine Pro-Life-Abtreibungsgegnerin vor der Klinik am Fleischmarkt
    diestandard.at
    Eine Pro-Life-Abtreibungsgegnerin vor der Klinik am Fleischmarkt
Share if you care.