Gratis parken

Redaktion
31. März 2003, 17:00
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Ein Parkpickerl? I. schüttelt den Kopf. Er brauche kein Pickerl. Und für einen Garagenplatz ...

... habe er noch nie bezahlt. Obwohl er mitten im dichtest verbauten Teil des sechsten Bezirkes wohnt und stolzer Betreiber von zwei beinahe-Oldtimern, einer Familienkutsche und zweier Motorräder ist. Weil er das Parkpickerl ohnehin nur für einen seiner Wägen bekäme und dann trotzdem keinen Parkplatz finden würde, tue er sich das nicht an: I. parkt in der Garage. Gratis.

Dass das kein Problem sei, erklärt er mir an einer roten Ampel. Auf dem Fahrrad. Weil so blöd, sich mit dem Auto in der Stadt zu ärgern ist I. nicht. Nur gibt es in seinem Haus keinen absperrbaren Fahrradkeller und weil er für "seine" Garage keinen Schlüssel hat, will er wissen, ob er nicht einen Schlüssel zum Fahrradabstellraum in meinem Haus ... und so weiter.

Autodeponie

Das mit der Garage ist wirklich einfach. Und scheinbar fällt es auch keinem auf ,wenn hier etliche Leute kostenfrei ihre Fahrzeuge unterstellen: In einem der Parkgeschosse stehen drei Peugeots aus den frühen 80er-Jahren unter einer zentimeterdicken Staubschicht. Kennzeichenlos. Auch in anderen Ecken der Garage setzen nummerntafellose Autos Staub an. Wie die reinkämen? I. lacht: Legal, bei der Haupteinfahrt. Weil ein paar Firmen hier Abstellbuchten gemietet haben, genügt ein Knopfdruck - und der erste Schranken geht hoch. Im Innenhof, wo ein zweiter Schranken die Abfahrt bewacht, genügt es, wenn zwei Personen sich auf die Sensorplatte stellen, die bei genügend hoher Belastung den Rollbalken öffnet.

Schrankenüberlistung

Das, erklärt I., ist wichtig: Sonst müsste er nämlich immer warten, bis irgendjemand mit seinem Auto in die Garage fährt, um zu Fuß zu einem seiner Fahrzeuge zu kommen. Manchmal bitte er einen Passanten um Ballast-Hilfe. Und beim Rausfahren. Das, gibt I. zu, sei manchmal ein bisserl mühselig. Aus der Garage selbst kommt man problemlos raus. Der Rollbalken wird per Lichtschranke geöffnet. Um auf die Straße zu kommen, müsse er aber warten, bis ein anderer - legaler - Garagenbenutzer mit einer Magnetkarte oder einem Schlüssel für die Ausfahrtschranke käme. Das habe aber noch nie länger als zehn Minuten gedauert. Manchmal warten da bis zu drei Autos. Aber die Schranken wären auch oft kaputt - I. schwört, das er damit nichts zu tun habe - und dann sowieso oben.

Mit dem Motorrad sei das noch einfacher: Die Fußgängertür auf die Straße sei immer offen. Ich bin baff. Und rechne nach. Wieviel Geld ich in den letzten Jahren für Parkpickerln, Strafmandate, Parkscheine und Garagenplätze vergeudet habe. I. hilft mir: Garagenplätze, rechnet er mir vor, gibt es im Bezirk ab 100 Euro. Plusminus. Meist plus. Bei drei Autos und zwei Motorrädern käme er - trotz Rabatten - nicht unter 300 Euro im Monat weg. I. spart dieses Geld. Für einen vierten Wagen. Einen echten, teuren, alten Sportwagen. Einen, den er nie auf der Straße oder im unbeaufsichtigten öffentlichen Raum stehen lassen wird. Welche Garage in unserer Umgebung er nehmen wird, kann I. noch nicht sagen. Welche es garantiert nicht werden wird, dagegen schon.

Nachlese

--> Sternmarsch
--> Wie bei Oma
--> Indien
--> Ein Geschenk
--> Speckgürtel
--> Valentinsdebakel
--> Die Mulde
--> Die Tunnel unter der Stadt
--> Flugrattenpflege
--> Telefonieren für 0 Cent
--> Spaß mit den Nachbarn
--> Drei Zentimeter
--> Noch ein Zimmer
--> Eleanor Rigby
--> Quartierschreberei revisited
--> Weitere Stadtgeschichten ...

Die wöchentliche Kolumne von Thomas Rottenberg

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