Wie Kärnten mit seiner Zukunft spielte

27. November 2009, 13:33
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    Mitgehangen, mitgefangen heißt es am Wörthersee. Der Klagenfurter Hypo und mit ihr dem Land Kärnten steht das Wasser bis zum Hals.

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Das Vermögen des Zukunftsfonds hängt auch am Schicksal der Hypo. Bis 2008 waren 480 Millionen Euro über die Mitarbeiterstiftung bei der Bank gelandet. Der Rest in Golfplätzen, Bädern und Fluglinien

"Vom Geld des Zukunftsfonds profitiert ganz Kärnten." Jörg Haiders Äußerung im Mai 2008 hat einiges für sich: Das Sondervermögen aus den Anteilsverkäufen der angeschlagenen Hypo Group Alpe Adria wurde tatsächlich breit gestreut. Wie der Landesrechnungshof in einem unveröffentlichten Bericht schreibt, der dem Standard vorliegt, sind bis Mitte 2008 bereits 297 Millionen Euro vergeben oder zugesagt worden. Darunter finden sich Zuschüsse an Fluglinien wie die gestrandete Styrian Airways und die LowCost Tuifly ebenso wie Investitionen in Golfplätze und Bäder.

Später kamen noch Aktionen wie Gratiskindergartenjahr und Jugendtausender hinzu, weshalb das Vermögen in der Zwischenzeit weiter geschrumpft ist. Im schwer defizitären Kärntner Budget versickerten zudem 62 Mio. Euro. Den größten Brocken stellt die von der ökonomischen Relevanz stark umstrittene Koralmbahn dar, in die der Fonds 140 Millionen Euro pumpt (siehe Grafik).

"Zukunft Kärnten"

Nicht ganz Kärnten, aber dafür die Hypo profitierte ebenfalls vom sogenannten Sondervermögen "Zukunft Kärnten" , das der Kärntner Landesholding gehört und für das ebendort ein eigener Rechnungskreis eingerichtet wurde. In der Hypo Group wurden nämlich die Mittel aus der Begebung der 500-Millionen-Euro-Wandelanleihe im Juni 2005 (Erlös nach Abzug von Provisionen und Spesen: rund 492 Mio. Euro) und aus dem Verkauf der Hypo-Anteile an die BayernLB im Herbst 2007 gebunkert. Über eine recht phantasievolle Konstruktion: Die mit der Fondsverwaltung betraute Landesholding hat vor vier Jahren "auf Basis eines von externen Experten für die HBInt (Hypo Alpe Adria Bank International) ein Modell entwickelt" , bei dem die Gelder als Darlehen an eine Tochter der Hypo Mitarbeiter Privatstiftung (MAP; hält 0,02 Prozent der Bank) flossen.

Die dafür gegründete MAP Finanzmanagement GmbH erhielt damit "Darlehen im Ausmaß von bis zu rund 420 Millionen zur weiteren Veranlagung" , schrieb der Rechnungshof im Juli 2009.

Gleichzeitig wurde damals ein Vermögensverwaltungsvertrag zwischen MAP und Hypo abgeschlossen, der die Veranlagung spezifizierte, wobei für verschiedene Kategorien Zinssätze vorgegeben wurden, die kumuliert eine Rendite von 2,56 Prozent ergaben. Zudem erhielt die Mitarbeiterstiftung direkt einen Kredit über 75 Mio. Euro, sodass von der Landesholding 2005 insgesamt 480 Millionen über die Belegschaft an die Hypo verliehen wurden.

Veranlagung bei Freunden

Zur Absicherung des Kreditgebers wurde das Wertpapierdepot der MAP an die Hypo verpfändet, letztere gewährte wiederum der Landesholding eine Kapitalgarantie. 2007 wurden zusätzlich die Gelder aus dem Hypo-Verkauf (Erlös: 809 Mio. Euro) durch die Landesholding bei der Hypo veranlagt.

Warum die Konstruktion über die Mitarbeiterstiftung gewählt wurde, wird von den Prüfern nicht genau geklärt, sie sprechen recht vage von "steuerrechtlichen Erwägungen" . Dass die Erlöse des Landes ohne Ausschreibung bei der Hypo landeten, sorgte in den Gremien jedenfalls für Diskussionen. Aufsichtsrat und Vorstand der Landesholding kamen trotzdem zum Schluss, "dass eine freihändige Vergabe zu Marktkonditionen vergaberechtlich vertretbar sei, weil die Nachteile im Falle einer Drittvergabe überwiegen würden" . Als diese Nachteile werden u.a. "Eigenmittelhinterlegungspflicht" und "Schädigung des Mitaktionärs" angeführt.

Die Wandelanleihe wurde im Juni 2008 rückgeführt; laut Bericht hatten die Transaktionskosten rund zwölf Millionen Euro betragen; fast elf Mio. Euro entfielen auf Provision, Spesen und Bonus für die HSBC, die mit "dem unterstützenden Partner VCP" die Emission betreut hatte. Der Zinsaufwand lag laut Prüfern bei 38,8 Mio. Euro, der Zinsertrag bei 35 Mio. Euro.

Veranlagung umgestellt

Inzwischen hat das Land seine Veranlagung umgestellt. Heute sind die Mittel des "Zukunftsfonds" in vier Tranchen angelegt, "ein Teil liegt bei der Hypo, das zeigt unser Vertrauen in die Bank" , sagt Landesholding-Präsident,VP-Landesrat Josef Martinz. Auch deshalb ist die Situation in Klagenfurt betreffend Bankrettung nicht ganz so entspannt, wie das die Landespolitiker glauben machen wollen.

Umso mehr, als der Kurs der Bayern, die die Österreicher bei der Hypo-Sanierung in die Pflicht nehmen wollen, immer strenger wird. Am Donnerstag hat der bayerische Landtag beschlossen, dass die BayernLB ihn über jeden Schritt informieren muss, den sie in Sachen Kärntner Hypo unternimmt. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2009)

Kommentar posten
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einer von den gscheiten leuten
20
28.11.2009, 10:18
spitzenbanker

... unter einem marcel elsner wäre das wohl nicht passiert. da würde die überschrift wohl lauten: "wie kärnten um die zukunft des ögb spielte". finde es irgendwie schade, dass hier das bild vermittelt wird, kärnten sei der einzige sumpf österreichs und die meute auch noch händeklatschend auf den zug aufspringt. die "presse" hat es diesmal charmanter gemacht und spricht von der "bawag des südens"...

Krisengeschüttelter
00
14.12.2009, 14:12

sicher nicht der einzige Sumpf Österreichs - aber nach heutigem Stand der Dinge, der mit Abstand größte!

Barney_Stinson
00
1.12.2009, 15:48
"die "presse" hat es diesmal charmanter gemacht und spricht von der "bawag des südens"..."

na dann hoffen wir mal auf einen prozess mit haftstrafen

Juni73
 
02
29.11.2009, 09:16

Netter Versuch, aber dagegen war die BAWAG keine Skandal sondern ein Mißgeschick.

Zudem sitzt der Verantwortliche für das BAWAG-Verbrechen hinter Gittern, während die schwarz-blau-orangen Hypo Besitzer nach dem Geld des österreichischen Steuerzahlers lechzen.

Dirty_Harry
20
29.11.2009, 14:17


hinter Gittern... - stimmt leider nicht, Herr Verzetnitsch ist noch immer frei - seine Seilschaft war offensichtlich sehr tragfähig...

Silvio Lackner
51
28.11.2009, 09:14
Die schwarze Bankklientel wird "klammheimlich" mit Finanzspritzen am Leben erhalten, keiner sagt was, ist eh normal.

DIe roten Banken wurden auch schon gut gefüttert. Ohne dass Land oder Staat Eigentümerverpflichtungen gehabt hätten.

Wenn die "orange" bank, die unter Haider aufgebaut und verkauft wurde, ins Trudeln gerät, sind alle gscheit und reden von show - Politik.

A propos show: am besten ist die ÖVP - den schwarzen Wursteln nehmen sogar die Poster hier immer noch das Staatstragende ab.

http://www.misik.at/sonstige/... kandal.php

Barney_Stinson
00
1.12.2009, 15:50
wenn man liest, was sie so von sich geben, könnte man meinen die HAA hätte noch keine finanzspritze vom staat bekommen

hat sie aber. nur ist das geld dahin.
ich würde gerne hören, was sie und ihre BZÖ kollegen vor zwei monaten noch gesagt hätten, wenn zum beispiel die BAWAG ihre finanzspritze komplett in den wind geschossen hätte und jetzt gern noch mehr hätte.

Dirty_Harry
00
29.11.2009, 14:18

Aha, die Bawag war also eine "schwarze" Bank...

Dante Alighieri
02
28.11.2009, 15:29

So schlecht wie die Hypo Alpe-Adria steht keine österreichische Bank da. Und mit ihren zwei Dutzend Filialen ist sie wohl nicht wirklich systemerhaltend...

LGM
00
28.11.2009, 10:26

Sag, ist Dir das nicht selbst peinlich, wie Du hier das Versagen der Kärntner Politik schönreden willst?
Schau Dir die Bilanzen der großen Banken in Österreich an, dann kannst Du sehen, welche davon gesund dastehen und welche am Boden liegt.

edson arantes do nascimento
020
27.11.2009, 17:49
an den falken, mario rutar,.......

.....am abend bitte nicht das gebet vergessen!

jörg unser im himmel
geheiligt werde dein name
dein reich(es kärnten) komme
dein wille geschehe wie in villach so auch in klagenfurt

unseren täglichen beachvolleyball gib uns heute
und vergib uns unsere bildungsdefizite
wie auch wir vergeben
all deine finanztransaktionen
und führe uns nicht in die zweisprachigkeit
sondern erlöse uns von den linken wienern

denn dein ist der stadtkrämer
und die hypo arena und die wörtherseebühne
in alle ewigkeit - amen

Irrer Wahnsinn
01
28.11.2009, 07:53
Schade,

Das Fegefeuer wurde von der katholischen Kirche abgeschafft die Hölle macht auch keinen Spaß mehr.

Dante Alighieri
03
27.11.2009, 20:51

Der Rutar ist ja überhaupt absurd, italienischer Vorname, slowenischer Nachname, und trotzdem verteidigt er die braunen Deppen in Kärnten.

paxmundi
05
27.11.2009, 17:16
Auahhh 1

Es ist unglaublich, da richtet die Nummer zwei in unserem schönen Kärnten (Uwe Scheuch) mit seiner jüngst getätigten Aussage „Nicht der, der verlangt, ist ein Tocker, sondern der, der zahlt.“ Der Bundesregierung, dem Land Bayern und den österreichischen Steuerzahlern (für alle Nullpeiler - ja auch den Kärntner Steuerzahlern) faktisch aus, das Sie alle Tockern (Anm. Dummköpfe, Deppen) sind und merkt es noch nicht einmal! Da drängt sich einem förmlich die Frage auf, ob nicht er der erste Obertocker im Land ist, bei so viel politischem Feingefühl. Und der Nummer eins im Land (Gerhard Dörfler) ist die Bank nach eigener Aussage faktisch wurscht, weil sein privates Geld eh woanders liegt. Das dürfte vermutlich der zweite Obertocker sein.

Rea List
00
27.11.2009, 17:25
völlig richtig: der steuerzahler ist der docker, wenn er mit seinen steuern für die bankenverluste zahlt und sich gleichzeitig per inflation enteignen lässt und durch teure kredite versklaven.

Esme Weatherwax
02
27.11.2009, 17:22
Das Tragische ist nur...

... dass die von ihm als Tocker Bezeichneten bei der nächsten Gelegenheit wieder mehrheitlich den Obertocker wählen werden.

paxmundi
00
27.11.2009, 17:33
Völlig richtig...

Jedem Tocker sein Obertocker. Echt grauslich.

paxmundi
00
27.11.2009, 17:14
Auahhh 2

Diese hohen Herren vergessen dabei völlig (wahrscheinlich ist es ihnen ohnehin komplett egal) welche immense glücksbereitende Freude Sie den hunderten kleinen Mitarbeitern der Hypo, den tausenden Kunden derselben, den zigtausenden vernunftbegabten Kärntner, den Millionen Steuerzahler in Österreich und Deutschland (restriktive Bayern), der Österreichische Bundesregierung (restriktive Finanzminister Pröll) und dem Freistaat Bayern mit diesen Aussagen gemacht haben. Zu den Konsequenzen, welche diese hochintelligenten Aussagen der beiden Herren für unser geliebtes Kärnten haben kann/wird möchte ich hier lieber schweigen… Und solche geistigen Größen regieren unser armes vergewaltigtes Kärntnerland.

paxmundi
00
27.11.2009, 17:10
Der Pröll fliegt am Wochenende

für zwei Wochen nach Mauritius, das ist aber schön, dass gönn ich ihm ja so sehr. Er muss anscheinend seine Flitterwochen nachholen (kein Witz)..., aber wird er dann nicht die Krisensitzung über die Zukunft der Hypo am 10. Dezember verpassen, oder seh ich da was falsch??? Vielleicht will er weg von all den Tockern (Anm.: Deppen, Dumköpfe - „Nicht der, der verlangt, ist ein Tocker, sondern der, der zahlt." - Copyright Uwe Scheuch). Hoffentlich verpasst er dann nicht den Finanz-Tsunami in Kärnten (Anm. Flutung mit Geld oder Untergang ohne Geld der heiligen Insel der Gaude-Tockern...)

ulrixx
62
27.11.2009, 16:18
BZÖ

Ist sicherlich eine Tragödie, ich bezweifle aber stark das Kärnten jetzt Finanziell besser da stehen würde wenn die ÖVP regiert hätte, siehe NÖ.

Barney_Stinson
00
1.12.2009, 07:27
aber die ÖVP wär nicht so dämlich, trotzdem noch 100er an das volk zu verteilen

Dante Alighieri
00
27.11.2009, 21:04

Kärnten ist dank Haider Österreichs Schlusslicht geworden. Sprich Niederösterreich steht tatsächlich besser da. Trotz aller Pröllschen Sünden.

Silvio Lackner
00
30.11.2009, 09:00
mit einer Metropole mittendrin ist leicht besser dastehen.

sie vergleichen ja Äpfel mit Birnen, aber das wissen Sie ohnehin selbst

stelln sich ja alle gern blöd hier, wenn es um die (geografische) Lage Kärntens geht

Barney_Stinson
00
1.12.2009, 07:27
wenn kärnten nicht dort liegen würde wo es liegt

würde die haupteinnahmequelle, nämlich die besucher aus aus- und inland wegfallen und dann wär gar nichts mehr da, was in irgendeiner form wert hat

Silvio Lackner
00
1.12.2009, 15:35
Leben Sie noch in den 1960ern?

Kaufens doch eine der Hotelruinen am Wörthersee und versuchens Tunesien, Türkei oder Kreta zu konkurrenzieren. Viel Glück! Nicht dass es nicht vereinzelt mehr oder weniger erfolgreiche Hoteliers gäbe, aber reich wird das Land davon nicht.

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