Emirat

Dubai sucht Weg aus Schuldenspirale

27. November 2009 10:19

Im Emirat geht es derzeit ans Eingemachte: Die 80 Milliarden Dollar Staatsverschuldung drückt aufs Image der Hochglanz­metropole

Krisenmanagement in Dubai ist eine sonderbare Sache. Scheich Mohammad Bin Rashid Al Maktoum, Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher von Dubai, verkündete noch vergangene Woche beim World Economic Forum energisch, die Kritiker von Dubai sollen "den Mund halten". Das Emirat habe seine Finanzen im Griff und werde die drückendste Schuldenlast, den Mitte Dezember fälligen islamischen Bond der Developer-Gesellschaft Nakheel in der Höhe von 3,5 Mrd. Dollar, rechtzeitig bedienen.

Was unmittelbar danach folgte, überraschte aber auch intime Kenner des Emirates: Scheich Maktoum rührte in den regierungsnahen Konzernkonglomeraten gehörig um und entfernte langjährige Spitzenmanager, etwa Omar Bin Sulaiman, Chef des Dubai International Financial Center, des wichtigsten und größten Offshore-Finanzzentrums der Region. Mohammad Al Gergawi, Ahmad Bin Sulayem und Mohammad Ali Abbar, alle drei "Architekten" des heutigen (auf Schulden gebauten) Dubai, wurden von ihren Funktionen an der Spitze der Investment Corporation of Dubai (auch "Dubai Inc." genannt) entfernt.

Dubai World wird restrukturiert

Am Mittwoch wurde auch die Restrukturierung der riesigen Holding-Gesellschaft Dubai World publik. Dort wurde Deloitte-Experte Aidan Birkett als "Chief Restructuring Officer" eingesetzt. Birkett soll eng mit dem in der Krise eingesetzten Dubai Financial Support Fund zusammenarbeiten, um die Sanierung von Dubai World voranzutreiben. Als erste Maßnahme wurden die Gläubiger von Dubai World, zu der auch DP World, der viertgrößte Hafenbetreiber der Welt, gehört, um einen Zahlungsaufschub der Schulden bis "mindestens" 30. Mai 2010 gebeten. Allein auf Dubai World lasten 59 der 80 Mrd. Dollar Schulden des Emirates.

Die Nachricht wurde von der Finanzgemeinschaft nicht positiv beurteilt. "Viele Investoren hatten eine rechtzeitige Bedienung der Schulden und keine große Restrukturierung erwartet", sagt Monica Malik, Analystin beim Finanzhaus EFG Hermes.

In der Tat mehren sich nun wieder die Befürchtungen, dass Dubai tiefer im Finanzschlamassel steckt als bisher angenommen. Da Transparenz nicht gerade die große Stärke der Regierung und ihrer Firmenkonglomerate ist, tappen auch viele Analysten im Dunkeln, wie Tristan Cooper, Moody's-Analyst in Dubai, erläutert.

Angst vor Zahlungsunfähigkeit

An den internationalen Finanzmärkten hat die Bitte Dubais um Stundung der Schulden jedenfalls heftige Reaktionen ausgelöst. Aktienmärkte zeigten sich verunsichert, Dax und EuroStoxx trieb es nach unten, Daimler und Porsche mit ihren Verbindungen zum Golf litten deutlich, und die Risikoprämien auf Staatsschulden aus den Emiraten schossen in die Höhe. Auch von der Zahlungsunfähigkeit Dubais ist bereits die Rede, was auch auf Anleihen anderer Schwellenländer drückt. Anleihen-Analysten behandeln Dubai derzeit in etwa auf dem Niveau der beinahe-bankrotten Ukraine.

Doch die Befürchtungen eines Zahlungsausfalles werden durch Hilfe aus dem ölreichen Nachbaremirat Abu Dhabi etwas entschärft. Abu Dhabi hat eine 20 Mrd. Dollar schwere Staatsanleihen-Tranche zugesichert, von der bereits zehn Mrd. gezogen wurden, die letzten fünf Mrd. gerade erst am Mittwoch. Das Geld fließt in den Restrukturierungsfonds Dubais. Was genau damit gemacht wird, bleibt aber hinter den Mauern von Scheich Maktoums Palast verborgen. Gerüchteweise erbittet sich Abu Dhabi mehr Einfluss in Dubais regierungsnahen Gesellschaften, unter anderem auch der Fluglinie Emirates. (Arno Maierbrugger aus Dubai, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.11.2009)

Kommentar posten
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neuer weg
30.11.2009 17:31
auch für dubai wird die erkenntnis, dass Bäume nicht in den himmel wachsen

früchte tragen - hofft man doch.

a bissi langsamer bauen, a bissi weniger, a bissi wirtschaftlicher usw.

mit abu dhabi als "Bruderemirat", dass über 10 % der opec-ölreserven verfügt, verfügt man indirekt auch über Sicherheiten.

Und mit einem etwaigen Arbeitslosenproblem werden die VAE auch nicht belastet werden.
Arbeitslose Gastarbeiter werden relativ rasch ins heimatland geschickt.

Was tatsächlich ein Problem für die WW darstellen kann, sind die jetzt aufgebauten Überkapazitäten der Chines. Wirtschaft.

Aber warten wir einfach ab - die suppe wird nie so heiß gegessen, wie sie gekocht wird.

und ich bin auch froh in keinem Aktien/Fondskarussel mehr mitzufahren, so kann man etwas relaxeder dem ganzen Treiben zusehen.

plapperforum
29.11.2009 17:21
Ich glaub, wenn ein Meteorti auf Dubai fallen würde,

würde dieses unsäglich inszenierte Theater auch niemandem fehlen.

Fred 01
28.11.2009 13:16
Summe BIP Golfstaaten = 66% BIP Spanien

BIP (Spanien) = $1.611.767 Milliarden

Die Summe des BIPs aller arab. Staaten ($ 1746,388 x 10^9) ist leicht hoeher als das BIP Spaniens
($ 1.611.767 x 10^9 ); die Summe der Golfstaaten allein ist ziemlich genau 66% des span. BIPs:

Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2008. Alle Daten beruhen auf Berechnungen des Internationalen Währungsfonds. Auflistung unter http://de.wikipedia.org/wiki/List... ite_note-1

neuer weg
30.11.2009 17:34
richtig !

die Bedeutung wird etwas überschätzt.

VAE sitzen zudem mit über 10 % der opecerdölreserven auf einem relativ hohen Berg an Sicherheiten.
abu dhabi wird sich diese Unterstützung wie im Artikel bereits angedeutet sicher einiges kosten lassen.
and the world goes on and on.

Alf von Melmak
28.11.2009 00:20
Im Emirat geht es derzeit ans Eingemachte: Die 80 Milliarden Dollar Staatsverschuldung drückt aufs Image der Hochglanz­metropole


Das is' ganz einfach die Strafe A11ah's für die Lockerung der Sitten in Dubai.

Ein paar ordentliche Mullahs an die Macht, die Peitsche ein bisserl lockerer handhaben oder besser jeden Monat ein paar anständige Steinigungen, und der da oben freut sich wieder...

3ch0
27.11.2009 17:17

Die schönsten Ruinen der Postmoderne.
Platz genug um hinkünftig viele Interpretationen über das wie und warum zu tätigen...


PS: bedeutet das die ganzen unfertigen Anlagen gehen nicht in Betrieb, und der skurrile Energieverbrauch dafür bleibt uns erspart? Hurra!

peter schmidt
 
27.11.2009 14:36
das wird für dubai sicher mal auch einen aderlaß an arbeitskräften bedeuten

die ingenieure und andere akademiker aus usa-europa-iran sowie die arbeiter aus afrika,pakistan und indien werden wohl nicht lange auf geld warten wollen/können.

bei den großen bauprojekten sind ja maximal 1-2 prozent der beschäftigten (beamte, sicherheitskräfte) einheimische. alle anderen sind aus dem ausland.

allerdings würde es mich schon wundern dass wegen 4 milliarden dollar so ein riesiges problem entsteht. das legt ja die 1000köpfige herrscherfamilie in 10 minuten zusammen wenns wollen.

also entweder nur eine kleine stockung wegen falschem liquiditätsmanagement oder aber ein viel größeres problem, dass wir alle nicht kennen im hintergrund.

pueblo unido
27.11.2009 16:19

"die ingenieure und andere akademiker aus usa-europa-iran sowie die arbeiter aus afrika,pakistan und indien werden wohl nicht lange auf geld warten wollen/können"

die ziehen eh schon nach abu dhabi um, immer mehr dubai kennzeichen dort, so wie sharjah früher die pendlerschlafstadt von dubai war werden halt jetzt die billigen immobilien in dubai die pendlerschlafstätten für abu dhabi, sind wenigstens schönere häuser und bessere qualität...

Fritz Wunderlich
27.11.2009 13:20

naja, wenn sie das mit den schuldnern nach islamischen recht richten, sind die schuldner pleite, nicht dubai
andererseits könnten darunter die andere scheichs sein und einige moolahs, dann wird es kritisch

Mike Myers
27.11.2009 12:54
Abu Dhabi wird´s schon richten,

müssen halt Mohammad Bin Rashid Al Maktoum künftig ein bisserl dezenter auftreten und nicht anderen als rückständig verhöhnen.

go4wards
27.11.2009 12:52
Überraschung ?

war das keine, denn bereits seit Nov 08 wurde mehrmals berichtet..
http://global4wards.blogspot.com/search/label/Dubai

caranx
27.11.2009 12:27
"Vor allem islamische Finanzprodukte in Asien fielen"

Eine Halbsatz, der es in sich hat.
Nach Dutzenden von Reisen in die Region und nach einem langatmigen Referat eines Pakistaners über Islambanking letztes Jahr dämmerts langsam: Islambanking ist nichts anderes als ein zinsloser Kredit, aber nur für Rechtgläubige. Der richtige Glaube ist auch das wichtigste Bonitäts - Kriterium.
Der -rechtgläubige- Kreditnehmer kann also das Objekt (und wenn es nur auf dem Papier existiert) mit gutem Gewinn und trotzdem interessanten Konditionen weitergeben. Irgendwo wird dann auch ein Derivat daraus.
Letztlich ist seine Highness/Heiligkeit/der Staat (wer ist was?) der Garant. Und der/die können sich ab einem gewissen Volumen auch nicht mehr der realen Welt entziehen.

gutartiger Bösmensch
27.11.2009 13:34
Zinslos ist daran gar nix

es heißt halt "Pauschale" "Aufwandsentschädigung" oder "Gewinnbeteiligung".

José Atento
27.11.2009 12:02
Analystenmeinungen:

http://www.welt.de/die-welt/... Dubai.html

Das war im September des Jahres.

japsa
27.11.2009 12:02
Das kommt vom ausufernden Grössenwahn -

sieht man bei den unterschiedlichen Hotelprojekten und bei den Emirates Air - mein Mitleid hält sich in Grenzen. Heute ist Dubai ein Ziel für alle Hausmeister und ich kann wieder in Ruhe an die nördliche Adria.

national-sozialer Denker
 
27.11.2009 11:54
Zineszins + Schuldknechtschaft = Turmbau zu Babel


Die Wirtschaftskrise hat ihr Symbol gefunden. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Bender Rodriguez
27.11.2009 17:55

Na nur gut, das es sowas bei den Islamischen Anleihen nicht gibt. Hier wurde ihre Wunderwelt also verwirklicht.

Von denen ist hier nämlich die Rede. ;)

Clara Phlik
27.11.2009 11:39
Heutzutage

kann ein Unternehmen oder Staat gar nicht groß genug sein um Bankrott gehen zu können.

Liquidität heißt das Zauberwort.

Die USA z.B. ist dies schon mindestens 30 Jahre bankrott, aber solange China und der Rest der Welt denen immer noch Geld geben, können sie weiter Schulden machen.

Ewig kann das aber nicht so weiter gehen.

Dubai muss nur weiter Dumme finden, die ihnen Geld geben. Dann geht es wieder weiter, sonst kracht es.

gaisbock
27.11.2009 11:39
weiss jemand, wann die ersten grundstücke am mars verkauft werden?

Kapitalismus Luege
27.11.2009 12:26

nein, werde aber meine Pensionskassa dort investieren

- oder soll ich doch zum Kettenraucher werden?

Bender Rodriguez
27.11.2009 12:06

Ja seit 1980 oder so.
;)

Michael Bakunin
27.11.2009 12:01

ja, ich verkaufe dir gerne welche.
wo soll es denn liegen und wie groß soll es sein?
bitte um überweisung auf mein konto. ;-)

ivoryhunters
27.11.2009 11:38
der anfang vom ende

lustig, vor ein paar tagen habe ich unter einer anderen rubrik orakelt, dass Dubai bald pleite geht.
dabei habe ich aber mehr an das ausbleibende ölgeld gedacht als an überbordende schulden. sorry mein fehler ;-)

auch wenns dubai dieses mal schafft, das ende ist absehbar.

der ganze humbug funktioniert solange, wie geld von aussen dazu gepumpt wird.
denn zum dubaisystem, brauchts
1.) Geld vom Ausland
2.) Arbeitskräfte vom Ausland
denn die dubaier - auch wenn viele millionäre sind - arbeiten nichts.

da wackelts gewaltig im fundament.

ist nur eine frage der zeit bis die ausländer - die dort die mehrheit der bevölkerung und 99% der Arbeitskräfte stellt (übrigens auch 70 % des Militärs) - das land übernehmen.

Karin Stadler2
27.11.2009 11:35
Dubai - unter Einsatz von Sklavenarbeit auf Sand gebaut.

Mister Minister
29.11.2009 12:56

Slaves built the pyramides, slaves built America, ...

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