Vom Automaten zum fingerfertigen Kollegen

26. November 2009, 18:36

Die Evolution der Roboter hat eine wichtige Stufe überschritten - Impressionen von der japanischen Robot Expo

Normalerweise soll der Roboter Motoman mit seinen mächtigen Stahlarmen schwere Bauteile wuchten. Doch auf der Robot Expo in Tokio lassen die Erschaffer den Muskelprotz filigran mit Lego basteln. Ein anderer bereitet japanische Pfannkuchen zu. Das Ziel der Schau stellt Junji Tsuda, Chef der Robotersparte von Yaskawa, einem führenden Hersteller von Automatisierungstechnik für die Industrie, klar: "Wir wollen multifunktionelle Roboter entwickeln, die unabhängiger als bisher agieren."

Motoman zeigt damit den Trend der Messe im roboterverrückten Japan auf: Aussteller aus den führenden Roboternationen Japan, Deutschland und USA präsentieren nahezu marktreife Hände für den Kollegen Maschine. Mit zwei, drei oder vier Fingern können sie Kühlschränke öffnen und Eier greifen, ohne sie zu zerbrechen.

Mit der Fähigkeit zum fingerfertigen Hantieren brechen die Maschinenkameraden aus ihrer eingezäunten Existenz als stumpfe Produktionsautomaten aus. Sie werden immer mehr zum Partner des Menschen. Denn nun können die Roboter flexibler auf ihre Umwelt reagieren, verschiedene Dinge greifen, montieren oder bringen.

Der nimmermüde, immer freundliche Haushaltshelfer wird allerdings noch für lange Zeit ein Traum bleiben, macht Asiens wichtigste Robotermesse deutlich. Humanoide Roboter wie Hondas Asimo fehlen. "Der Weg zur Servicerobotik führt nur über die Fabriken", sagt Rainer Bischoff vom größten europäischen Roboterhersteller Kuka aus Deutschland. Im relativ geschützten Umfeld werden die Roboter robust, sicher und schlau genug gemacht werden, um dem Menschen im Alltag eine wirkliche Hilfe zu sein. Selbst das Öffnen eines Kühlschranks stellt noch eine Herausforderung für Roboter dar. Außerdem rechnet sich die Anschaffung eines Menschenersatzes nur im Dauerbetrieb.

Zuerst wird der Roboter also Seite an Seite mit dem menschlichen Kollegen schuften. Den neuesten Stand der Technik bei zweiarmigen Robotern stellt der japanische Hersteller Kawada Industries auf der Messe vor. An einen Arbeitstisch hat er drei menschengroße Gesellen mit flachen Köpfen positioniert, die arbeitsteilig ein Werkstück produzieren. Der erste Roboter bastelt Platten zusammen, reicht sein Bauteil per Hand an Roboter zwei weiter. Der greift sich eine Bohrmaschine, dreht Schrauben rein und gibt das Zwischenprodukt an seinen dritten Kollegen weiter, der es abschließend behandelt und ablegt. Die Maschinenwesen sind bereits für den Einsatz unter Menschen geeignet. Denn sie schalten sich ab, wenn eine Person ihnen zu nahe tritt.

Auch Japans größter Industrieroboterhersteller Fanuc verschließt sich dem Trend zum Greifen nicht. Neben einem Arm, der Lasten von bis zu einer Tonne umherwuchten kann, sortiert das sechsachsige Greiferchen Genkotsu Number 1 (Faust Nummer 1) wild durcheinanderliegende Pillen blitzschnell nach Farben in Fläschchen. Roboter wie diese könnten auch Arbeiten übernehmen, die bisher Menschen vorbehalten waren und damit der Roboterindustrie neue Märkte öffnen, sagt Unternehmenssprecher Keisuke Fujii.

"Eigenständige Roboter werden nur die Spitze des Eisbergs sein, unter der Oberfläche wird es hingegen sehr viel Robotertechnik im Alltag geben", meint Shu Ishiguro, Generalsekretär des Rats zur Förderung der Roboterindustrie, mit Blick in die Zukunft. Doch auch der richtige Roboter wird kommen. Alle Unternehmen arbeiten darauf hin. Yaskawa führt sogar einen - nennen wir ihn mal - Ro-Butler vor. Die abgespeckte Version des Motoman holt ein Getränk aus dem Eisschrank und serviert es langsam, aber formvollendet japanisch - mit einer tiefen Verbeugung. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. November 2009)

Linke Chuzpe
00
1.12.2009, 16:56
Die Entwicklung zur totalen Herrscherei ist nicht unwirklich!

Allerdings werden sich kluge Menschen dem entziehen, indem sie sich in ein Glas mit Nährflüssigkeit zurückziehen.

Sozusagen von Glas mit Hirn zu Glas mit Hirn sex betreiben. Ist Saversex.

Hansi müller3
00
28.11.2009, 13:03
Der Roboter der da auf dem Bild dargestellt ist scheint wie Fossil

gegenüber den für millitärische Zwecke entworfenen Robotern von Boston Dynamics.

http://www.bostondynamics.com/

Habe es schon des öfteren erwähnt. Solche Roboter werden in einigen Jahrzehnten durch die Straßen patroulieren und dabei nicht den Müll einsammeln, sondern als Exekutive agieren. Wenn die mit Waffen und Gesichtserkennungstools ausgestattet sind werden die zu einem unglaublichen Machtinstrument werden. Von den sich selbst entwerfenden und bauenden Robotern mal ganz abgesehen. Da wird es noch gute 100-200 Jahre dauern bis das möglich ist.

Aber wo sich die Robotertechnik in den kommenden 1000 Jahren hin entwickelt könnte, wird wahrscheinlich ein wahr werdender Alptraum für die Menschen werden.

Pi der Grieche
00
30.11.2009, 10:12
Demokratie, Mechanokratie, Arithmokratie, Hypercore Supereinheit.

Ja, das wäre eine mögliche Vision. Die Bedeutung des Menschen als Entscheidungsträger nimmt immer mehr ab, die Demokratie weicht einer Mechanokratie, dann einer Arithmokratie. Roboterhirne treffen ihre Entscheidungen schneller. Sie bauen keine Nachkommen, sondern ihr eigens Modell immer weiter aus, lernen von ihren Fehlern und kopieren sich nötigenfalls. Irgendwann wird auch die Biosphäre nicht mehr benötigt, da die Energie direkt von der Sonne gewonnen wird. Die säuerliche und ätzende Atmosphäre verschwindet und wird durch ein oberflächenschonendes Gas ersetzt, das Materie und Strahlungen aus dem Weltall besser filtert.
Als Vermächtnis vergangenen Lebens gilt die selbsterneuernde Zellstruktur des planetenumspannenden Organismus.

bro
01
27.11.2009, 09:14
Untertitel

Untertitel: "Die Evolution der Roboter hat eine wichtige Stufe überschritten".
...der Autor des Artikels (bzw. des Untertitels) hat anscheinend keine Ahnung, was Evolution wirklich ist. Mir scheint, er hat sein wissen darüber aus Filmen wie "Transformers" bezogen.
Ich finde den Wunschtraum von sich eigenständig weiterentwickelnden Robotern eigentlich nicht so verlockend. Man könnte offene Probleme im Zusammenhang mit diesen Thema im Rahmen so eines Artikels ruhig diskutieren, anstatt es bei der bloßen Beschreibung zu belassen.

Pi der Grieche
01
27.11.2009, 10:52
Der Begriff Evolution stimmt schon

Sie müssen nicht gleich den Verfasser als Ahnungslosen hinstellen, und ihm andihten er hätte wie Sie den Film Transformers gesehen, denn das könnte zum Schuss ins eigene Knie werden.

Evolution meint allgemein Optimierungsverfahren.
Unter Evolution als Begriff versteht man Entwicklung; (lat. evolvere „ausrollen, entwickeln, ablaufen“)
Was Sie meinen ist die biologische Evolution.
Genau genommen gehören Roboter zur Evolution des Menschen. Sind es doch Werkzeuge, die von seinem evolierten Gehirn entworfen wurden.

Coleman Silk
00
27.11.2009, 12:10

immer schön wenn jemand dass was man selber gerade als antowrt posten wollte schon geschrieben hat - und natürlich auch wenn jemand noch latein kann ;)

grüße, coleman

Pi der Grieche
00
27.11.2009, 11:03

Offensichtlich gehören Begriffe auch zu den Dingen die evolieren. Manchmal aber nur einfach mutieren, ohne zur Entwicklung zu gelangen, wie mein Begriff "andichten".
Vergessen wir nicht, dass all unsere Begriffe von uns selbst erfunden und definiert wurden und nicht gottgegeben einfach existieren.

Nehmen wir doch einmal den Begriff "Leben" her.
Niemand kann heute mit einer (end)gültigen Definition aufwarten. Früher wurde Leben mit Reproduktionsfähigkeit beschrieben. Das hat sich seit den Robotern geändert. Zumindest theoretisch, da man bisher noch keine gebaut hat.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.