Bricknersblog

Abrüstung gegen "Schwuchtel" und "Tschusch"-Beschimpfungen

Irene Brickner, 28. November 2009 21:16

In Berlin herrscht nach Übergriffberichten Unfrieden zwischen homosexuellenfeindlichen Migranten und ausländerfeindlichen Homosexuellen. Um Derartiges in Österreich abzuwenden, sollten nicht nur Rapper mehr auf die Wortwahl achten

Freitag vor einer Woche, am 20. November, ging es in der Ottakringer Brunnenpassage bei einer Podiumsdiskussion um ein für Österreich neues Thema: ob Angehörige so genannter Minderheiten - um diesen Begriff mit dem unschönen Wortteil „minder" zu verwenden - einander ablehnend oder gar mit Verachtung gegenüberstehen. Konkret ging es um Einwanderer und Homosexuelle. Die Nachricht, dass es Zorn und Misstrauen zwischen diesen beiden Bevölkerungsgruppen gibt , kam aus Berlin. Dort, so schilderte Tülin Duman, von GLADT, eines Vereins von Lesben und Schwulen mit türkischem Hintergrund in Deutschland, werde über Pöbeleien, ja Gewalttaten junger, vor allem muslimischer Einwanderer gegen Schwule und Lesben berichtet. Innerhalb der schwullesbischen Szene gebe es daher „Wehrt Euch!"-Aufrufe und zunehmend sogar Stimmen , nicht mehr in türkischen Geschäften einkaufen zu gehen - mit all den unang e nehmen zeitgeschichtlichen Assoziationen an, die das mit sich bringt . 

In Wien, so schilderte Wolfgang Wilhelm von der Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen der Stadt, habe es vereinzelt ebenfalls schon derartige Klagen gegeben. Bei näherem Hinschauen jedoch habe sich meist herausgestellt, dass der Unfrieden andere Ursachen hatte. Etwa Lärmbelästigung durch kinderreiche Einwandererfamilien im Gemeindebau, die jedoch weniger den zu lauten "Ausländern" an sich, sondern vielmehr zu dünnen Wänden geschuldet waren. Von den Beteiligten seien sie zum Ausländer-Homosexuellenproblem umgedeutet worden, so wie überhaupt handfeste ökonomische Konflikte oder Streit um Ressourcen fälschlicherweise gern auf Kulturelles reduziert werden.. 

Bleibt die Frage der Wortwahl. Hier kam bei der Podiumsdiskussion die Sache mit dem Favoritner Rapper Ramses zur Sprache. Ein Sohn iranischer Einwanderer, in dessen Texten die Wörter „schwul" , „Schwuchtel" etc. einen nicht unbedeutenden Rolle spielen. Im März 2009 war Ramses im Club 2 aufgetreten und hatte seine Negativausagane über Schwule wiederholt. Später meinte er im Interview mit Ivana Martinovic, Redakteurin der Zeitschrift Biber, es so nicht gemeint zu haben. Nicht wirklich überzeugend, selbst wenn man mitbedenkt, dass - sozusagen auf der Gegenseite - in Österreich der Ausdruck „Tschusch" schon zum Allgemeinschimpfwort geworden ist . Zu einem Ausdruck, der situationsbedingt auf alle zu passen scheint, die man momentan gerade aus irgendeinem Grund nicht mag. Ob aufstachelnde "Schwuchteln" oder "Tschuschn": Im Alltag tut verbale Abrüstung Not!

Irene.Brickner@derStandard.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
1 2 3
Gaytalk & Queerspeech
 
13.12.2009 17:53
Dass ALLE türkischstämmigen ZuwanderInnen homophob wären, widerlegt sich ja schon dadurch, dass es die GLADT (Artikel oben LESEN!) gibt:


Eine lesbischwule Organisation von und für türkische MigantInnen... also.

Etliche SPIELEN vielleicht auch nur auf homophob, um von eigenen einschlägigen Bedürfnissen abzulenken, weil sie nicht enterbt werden möchten und die Cousine doch auch eine schöne Mitgift mitbrächte.

Wie der.standard (die.standard ?) berichtete, soll es in ISTANBULS "einschlägigen" Stadtvierteln übrigens gar nicht prüde sondern sehr lustig zugehen.


Fred der Prophet
09.12.2009 18:31
Was haben da jetzt die dünnen Wände verloren?

Böser
13.12.2009 11:27

ein sündenbock ist immer schnell gefunden

Veridad
03.12.2009 12:17
relativ relativ ...

Die Sprache sollte frei bleiben und das politisch korrekte Getue nervt! Ich lasse mir nicht verbieten manche meiner Freunde mit Migrationshintergrund im Spass Tschutsch oder Kanake zu nennen, genauso werden manche Österreicher von mir Schwabos genannt, ebenso manche Jugos oder Türken, wenn sie sich zu uncool (zu deutsch) benehmen. Nicht alle Betroffenen nehmen das so ernst. So z.b. eine SA-erin die gerade ihr letztes Geld ausgab und mir lachend erklärte: "Jetzt bin I nega - doppelt nega!" Also ein Tschutsch oder Nega kann jeder sein, hab ich beides auch schon zu Altösterreichern gesagt - verdientermassen!

bobo de droite
08.12.2009 06:14
liebe frau brickner

(veridad: sorry, ich kann vom hauptlink nicht posten)

ich möchte ihre heile welt ja nur ungern stören, aber ich selbst (gelegenheitstunte) bin schon 3 mal von moslems wegen meines aussehens angegriffen worden (innerhalb von paris!). einmal davon krankenhausreif (1 woche, schwere gehirnerschütterung). aus den tuntigen teilen meines bekanntenkreises hört man ähnliches: eine freundin musste nach mehreren persönlichen attacken innerhalb kurzer zeit sogar ihr haus in sèvres verkaufen und wegziehen, da man ihr mittlerweile gezielt auflauerte. die polizei ist hilflos. ich würde vorschlagen, sie unternehmen einen kleinen ausflug aus ihrer geistigen provinz in die wirklich welt.

Anna Achmatowa
14.03.2010 05:55
Auch in Wien

Mein tiefes Mitgefühl für Dich und Deine Schwestern. Inzwischen passieren solche Dinge auch in Wien. Natürlich geht dann niemand zu unserer homophoben Polizei, wo man vom muslimischen Regen in die staatliche Traufe kommt.

Robert Waloch
01.12.2009 17:22
Beleidigungen von Schwulen

und Lesben erregen PC-korrekte Gutmenschen nur, wenn sie von weißen inländischen Katholiken kommen! So sie aus anderer (ethnisch-religiöser) Quelle stammen, werden sie in Blogs auf dünne Wände zurückgeführt.......

David Mungo
01.12.2009 12:45

Man sollte sich nicht in Beamtenmanier immer stur auf die Liste der "bösen" Ausdrücke konzentrieren, sondern immer überlegen, wie etwas in einer ganz konkreten Situation von einer ganz konkreten Person gemeint sein könnte. Wenn in einem Polizeibericht etwa politisch korrekt ständig von "dem SA" (Schwarzafr.) die Rede ist, dann kann man sich sicher sein, dass das wesentlich rass-istischer gemeint ist als das unüberlegte politisch nicht korrekte Pendant, das z. B. ein 80-Jähriger Bauer aus der Obersteiermark verwendet.

GulGarak
01.12.2009 10:30

Immer wenn sich wer über die Benutzung solcher Begriffe aufregt, ist es mir ein Hochgenuss, diese dann erst recht zu verwenden. PC lässt sich sowas von schön necken.

Kevin Pospisil
06.12.2009 19:51

Und Primitivpostings ala "Lethawae" zeigen, dass Sie damit völlig richtig liegen :-)

Lethawae
01.12.2009 16:56

Schon OK, Huso.

Christ Kind
02.12.2009 14:08
was kann die arme

Hu fuer so einen So?

Timagoras
 
30.11.2009 12:25
"Aufrufe und zunehmend sogar Stimmen , nicht mehr in türkischen Geschäften einkaufen zu gehen"


also so was habe ich noch nie und nirgends gehört oder gelesen (wäre ja auch eine ziemliche sch*einerei).

gibt es für diese angeblichen aufrufe irgendwelche belege, oder ist das wieder so eine "kenn-ich-vom-hörensagen-geschichte", die man (frau) halt so einstreut, um ....
.... ja warum eigentlich?

K. Liebel
01.12.2009 11:55
Irrtum: das ist wahr!

Am aktuellen Titelblatt des Berliner schwul/lesbische Magazins "Siegessäule" steht "Wehrt euch!" gegen die angebliche Bedrohung durch Migranten in den Berliner Kiezen, v.a. natürlich in Kreuzberg.

IntegrierterAusländer
26.12.2009 19:59
Na super!

Jetzt sind auch noch die Homosexuellen gegen Einwanderer.

Wo das hinführt, wissen wir ja.
Vielleicht stehen dann einmal politische Organisationen, einheitlich in schönem Regenbogenlook gekleidet, dazu eine schöne Armbinde mit Homosexualitäts-Symbolen mit großem "Tunten wehrt euch! Kauft nicht bei Türken"-Schild vor türkischen Geschäften.

Geht diese Welt jetzt endgültig den Bach runter oder was..

Timagoras
 
01.12.2009 14:19
"Am aktuellen Titelblatt des Berliner schwul/lesbische Magazins "Siegessäule" steht "Wehrt euch!""


haben Sie mein posting nicht gelesen?
ich sprach nicht von "Wehrt euch!" (was ist daran falsch, sich nicht wie ein hilfloses opfer alles gefallen zu lassen?), sondern von dem angeblichen aufruf "kauft nicht bei Türken"!

gibt es dafür irgendwelche belege?



Kevin Pospisil
01.12.2009 00:29
Sie erwarten in der Brickner-Glosse wirklich Fakten ?

Nicht Ihr Ernst, oder ?

Der Ruhestifter
30.11.2009 01:29
Wieder mal zeigt sich die notwendigkeit von diskriminierung

Diskriminierung bedeutet erst mal unterscheidung. Und die ist unvermeidlich. Die frage ist, welche:

Wenn man (wie ich) sagt, dass die resepktabilität von menschen unabhängig von ihrer sexuellen orientiertung sei; dass kinder unabhängig vom hintergrund ihrer eltern das recht hätten, in umständen aufzuwachsen, in denen ihre würde respektiert wird; dass frauen unabhängig von den glaubenssystemen irgendwelcher männer dieselben rechte wie männer hätten - dann kann man nicht gleichzeitig sagen, eine tradition, in der alle diese rechte missachtet werden, sei genausogut wie jede andere. Entweder man diskrimiert menschen, oder traditionen - und zwar durchaus auch wertend.

hotzenplotz1001
30.11.2009 12:17
Seien Sie nicht einäugig, lieber Ruhestifter! Wir können schon einmal bei der katholischen Kirche anfangen.

Die ist seit Jahrhunderten massiv dabei, all diese von Ihnen kritisierten Dogmen, Praktiken und Haltungen zu verbreiten. Dieses am nähesten liegende Problem wollen Sie nicht bewältigen? Sehen Sie hier keinen Handlungsbedarf?

Der Ruhestifter
01.12.2009 01:19
Über die katholische kirche dürften wir einer meinung sein

Soweit die europäische tradition christlich ist, ist sie barbarisch, inhuman und reaktionär. Soweit sie human und fortschrittlich ist, ist sie es, weil fortschrittliche und aufgeklärte menschen das gegen den widerstand der christlichen kirchen durchgesetzt haben. Deswegen bezieht sich meine forderung nach diskriminierung auch auf die inhalte von traditionen, nicht darauf, in welchen gebieten sie mehr oder weniger verbreitet sind.

Timagoras
 
30.11.2009 16:26
"... bei der katholischen Kirche anfangen. Die ist seit Jahrhunderten massiv dabei, all diese von Ihnen kritisierten Dogmen, Praktiken und Haltungen zu verbreiten"


und unsereins ist seit ebensovielen jahrhunderten dabei, die katholischen kirche wegen deren dogmen, praktiken und haltungen in die schranken zu weisen.
und zum größten teil (in manchen ländern mehr, in manchen weniger) ist es uns auch gelungen, diese haltungen kritisieren zu können, ohne dafür an den pranger gestellt zu werden.
und jetzt wollen Sie uns bei einer anderen religion dieses recht verwehren, bzw. uns wegen kritik an deren dogmen, praktiken und haltungen an den pranger stellen?

wie find' ich denn das?

Timagoras
 
29.11.2009 22:35
"hatte seine Negativausagane über Schwule wiederholt"


negativaussage?

wäre eine derartige beleidigung gegenüber z.b. Mu**imen, J**den oder frauen , (die sternderln sind übrigens gerechtfertigt, da pstings mit solchen reizworten für gewöhnlich im f0r0maten hängen bleiben) auch als "negativaussage" verharmlost worden (und v.a. wenn sie z.b. von einem autochthonen Österreicher getätigt worden wäre)?????????

politisch verfolgt
02.12.2009 01:04
hmm

interessant, daß sie auf diese (gute) frage seit 2 tagen keine antwort bekommen. da sind einige poster anscheinend peinlich berührt...

zack de la rocha
 
29.11.2009 22:26
dajonny
29.11.2009 14:45

Keine Angst, in ein paar Jahrzehnten sind wir die "Minder"heit - ich hoffe für all jene, die jeden noch so sprachgebräuchlichen Begriff 5 mal umdrehen, ob da eh nichts diskriminierendes enthalten ist, dass die Mehrheit dann genauso handelt - was ich jetzt allerdings nicht erkennnen würde!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.