AK-Umfrage: Bachelor nach wie vor kaum bekannt

2. Dezember 2009, 09:22
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Mehr als 40 Prozent können überhaupt nichts damit anfangen

Wien - Der Bachelor und der Master sind für viele Österreicher nach wie vor unbekannte Wesen. Laut einer im Auftrag der Arbeiterkammer Wien im September durchgeführten Umfrage konnten mehr als 40 Prozent der Befragten mit diesen Titeln überhaupt nichts anfangen. Nur ein Viertel der 1.000 befragten Personen über 18 Jahren zeigte sich gut informiert, rund ein weiteres Drittel konnte sich zumindest ungefähr etwas unter der neuen Studienarchitektur vorstellen.

Hoffnung für den Bachelor: Die Informiertheit der Österreicher über akademische Abschlüsse ist generell nicht allzu hoch: Über die traditionellen Titel wie Doktor, Magister und Diplom-Ingenieur sind rund die Hälfte der Befragten gut und ein weiteres Drittel zumindest ungefähr informiert. Rund ein Fünftel der Bevölkerung weiß auch über diese traditionellen Hochschulabschlüsse bzw. die Unterschiede so gut wie nichts.

Berufschancen werden gering eingeschätzt

Das Wissen über die Abschlüsse steigt mit dem Bildungsstand - allerdings wissen auch nur 36 Prozent der Maturanten über den Master und 45 Prozent über den Bachelor gut Bescheid. Selbst Schüler und Studenten haben noch Nachholbedarf: Nur 40 Prozent waren über den Master gut informiert, 43 Prozent über den Bachelor.

Die Berufschancen der Bachelors schätzten die Österreicher - nach einer kurzen Erläuterung, was dieser Abschluss bedeutet - eher gering ein: Nur 35 Prozent glaubten an gute Berufsaussichten, 38 Prozent bezweifelten das - ein Viertel der Befragten traute sich kein Urteil zu. Die Skepsis zieht sich dabei durch alle Bevölkerungsgruppen und ist bei höheren Bildungsschichten sogar überdurchschnittlich ausgeprägt. Unter den gut Informierten glaubten 42 Prozent, mit einem Bachelor-Abschluss einen adäquaten Job zu bekommen, 46 Prozent vertraten die gegenteilige Ansicht.

AK: Mangelnde Akzeptanz des Bachelors führt zu zusätzlichen Belastungen

"Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn die meisten an den Bachelor noch ein Master-Studium dranhängen", meinte AK-Präsident Herbert Tumpel in einer Aussendung. Die mangelnde Akzeptanz des Bachelors führe auch zu zusätzlichen Belastungen der Familien mit Ausbildungskosten: Wenn an mindestens drei Jahre Bachelor-Studium fast zwingend mindestens zwei Jahre Master-Studium angehängt werden müssten, werde das Studium im Vergleich zum mindestens vierjährigen Diplomstudium verlängert.

Die AK fordert daher eine breite Informationskampagne bei Eltern, Schülern, Studenten und Personalverantwortlichen, eine Reform der Studienpläne unter Einbeziehung der Studierenden in Richtung einer Überprüfung der tatsächlichen Studierbarkeit in der vorgesehenen Studiendauer sowie Anrechnungsmöglichkeiten und die Schaffung von individuellen Wahlmöglichkeiten. Außerdem verlangt die AK die Einbindung von Vertretern der Arbeitswelt in die Gestaltung der Studienpläne, die Einrichtung berufsbegleitender Masterstudiengänge an den Unis, regelmäßige bundesweite Absolventenbefragungen sowie den Ausbau der "Career-Centers" an den Hochschulen. (APA)

 

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