Kopf des Tages

Richard Grasl: "Vifer Hund" mit biegsamem Rückgrat

25. November 2009 17:52
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    Foto: apa/hans leitner/orf

    Wird 2011 kaufmännischer Direktor im ORF: Richard Grasl

Die Bestellung des künftigen kaufmännischen Direktors im ORF lässt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten des Rundfunkproporzes wach werden

Die Bestellung des künftigen kaufmännischen Direktors im ORF lässt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten des Rundfunkproporzes wach werden. Als die SPÖ im Jahr 1962 Helmut Zilk im ORF aufsteigen sehen wollte, bastelte sie mit der ÖVP ein Regierungsübereinkommen: Per Gesetz besetzten sie Zilk als Hauptreferenten für Jugend.
Dazwischen liegt ein Rundfunkvolksbegehren - und ganz so schlimm ist es mit dem zukünftigen kaufmännischen Direktor des ORF, Richard Grasl, nicht bestellt. Aber nicht wenige sprechen von "politischer Erpressung" im Zusammenhang mit seiner Bestellung: Grasl als Finanzdirektor hatte die ÖVP gewollt - und erst als sie ihn hatte, nickte sie die von der SPÖ gewünschte Gebührenrefundierung ab. Eine Hand wäscht die andere, so wie das eben in Österreich und in dessen Substrat, dem ORF, immer schon war. 

Richard Grasl (36) wuchs in Krems auf und studierte Handelswissenschaften. Mit 16 schreibt er erste journalistische Artikel. 1992 beginnt er im Landesstudio Niederösterreich und wechselt von 1999 bis 2001 zur ZiB nach Wien. 2002 schickt ihn die damalige Generaldirektorin Monika Lindner als Chefredakteur zurück nach St. Pölten. 

Die Meinungen über ihn gehen auseinander. "Vifer Hund", "jovial", "guter Journalist", "zielstrebig" sagen Wohlwollende. Kritiker sehen in seiner Zielstrebigkeit eher das biegsame Rückgrat eines Karrierehungrigen. Pragmatisch praktisch gestaltete sich demzufolge sein rascher Aufstieg in Niederösterreich: Dem medienbewussten Landeschef Erwin Pröll gewährt das Landesstudio 2002 unter seiner Führung üppige TV-Präsenz, der Regionalsender erhielt den Beinamen "Landeshauptmann-TV".

Grasl ist verheiratet, leidenschaftlicher Golfer, der Jagdschein schadet im Land der Giebelkreuzler nicht.
Die ÖVP baut mit Grasl einen Kronprinzen auf, der bei derzeitiger Stimmungslage in der Koaliton zwar nicht 2011, aber doch spätestens 2016 zum Zug kommt. Eine Überraschungsniederlage wie bei der Wahl Wrabetz' durch eine Regenbogenkoalition soll nicht noch einmal passieren.

Wrabetz arrangiert sich unterdessen mit dem Mann, schließlich bringt ihm dieser die dringend nötigen 160 Millionen Euro aus der Gebührenrefundierung. Deshalb darf er offenbar schon jetzt in den Finanzen rühren und Sparprojekte betreuen. Was Wrabetz Anfang des Jahres von Grasl hielt, ließ er wissen: "Acht Landesstudios leisten hervorragende Arbeit, eines bemüht sich", urteilte er wenig schmeichelhaft. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 26.11.2009)

Zappelzapp
10.12.2009 17:52
Dazwischen liegt nicht nur ein Volksbegehren, sondern auch vier Jahre unabhängiger ORF

Unabhängig geworden ist er 1968 während der schwarzen Alleinregierung. Wieder abhängig wurde er 1972, nachdem Kreisky im Wahlkampf 1971 versprochen hatte, den unabhängigen ORF in Ruhe zu lassen.

Die Genossen hatten allen Grund, den ORF an die Kandare zu nehmen. Denn sie selbst hatten 1970 davon profitiert, dass der ORF regierungskritisch berichtet hatte. So etwas wollten sie natürlcih bei sich selbst unbedingt vermeiden.

austromir
 
27.11.2009 18:29
Ehre wem Ehre gebührt:

So biegsam auch das Rückgrat Grasls sein mag - erstens wird das Landesstudio nicht vom Chefredakteur geführt, sondern vom Landesdirektor, vormals Landesintendant. Und der Direktor heißt derzeit Norbert Gollinger, und vor ihm hießen die IntendantInnen Monika Lindner und Paul Twaroch. In den letzten Jahrzehnten bot das Studio NÖ ausschließlich Pröll-Radio und Pröll-TV. An die Verhaberung zwischen den Führungskräften im Studio NÖ und den Landesschwarzen, inklusive Raiffeisen-Konrad, kommt nichts heran - nicht einmal die Beziehung Karl Amons zu den Wiener Roten. Grüß Gott in aller Freundschaft!

hetscha
05.01.2010 14:59
Als gelernter NÖer

weiss man um die Fähigkeiten des Herrn Grasl bescheid.
Keine Kanaldeckelhebung in NÖ ohne feierliche Anwesenheit des Obererwins mit integriertem NÖ-ORF-team. "I beiß di net"-Interviews die schon weh tun. Ich hab ihm einmel gemailt: "sie werden es noch weit bringen....."
Aber der Wrabetz scheint so ein Kipfler zu sein, dass er durch seine Unfähigkeit und um seinen Kopf zu retten solche Leute "zur Seite" gestellt bekommt.

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