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UniStandard: Wann waren Sie zum letzten Mal im Audimax?
Winckler: Anfang November.
UniStandard: Sie haben sich also den besetzten Hörsaal angesehen?
Winckler: Ja, sicher.
UniStandard: Und welchen Eindruck haben Sie gewonnen?
Winckler: Ich war dort zu Zeitpunkten, als der Audimax nicht sehr besetzt war. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass die BesetzerInnen sich häuslich eingerichtet haben.
UniStandard: Was halten Sie generell von den Studentenprotesten?
Winckler: Man muss verschiedenste Punkte unterscheiden. Das eine sind Punkte, wo es wichtig ist, dass die Politik sich damit beschäftigt. Etwa die Frage der Universitätsfinanzierung. Dann gibt es eine Reihe von universitätsspezifischen Punkten, da steht im Zentrum die Curriculumentwicklung. Der Senat, der dafür per Gesetz zuständig ist, hat schon angekündigt, dass er sich damit auseinandersetzen wird.
Dann gibt es noch Punkte, die über das, was Politik und Universitäten entscheiden können, hinausreicht. Etwa die Frage der Befindlichkeit in einer modernen Gesellschaft. Damit muss sich die Gesellschaft insgesamt beschäftigen. Aber zunächst müssen auch Politik und die Universitäten Antworten parat haben.
UniStandard: In Deutschland und den USA sind besetzte Hörsäle rasch wieder geräumt worden. Warum haben Sie diesen Schritt bisher vermieden?
Winckler: Vor Hahns Hochschul-Dialog sind wir davon ausgegangen, dass auf allen Seiten Dialogbereitschaft eingemahnt werden muss, und wir haben uns bis dahin nicht dazu gedrängt gefühlt, dass die Audimaxbesetzung beendet werden muss. Jetzt ist es sicherlich ein Thema, das wir dem Minister sehr wohl nennen werden, weil es klar ist, dass irgendeine konstruktive Exit-Strategie entwickelt werden muss. Es kann ja kein Dauerzustand sein, noch dazu, weil der Universität durch die Besetzung erhebliche Kosten erwachsen.
UniStandard: Wie könnte eine Exitstrategie konkret aussehen?
Winckler: Wenn man in das Audimax geht und zu vielen Zeiten nur sehr wenige dort sind, könnte man sagen: Okay, wir machen um 17 oder 18 Uhr Ringveranstaltungen, die von den Besetzern organisiert werden. Aber davor ist der Hörsaal anderweitig benutzbar. Er muss ja nicht rund um die Uhr besetzt sein.
UniStandard: Üben hier die Dekane Druck auf Sie aus?
Winckler: Es sind nicht die Dekane, sondern der Druck kommt von der Öffentlichkeit. Der Steuerzahler versteht nicht, warum man für die Audimaxbesetzung so viel Geld ausgeben soll, wenn man die Anliegen vielleicht auch anders transportieren kann als durch die Besetzung.
UniStandard: Die Studierenden der Uni Wien kritisieren sehr stark eine Verschulung des Studiums. Können Sie das verstehen?
Winckler: Was in den Diskussionen im Audimax immer eine Rolle gespielt hat, das sind die sogenannten Voraussetzungsketten. Es gibt welche, die fachlich bedingt sind, und es ist eine Illusion zu glauben, dass man überhaupt keine Voraussetzungsketten braucht. Doch die Frage ist auch, ob es zu viele Voraussetzungsketten in den Curricula gibt, und das wird in den Diskussionen zu entscheiden sein.
UniStandard: Was halten Sie persönlich vom Bologna-Prozess?
Winckler: Es gibt sicherlich Diskussionsbedarf und vielleicht auch Verbesserungsbedarf.
UniStandard: Was erwarten Sie vom neuen Wissenschaftsminister?
Winckler: Österreich ist sicherlich, was die Universitätsfinanzierung anlangt, höchstens Durchschnitt in Europa. Wenn wir eine bessere Universitätsfinanzierung hätten, die gekoppelt ist mit entsprechenden Anreizmechanismen durch die Politik, könnten wir nachhaltig mehr Breite und mehr Spitze im österreichischen Universitätssystem haben.
UniStandard: Die Besetzer fordern eine Milliarde mehr für die Universitäten. Halten Sie das für utopisch?
Winckler: Nein. Sie sind derzeit bei 1,3 Prozent des BIPs, wenn Sie das erhöhen um 0,7 Prozent auf zwei Prozent des BIPs, dann ist das mehr als eine Milliarde.
UniStandard: Was halten Sie von Ausgleichszahlungen zwischen Deutschland und Österreich?
Winckler: Man kann sich vieles wünschen, wenn es käme, wär's nicht schlecht. Nur, glaube ich, muss man realistisch sein. Warum sollte die Bundesrepublik Deutschland bereit sein, in Österreich Studienplätze in Bereichen zu finanzieren, die für Deutschland nicht prioritär sind?
UniStandard: Sind Sie als Rektor der Uni Wien ein bisschen stolz, dass gerade das Audimax Ihrer Uni so symbolträchtig besetzt wird?
Winckler: Ich finde, es ist gelungen, dem Thema Bildung eine hohe mediale Präsenz zu geben. Das ist sicherlich ein Positivum. Die Rektoren haben seit Jahren darauf hingewiesen, dass es hier ein Problem gibt, und das ist von der Politik nicht sehr ernst genommen worden. Andererseits ist es natürlich klar, dass eine andauernde Audimaxbesetzung nicht etwas ist, auf das man stolz sein kann.
UniStandard: Waren Sie selbst als Student in Proteste involviert?
Winckler: Ich habe '68 studiert. Damals war ich in Wien und Princeton. In Princeton ist es viel ruhiger zugegangen. Vietnam war dort ein Thema. Viele meiner Freunde aus Princeton mussten nach Vietnam. Das löste persönliche Betroffenheit aus. In Wien habe ich mich beteiligt in einer Demonstration gegen einen Schah-Besuch. (Romana Riegler und Tanja Traxler/DER STANDARD-Printausgabe, 26. November 2009)
ZUR PERSON:
Georg Winckler wurde 1943 in Tschechien geboren. Der Wirtschaftswissenschafter ist seit 1999 Rektor der Universität Wien. Im Zuge der UG-Reform 2002 war er als Vorsitzender der Rektorenkonferenz federführend an Struktur-veränderungen beteiligt.
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und habe absolut Verständnis für die Proteste, Hr. Direktor! Und nein, ich bin kein Student.
Was mich wundert ist, daß sich die zukünftige geistige Elite solange hat verar... lassen. Aber das ist eine andere Geschichte...
Da Sie kräftiger Steuerzahler sind und damit wohl über genügend Bildung verfügen, sollten sie die Eigetümerstruktur der Messe Wien und des VIC kennen bzw. sich diese Informationen ohne Probleme beschaffen können. Dann werden Sie nämlich sehen, dass diese beiden Ausweichquartiere auch Ihnen gehören. Für Sie ist es daher nahezu ein Nullsummenspiel, da das Geld, welches für die Ausweichquartiere ausgegeben wird, eine Einnahme für den Staat Österreich bzw. die Stadt Wien ist.
nullsummenspiel? österreich != uni.. nur weil der staat das geld wieder bekommt, heißt es nicht das es wieder in die unis fließt.. die unis haben ein budget.. und da wird nix nachgelegt weil die jetzt iwo miete zahlen müssen.. selbst wenns beim staat selbst ist
Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass man auf akademischem Boden (AudiMax) Studierende - die ihre Erfahrungen während der Besetzung eines Hörsaals angeblich sogar in ECTS-Punkten angerechnet bekommen (siehe heutiger Livestream vom Dialog mit der Universitätsleitung) - zur Einsicht bringen kann, dass widerrechtliches Handeln in einer Demokratie keine Argumente ersetzen kann. Meines Erachtens genügt es vorerst schon, die wenigen im AudiMax anwesenden Personen zur Ausweisleistung zu verpflichten, nicht an der Universität Wien Studierende des Saales zu verweisen und den Verbleibenden ein Angebot zum Dialog anzubieten.
Wenn nur Studierende hineindürfen, würden Sie dann wahrscheinlich Mitarbeiter der Uni aus dem Saal entfernen?
Ist schon interessant: Die Studenten reißen sich ihren Hintern auf für die Uni, was auch den Bediensteten zugute kommt. Von denen hört man aber nur am Rande, wenn überhaupt. Schaut aus, als ob sie feig wären, die Professoren und Assistenten.
Um wirklich etwas zu bewegen, müssten sie allerdings die Kronenzeitung hinter sich haben... (wie damals in Hainburg).
Unter "Zweites Universität Wien Forum" ist der Webstream von der Homepage der univie abrufbar. Dort werden den BesetzerInnen Tipps gegeben wie sie ihre Erfahrungen während der Hörsaalbesetzung als Studienleistung verwertbar machen können.
und ohne Diskussion?
Das geschah zu oft auf dieser Welt: Z.B. im ehemaligen Ostblock, was damit angerichtet wurde ist hinlänglich bekannt.
Das Audimax war nach alter Tradition ein Raum zur Diskussion und die Lehre für alle; bitte keine Gewalt sondern Vernunft!
Ich habe gerade versucht, mich über zwei bekannte TU-Studierende und die TU-Homepage darüber zu informieren, wie die TU zu den Protesten steht und weder meine Bekannten noch die Homepage konnte mir weiterhelfen. Es gibt nicht mal eine einzige Presseaussendung zu den Protesten, obwohl nach wie vor mindestens ein HS an der TU besetzt ist.
Deshalb: Ist die TU wirklich gegen die Proteste? Unterstützt sie die Forderungen der Studierenden nicht (zumindest teilweise)? Wie äußert sich das? Oder ist das Totschweigen auf deren Homepage schon Aussage genug?
Was ist die TU? Studierende sind ziemilch viele sehr (!) aktiv - entgegen frühren Klischees auf der TU seien alle konservative Chauvinisten (letzteres haben wir leidern nicht widerlegt bisher... ;) ). Mittelbau gibts sehr viel und sehr gute Unterstützung, trotzdem leider keine Streiks und nur vereinzelt Eigeninitiative. Rektorat: behauptet von sich selbst viel von den Forderungen gut zu finden, aber sagt im selben Atemzug auch, dass 10.000 EUR Studiengebühren denkbar wären und Zugangsbeschränkungen unumgänglich. Vizerektor ist vor allem bei der Fachschaft Informatik als ein Vorreiter beim Masterzugang beschränken bekannt.
Mach dir selbst ein Bild: http://www.ustream.tv/recorded/2454541
Das Sicherheitspersonal bzw. die TU-GUT (TU-Gebäude und Technik) sind uns soweit ich weiß weitgehend wohlwollend gegenübergestellt - auch sie sehen die Probleme an der TU, speziell beim Hauptgebäude kann es passieren, dass nächstes Jahr nur merh 1/10 der Leute aufgrund der Gebäudesicherheit hineindürfen (Finanzierung der TU-Univercity 2015 bis mind. 2012 aufgrund Geldmangel aufgeschoben!).
Von Leuten der HTU hört man, dass die Besetzungen im Oberbau bis jetzt quasi nicht vorhanden sind...
Wir haben uns aber bemüht studieren und blockiern umzusetzen und haben von uns aus 3 Wochen lang Ersatzhörsäle für die im HS1 stattfindenden LVA's gesucht. Dies hat nun das Rektorat übernommen, (nachdem wir es nicht mehr machen...).
Ich kann am Ring eine Demo machen, aber wochenlang blockieren, das geht halt nicht.
Räumen das Audimax, Ruzckzuzck! Die Deutschen haben schon gezeigt wie das geht.
Übrigens: hat er wirklich "BesetzerInnen" gesagt? Oder "vielleicht" Besetzende?
Oder spricht der Mann noch Deutsch und sagt "Besetzer" oder meinetwegen halt "Besetzerinnen und Besetzer".
Österreich ist nicht nur "was die Universitätsfinanzierung anlangt, höchstens Durchschnitt in Europa", sondern auch was den wissenschaftlichen Output betrifft maximal unteres Drittel. Bodensatz, sozusagen.
Ich hoffe Sie wissen auch das.
Ihr Preger, Teilzeitkuenstler/In
Das ist Geld der Steuerzahler für das man meines Wissens vor dem Rechnungshof gerade stehen muss.
Eine wirklich basisdemokratisch erhobene Mehrheit der Studierenden und MitarbeiterInnen hätte der Rektor locker hinter sich.
Ich unterstütze also dezidiert alle Bestrebungen zur Beendigung der widerrechtlichen Besetzung.
Ja das ist Geld des Steuerzahlers. Was aber in dieser Diskussion fast nie gesagt wird ist, dass sowohl das VIC wie auch die Messe Wien den österr. Staatsbürgern gehört, da es sich um "Tochterfirmen" des Staates Österreich bzw. der Stadt Wien handelt.
Somit kommt dieses geld direkt wieder den österr. Staatsbürgern zugute - es fehlt halt im direkten Unibudget.
Angesichts der Tatsache, dass allein letztes Jahr rd. 200 Mio. € aus dem Bildungsbudget über die BIG direkt wieder an den Finanzminister zurückkam, ist glaub ich der Betrag als (ich möchte nicht sagen lächerlich) gering anzusehen.
Dann sollten sie aber auch für das Beenden des illegalen Glücksspiels um Studienplätze einsetzen, das mit ein Grund für die Besetzung war.
Denn derzeit kommen nicht unbedingt die Besten zu einem Studienplatz, sondern gerade die, die gar nicht so ernsthaft ein Fach studieren (siehe Punktesystem bei der Anmeldung an bestimmten Instituten).
Ich kann mir seit fünf Wochen nicht vorstellen, wie ein Rektor der größten Universität Österreichs mit 8.600 MitarbeiterInnen und 74.000 Studierenden es nicht schafft, einen offensichtlich rechtswidrigen Zustand (Besetzung ist zumindest Besitzstörung, wenn nicht auch Nötigung) zu beenden. Im AudiMax sind schon seit Wochen nur noch rund 10 AktivistInnen anwesend. Was hindert den Rektor mittels eines behutsamen Einsatzes der Exekutive (wohlgemerkt keiner russgeschwärzten Anti-Teror-Einheit !) den Hörsaal räumen zu lassen , um hernach mit dialogbereiten Studierenden an einem Strang zu ziehen um die Studienbedingungen zu verbessern. Diese wahrlich nicht besonders spektakuläre Aktion hätte bis jetzt bereits 500.000 Euro erspart
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