Sarkophag-Fund in Schweizer Kloster analysiert

26. November 2009 23:43
  • Artikelbild
    Foto: keystone/kuehne

    Der Sarkophag im Historischen Museum in St. Gallen

Archäologen fanden das Skelett eines älteren Mannes - Datierung auf das späte Früh- oder das Hochmittelalter

St. Gallen - Stationen einer Annäherung: Unter dem Klosterhof des schweizerischen St. Gallen lag seit etwa 1.000 Jahren ein Sarkophag, von dem niemand etwas wusste. In den 1970er Jahren wurden dort Leitungen - sozusagen auf dem Deckel des Sarkophags - verlegt, und 2003 wurde er beim Verlegen einer Wasserleitung wieder touchiert, aber nicht als Grabstätte erkannt. Im April diesen Jahres wurden schließlich an der Stelle Glasfaserkabel verlegt, der Sarkophag entdeckt - und im Nachhinein rekonstruiert, wie nahe man ihm mehrmals gekommen war.

Skelettfund

Im Oktober wurde der Sarkophag ausgegraben und seitdem einer ersten Analyse unterzogen. Er ist 2,6 Tonnen schwer und wurde im späten Früh- oder im Hochmittelalter (9. bis 12. Jahrhundert) aus Rorschacher Sandstein hergestellt, wie Grabungsleiter Erwin Riget am Mittwoch in St. Gallen vor den Medien erklärte. Der Archäologe bezeichnete den 2,5 Meter langen Sarkophag als "handwerkliches Meisterwerk". Deckel und Trog sind aus je einem Stück gefertigt. Der dachartige, 600 Kilogramm schwere Deckel wurde fein geschliffen.

Im Inneren fanden die Archäologen das Skelett eines Mannes vor, für den Kopf war eine kissenartige Aussparung ausgearbeitet. Eine runde Öffnung im Boden ermöglichte das Abfließen von Leichensäften und Wasser, das in den Steinsarg eingedrungen war. Dieser Ablauf ist laut Erwin Riget mit ein Grund, dass außer dem Skelett alles verweste und kein organisches Material übrig blieb.

Identität des Toten noch unklar

Um wen es sich bei dem im Sarkophag bestatteten Mann handelt, ist noch unklar; es dürfte eine hochgestellte Persönlichkeit gewesen sein. Der Leichnam war mit am Körper liegenden Armen und mit Blick nach Osten beigesetzt worden. Der Mann war zum Zeitpunkt seines Todes 68 Jahre alt, wie anthropologische Bestimmungen ergaben. Er war 175 Zentimeter groß, hatte bei seinem Ableben noch gut erhaltene Zähne und ausgeprägte Arthrosen an Kniegelenken und Wirbelsäule. Das Skelett wird gegenwärtig von Viera Trancik vom Archäoanthropologischen Dienst in Aesch untersucht. Der Sarkophag ist im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen ausgestellt.

Aus schriftlichen Quellen wissen die Archäologen, dass im Mittelalter im St. Galler Klosterfriedhof bedeutende Persönlichkeiten in Sarkophagen bestattet worden waren. Gefunden wurde ein solcher in der Ostschweiz zum ersten Mal. Der Fund ist laut Riget von großer Bedeutung für die Klostergeschichte. (APA/sda/red)

biggi729
26.11.2009 13:17

hochinteressante geschichte!! schade, dass es keine fotos gibt.

pierre23
27.11.2009 13:03
biggi729
30.11.2009 16:29

ui, danke!

da Maier
26.11.2009 09:46

"Leichensäfte" ist wohl das schiachste Wort, das ich diese Woche gehört habe.

Gianni Agnelli
26.11.2009 12:31

Aha, da kennen sie folgendes Wort nicht: NI
;-)

Kopflos
30.11.2009 10:49

Ok, ok, stop it, I´ll bring you a shrubbery!!!!

biggi729
26.11.2009 13:16

schämen sie sich, zu einer alten frau ni zu sagen!! ;o)

Sitacui
25.11.2009 17:39

Für einen Habsburger ist der Fund zu alt. Wäre auch schwierig als solcher zu bestimmen gewesen, da die Ohren nicht erhalten sind.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.