Ehrung für das "Hawelka"

14. Dezember 2009, 10:37
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Sonja Mosers umfangreiches Porträt der bekanntesten Kaffeehaus-Institution ist erschienen

Wien - Liebevoll und detailreich ist dieser Tage im Pichler Verlag von Sonja Moser ein umfangreiches Porträt über eine der wichtigsten Kaffeehaus-Institutionen Wiens, das "Hawelka", erschienen. Unter bereitwilliger Mitarbeit und jeder Menge "Insider"-Geschichten seitens der Familie, die nun schon in dritter Generation das Lokal in der Dorotheergasse erfolgreich führt, ist so ein 250seitiges Porträt entstanden, das nicht nur an das berühmte KünstlerInnen-Stammpublikum, welches von Heimito von Doderer und H.C. Artmann bis Friedreich Hundertwasser, Oskar Werner, Helmut Qualtinger und natürlich Georg Danzer ("Jö schau", 1975) reicht, erinnert, sondern neben der Familiengeschichte des seit 1939 betriebenen Kaffeehauses auch Wissenswertes zur "öffentlichen Wohnzimmer-Geschichte" der Stadt zusammen getragen hat.

Sonja Moser, eigentlich Kinderbuchautorin, nimmt sich bei ihrem Institutionen-Porträt entsprechend Zeit: Bevor sie zur Künstler-Adresse von Alfred Hrdlicka, dessen vierfacher Espresso bis heute als "Ultra" im Angebot steht, bis zu André Heller kommt, bietet sie einen guten Überblick über die Geschichte des Wiener Kaffees, begonnen bei der zweiten Türkenbelagerung von 1683.

Schwierigkeiten des Cafés

Am Beispiel des Hawelkas, welches ob seiner geringen Raummaße, seiner "nur" 27 Tische irgendwie an die Krautfleckerln der Torbergschen Tante Jolesch erinnert - "Das Geheimnis liegt immer im zu wenig" -, schildert Moser sehr anschaulich auch die Schwierigkeiten, mit denen Wiener KaffeehausbesitzerInnen in den letzten 70 Jahren zu kämpfen hatten. Vom Überleben mittels Schleichhandel in der unmittelbaren Nachkriegszeit, über die Konkurrenz durch Fernsehen und neue italienischer Espressomaschinen bis zu aktuellen "coffee to go"-Angeboten: Nicht alle Kaffeehäuser konnten den Moden und Anforderungen entsprechen, auch darüber gibt Moser am Ende des Buches Auskunft.

Wobei in Sachen Interieur auch Leopold Hawelka seine klare Meinung hatte: "Der Kaffee wär net besser, wenn das Lokal moderner wär." Und so scheint im "Hawelka" , welches vom 16-jährigen Robert Schindel, vom gleichaltrigen Danzer und vom 14-jährigen André Heller bereits ehrfürchtig und neugierig aufgesucht worden ist, die Zeit ein bisschen stehen geblieben zu sein.

Der daraus entstandene Charme, das zeigen nicht nur die unzähligen Bilder von Prominenten wie auch unbekannten Kaffeehaus-BesucherInnen, hat jedenfalls überdauert, auch wenn von den vielen Stunden, die man früher in einem Kaffeehaus zubrachte, man sich heute - leider - weniger "leistet". Schade, nicht nur für den Umsatz des Kaffeehauses, sondern auch für einen selbst. "Wohnzimmer" können Kaffeehäuser nämlich noch immer sein.

Zur Autorin

Sonja Moser, geboren in der Steiermark, lebt in Wien und ist Jugend- und Sachbuchautorin, schreibt auch Drehbücher und verwirklicht sich ebenso in interessanten Projekten im Kinder- und Jugendtheaterbereich. Kinder- und Jugendtheaterprojekte: "Mein bester Freund - die Sonne", "Der Weihnachtskalender", "Weltreise" und Märchen, wie „Frau Holle" und "Das doppelte Lottchen". (red)

Sonja Moser:
Das Hawelka. Geschichte & Legende
Pichler Verlag 2009
Euro 24,95
252 Seiten
ISBN 978-3-85431-500-1

  • Artikelbild
    foto: pichler verlag
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