Microdoch

Was steht hinter dem Microdoch-Komplott gegen Google?

Zsolt Wilhelm, 25. November 2009 12:07

Geht es Murdoch wirklich ums Prinzip oder lässt er nur den Säbel rasseln?

Wie berichtet, rüsten der Medienkonzern News Corp. und Microsoft offenbar zum Angriff auf den Suchmaschinenbetreiber Google. Die am Plan stehende Allianz zwischen den Konzernen - für die es bislang noch keine offizielle Ankündigung gibt - sieht vor, dass Inhalte der Murdoch-Medien nicht mehr bei Google, sondern ausschließlich bei Bing zu finden sein sollen.

Was steckt dahinter?

Doch nach ersten Warnschreien, News Corp. könnte sich damit selbst mehr schaden, als dem vermeintlichen Feind Google, hat Wall Street Journal-Kolumnisten Kara Swisher nun einige Szenarien festgehalten, welche Beweggründe tatsächlich hinter dem Deal stehen könnten.

Swisher wirft fünf Möglichkeiten auf, weshalb Nachrichtenmogul Rupert Murdoch so verbissen gegen Googles einzigartige Vormachtstellung im Internet anzukämpfen versucht.

Geldbringer oder Datendieb?

Murdoch vertritt den Standpunkt, dass Google mit der Verlinkung der Medieninhalte viel Geld generiert und den Medienbetreibern wenig zurück gibt. Das Argument ist stark umstritten, da Google selbst einen großen Beitrag dazu leistet, dass Menschen die Inhalte überhaupt finden, ohne direkt auf die Seiten der Betreiber surfen zu müssen. Dadurch haben selbst relative kleine Publikationen die Chance, internationale Bekanntschaft zu erreichen.

Swisher meint, entweder Murdoch meint es ernst und sieht in Google wahrhaftig einen schamlosen Dieb oder Murdoch versucht lediglich etwas mit dem Säbel zu rasseln und seine Marktmacht auszuspielen. 

Pattstellung

Tatsächlich steht News Corp. vor dem selben Problem wie viele andere Verleger. Printmagazine und Zeitungen werden zunehmend von Online-Angeboten verdrängt, die wiederum trotz starkem Wachstum die Verluste (noch) nicht wettmachen können. Würde sich Murdochs Idee durchsetzen, wonach Suchmaschinenbetreiber künftig für Verlinkungen zahlen müssen, hätte er eine neue lukrative Einnahmenquelle gefunden. Microsofts desperate Lage am Online-Markt kommt dem Medienchef in diesem Fall besonders gelegen. Microsoft versucht mit "Bing" Google Anteile abzugraben und könnte sich nach Jahren vergeblichen Engagements tatsächlich auf einen Exklusivdeal mit News Corp. einlassen.

Ist das realistisch?    

Aber wie realistisch ist es wirklich, dass Medienanbieter auf den größten Suchmaschinenbetreiber der Welt verzichten? Bei derart vielen Quellen könnte Google wahrscheinlich selbst auf News Corps. Inhalte verzichten.

Doch Murdoch will nach eigenen Aussagen eines erkannt haben: Menschen, die Nachrichten über Google finden, sind keine loyalen Leser. Da würde er im Austausch mit einer kleineren, aber zahlenden Leserschaft, einen Leserschwund gerne in Kauf nehmen.

(red)

Netwing
27.11.2009 20:59

An Googles Stelle würde ich mal einfach die Murdoch Publikationen aus dem Index schmeissen. Wäre gespannt wie lange es dauern würde bis ein Aufschrei "Hilfe wo ist der Traffic" kommt. Dann könnt man ja immer noch sagen ups war ein Fehler vom Lehrling ;-)

celiz
25.11.2009 15:32

An manchen Tagen weiß ich nicht wie ernst ich google's Motto "Don't be evil" nehmen soll. Google hat schon eine sehr mächtige Position eingenommen.

Nur eins weiß ich ganz genau NewsCorp's Motto ist "be evil". Ich glaube Murdoch geht es vor allem darum dem Gatekeeping ein großes Revival zu ermöglichen.

Konkurenz für google ist IMO sehr wichtig, nur hoffe ich dass die Hauptherausforderer nicht microsoft und NewsCorp sein werden!

Wähler Wille
25.11.2009 14:27
Das wäre echt super

wenn sich die Medien des Murdoch-Konzerns selbst aus dem Web ausschliesser würden.

hcl
25.11.2009 15:36

Ja, diesen Murdoch Müll braucht doch eh kein Schwein.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.