Drei Absolventen der Uni Innsbruck promovierten "sub auspiciis"

25. November 2009 09:57

Eine Kärntnerin, ein Vorarlberger und eine Tirolerin - Bundespräsident Fischer mahnte "zusätzliche Bemühungen" für die "großen Probleme" der Universitäten ein

Innsbruck - Gleich drei Absolventen der Universität Innsbruck sind am Dienstag "sub auspiciis praesidentis rei publicae" promoviert worden. Die durch Bundespräsident Heinz Fischer überreichten Goldenen Ehrenringe der Republik gingen an die Kärntnerin Ulrike Söllner-Fürst, an den Vorarlberger Mathias Moosbrugger und die Tirolerin Frederike Gösweiner. Fischer hob in seiner Ansprache die "besonders schätzenswerten" Leistungen der drei Kandidaten hervor und mahnte "zusätzliche Bemühungen" ein, um die "großen Probleme der Universitäten" zu lösen.

Voraussetzungen für eine derartige Auszeichnung sind unter anderem der Abschluss aller Oberstufenklassen mit "Ausgezeichnetem Erfolg", die Ablegung der Matura mit "Auszeichnung" sowie die Bewertung sämtlicher Diplom- und Rigorosenprüfungen mit "Sehr Gut".

Historiker, Literaturwissenschafterin und Germanistin ausgezeichnet

Ulrike Söllner-Fürst (geboren 1954 in Villach) studierte Rechtswissenschaften an der Universität Graz und promovierte 1979. Nach Studienaufenthalten in den USA, in Italien und Venezuela absolvierte sie die Gerichtspraxis in Graz. Von 1982 bis 1985 war sie Universitätsassistentin am Institut für Völkerrecht der Universität Innsbruck. Von 1997 bis 2003 studierte Söllner-Fürst Vergleichende Literaturwissenschaft und Deutsche Philologie an der Universität Innsbruck. 2003 bis 2009 folgte das Doktoratsstudium im Bereich Komparatistik, das sie im Mai 2009 mit einer Dissertation zum Thema "Das Schreiben des Abenteuers, das Abenteuer des Schreibens. Medienarchäologie und intermediale Ästhetik in Alejo Carpentiers Roman Los pasos perdidos" abschloss.

Mathias Moosbrugger (geboren 1982 in Au (Bregenzerwald)) absolvierte von 2000 bis 2005 Geschichte und Sozialkunde (Lehramt) sowie Kombinierte Religionspädagogik an der Universität Innsbruck. 2006 begann er sein Doktoratsstudium im Fach Geschichte, das er 2009 mit einer Arbeit zum Thema "Untersuchungen zur Verfassungsgeschichte des Hinteren Bregenzerwaldes. Strukturgeschichtliche Bewegungen vom Mittelalter zur Neuzeit" beendete. Im Zentrum seiner bereits abgeschlossenen Doktorarbeit im Fach Geschichte steht der Versuch der Rekonstruktion der strukturgeschichtlichen Grundlagen der Entwicklung einer talschaftsübergreifenden Gerichtsgemeinde im Hinteren Bregenzerwald im heutigen Vorarlberg.

Friederike Gösweiner (geboren 1980 in Rum) begann 1999 ihr Studium der Deutschen Philologie und Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, das sie 2004 beendete. Ihr Doktoratsstudium im Bereich Deutsche Philologie schloss sie im September 2009 mit einer Dissertation über "Einsamkeit in der jungen deutschsprachigen Literatur der Gegenwart" ab. Seit Ende 2007 arbeitet Friederike Gösweiner als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik an einem FWF-Projekt zur medialen Lyrikrezeption mit. Neben zahlreicher Stipendien wurde sie 2009 außerdem mit dem Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet. (APA)

 

 

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Blick Winkel
26.11.2009 08:22
Großartige Leistungen verdienen Respekt!

Punkt.

no nick no name
25.11.2009 22:42
bravo!

gratuliere den AbsolventInnen!

cathy bikker
25.11.2009 16:53

das ist zweifelsohne eine aussergewöhnliche leistung. leider hab ich von dem studieninhalt aller 3 studienrichtungen keine ahnung und kann mir nur wenig drunter vorstellen.

stellt sich für mich die frage, ob das realistischerweise mit den den sub auspiciis der TU-Wien vergleichbar ist?

Hitecut
26.11.2009 08:49

Ich hab sowohl ein technisches als auch ein geisteswissenschaftliches Studium hinter mir und für mich steht absolut fest, dass Geisteswissenschaften einfacher sind. Der Aufwand ist überhaupt nicht vergleichbar.

Eva N
26.11.2009 10:24

Das liegt dann meiner Meinung nach an Ihren Begabungen, die vielleicht eher in der einen Richtung liegen. Ich studiere eine von Unwissenden als "sehr leicht" bezeichnete Studienrichtung und der Aufwand ist um ein Vielfaches höher als in meinem Zweitfach, das allgemein eher als "schwerer" gilt.
Außerdem: Wenn man sich für etwas interessiert, sucht man sich normalerweise auch die "schwereren" LVs aus. Ich bin zumindest so, weil ich gerne gefordert werde.

Eva N
25.11.2009 18:14

Warum sollte es das nicht sein?

Ich hätte an der TU größere Schwierigkeiten, weil meine Talente nicht im mathematischen Bereich liegen und ich ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen habe. Meine Freunde, die an der TU studieren, hätten aber zB auch grobe Schwierigkeiten bei meinem sozialwissenschaftlichen Studium, weil ich immer wieder merke wie schwer sie sich dabei tun, komplexe Texte sinnerfassend zu lesen oder einen verständlichen Text selbst zu schreiben.

Ich bin ein absoluter Gegner davon, Studien zu "ranken" nach Schwierigkeit, gesellschaftlichem "Wert" oder was auch immer. Ein exzellentes Studium ist ein exzellentes Studium und ich gratuliere den dreien.

greenIT
26.11.2009 10:11

Als ich angefangen zu studieren habe ich ein geisteswissenschaftliches und ein technisches Studium begonnen. Das geisteswissenschaftliche hat mich unglaublich gelangweilt, deshalb habe ich es irgendwann auch gelassen. Trotzdem kamen hier nur Bestnoten raus.
Das technische Studium war deutlich schwerer (d.h. wesentlich mehr Arbeitsaufwand, wesentlich intensiver) aber auch wesentlich interessanter (für mich). Die Noten waren trotzdem nicht besonders. Und Fächer mit 80-80% Durchfallquote macht man einfach auch nicht mal locker nochmals um das sub auspiciis zu halten.

Also von jemandem der beides kennt: Nicht im Ansatz zu vergleichen

Eva N
26.11.2009 10:29

Mein Bruder studiert eines der "schwereren" TU-Studien (wenn man schon so auf Rankings steht) in Mindestzeit (obowhl ihm gesagt wurde, dass das unmöglich ist) mit einem Notenschnitt von nahe 1,0. Er kann allerdings keine englischen Bücher lesen und auch auf Deutsch kaum einen richtigen Satz schreiben. (Er hat übrigens auch mal ein geisteswissenschaftliches Studium nebenbei versucht und ist kläglich gescheitert).

Das müsste nach Ihrem Schema heißen: TU-Studien sind viel leichter als GeWi. Ich sage nein! Seine Begabungen liegen einfach viel mehr im technischen Bereich. Er arbeitet gerne nach Formeln, vorgegebenen Regeln usw. Selbstständiges, kritisches Denken auf Basis von Texten fällt ihm schwer. Begabungssache. Und Begabung /= Interesse!

greenIT
26.11.2009 11:39

Dann hat Dein Bruder auf jeden Fall meinen Respekt. Die sprachliche Schwäche wundert mich allerdings schon da bei mir Fachliteratur nur auf Englisch zur Verfügung stand. Auch ein paar richtige Sätze für Berichte und Publikationen schaden auch nicht.

Hier fehlt auch der Platz das auszudiskutieren. Trotzdem kurz: Auch in der Technik sind selbständiges, kritisches Denken essenziell um Zusammenhänge verstehen zu können und Erkentnisse zu kommunizieren. Ein TU-Studium lässt sich nicht auf Formeln und Regeln reduzieren die gelernt werden, sondern aus Erkentnissen werden Formeln und Regeln entwickelt die auch ohne technisches Studium angewandt werden sollen. Um den größeren Zusammenhang gehts im Studium, ansonsten würde auch eine HTL reichen.

greenIT
26.11.2009 11:47

Und was sonst noch dem Platzmangel zum Opfer gefallen ist:
1.) Man müge mir das Duzen verzeihen, ich sehe das als die im Internet übliche Umgangsform an

2.) Ich will in keinster Weise Geiwi Studien abqualifizieren, deren Beitrag an der gesellschaftlichen Entwicklung z.T. deutlich höher sein mag als der der technischen. Ich bleibe aber dabei dass technische Studien schwerer sind wenn man schwer so definiert dass nur mit wesentlich mehr Aufwand gute Noten erreicht werden können. Und darum geht es schliesslich bei sub auspiciis. Trotzdem ist natürlich eine sub auspiciis Promotion in jedem Studium eine tolle Leistung, die auch nicht erst auf der Uni beginnt sondern schon viel früher.

Para Dox
25.11.2009 21:13

>weil ich immer wieder merke wie schwer sie sich
>dabei tun, komplexe Texte sinnerfassend zu lesen
Ja, weil sie vermutlich nichts oder nur sehr wenig lesen. Meine Begabungen liegen eindeutig im technischen Bereich, bei Fremdsprachen bin ich völlig untalentiert und mit dem Schreiben tue ich mir auch schwer (Deutsch Noten waren auch nie so besonders). Allerdings lese ich sehr viel und muss eigentlich erst bei Kant im Original aufgeben, aber wegen Kant sollen ja schon viele Philosophie Studenten ihr Studium aufgegeben haben.

Was ich eigentlich sagen will: Mit einer gewissen Grundintelligenz, kann man auch schwere Texte lesen. Man muss es nur üben. Begabung braucht man dafür meiner Meinung nach nur bedingt.

Eva N
25.11.2009 22:20

Das heißt Sozial- und Geisteswissenschaftliche Fächer kann jeder machen, für Technik (oder was auch immer) muss man begabt sein?
Das wage ich zu bezweifeln. Das soll jetzt kein persönlicher Angriff sein, aber wenn Sie wie Sie sagen schon mit Deutsch Probleme haben, werden Sie bei Germanistik oder Komparatistik schnell an Ihre Grenzen stoßen.
Es ist nur so, dass zB Literatur aktuell keinen Wert in unserer Gesellschaft hat. Deshalb werden auch Geisteswissenschaften, die früher die Kür waren, als unnütz und "leicht" abgetan. Ein Zeitgeist-Phänomen.
Jemanden, der sich nicht für Literatur interessiert dazu zu bringen erfolgreich ein Germanistik-Studium zu absolvieren, ist in etwa so schwer wie einen Technik-Muffel an die TU zu schicken.

Para Dox
25.11.2009 23:44

1. Habe ich mich auf die Aussage über das Lesen bezogen (daher habe ich diese Aussage zitiert).

2. Hatte ich in Deutsch in keine Probleme, sondern so 2-3. Das Hauptproblem war mein Ausdruck beim Schreiben und die Rechtschreibung. Ich hatte und habe kein Problem mit dem Lesen und Interpretieren von Texten.

3. Lesen hat mit Talent wenig zu tun. Lesen lässt sich leicht üben. Technisch-analytisches Denken hingegen, lässt sich meiner Ansicht nach nur schwer üben. So wie sich etwa Sprachtalent nur schwer üben lässt. Daher schafft ein TU Student vermutlich eher ein Soz.- oder Geistesw. Studium als umgekehrt. Was aber nicht heißt, dass jeder ein solches schafft.

Eva N
26.11.2009 10:33

Ich wollte weder die TU-Studien abqualifizieren, noch die Geisteswissenschaften. Ich wollte nur darlegen, dass man für beides eine gewisse Begabung braucht (und zum Lesen gehört meistens auch Sprachtalent dazu - vor allem bei Komparatistik und Geschichte!). Außerdem: Wenn Sie an der Germanistik Texte mit Rechtschreibfehlern abgeben, sind Sie ohnehin unten durch. (Also das "Sie" ist unpersönlich - ich meine nicht Sie persönlich).

Ich wehre mich nur gegen den Irrglauben, Technikstudien sind so viel schwieriger. Ich finde das ist eine Frage des Zeitgeistes und der Begabungen. Weniger Menschen haben eine technische Begabung als eine lyrische, literarische, sprachliche. (Wobei... kaum jemand kann heute noch richtig rechtschreiben oder sprechen

ChrC1
 
26.11.2009 01:56
ok, los geht's

http://www.paleography.unifr.ch/schrifttafeln.htm aufrufen, deutsch auswählen und dann einfach mal bei tafel 28 zu lesen anfangen. die umschrift sollte dann natürlich hier gepostet werden einschließlich einer kleinen darlegung zur frage, ob die urkunde echt ist und einer interpretation des inhalts (der natürlich die übersetzung voran gehen muss). und bitte nicht mit der hilfe schummeln, das haben sie als techniker doch sicher nicht nötig!

Der Vater Staat
25.11.2009 12:21
Grandiose Reden

Die Rede des Bundespräsidenten und der zwei Preisträgerinnen waren wirklich grandios: Sie stellten die aktuelle Situation an den Unis und die Studierendenproteste in den Mittelpunkt. Besonders F. Gösweiner bezog klar Stellung gegen die Ökonomisierung von Bildung und die Umgestaltung der Unis in "Wissensfabriken". Lyrische Wortwahl, verdichtet, eindringlich und mitreißend - dabei klar und mutig. Herzliche Gratulation!

Die Ente Lippens
25.11.2009 12:05
Drei ganz schwere Studien an einer ganz schweren Uni.

Coldplay21
25.11.2009 20:55

Wer glaubt Natur- gegen Geisteswissenschaften oder vice versa aufgrund persönlicher charakterlicher Defizite gegeneinander ausspielen zu müssen nur weil ihm das eine mehr liegt als das andere hat sowieso nichts verstanden.

Murmel166
25.11.2009 20:11

wohl an der baumschule habilitiert?

Eva N
25.11.2009 19:25

Ich möchte gerne mal einen technikbegabten Studenten sehen, wie er sich in Germanistik-Lehrveranstaltungen schlägt. Ernsthaft! Ich glaube, die wären dort nicht lange weil sie mit dem Lesepensum nicht nachkommen, nicht interpretieren und kritisch reflektieren können und weil viele von ihnen leider auch Probleme haben, verständliche Texte zu schreiben oder zu präsentieren.

Jeder hat halt in einem anderen Feld seine Talente, für jeden ist etwas anderes leicht oder schwer.

hoggy
27.11.2009 11:50

stellen sie sich vor - ich habe auf einen humanistischen gymnasium in deutsch und englisch maturiert (schriftl. und mündl.). das bedeutet klassische werke (grillparzer, schiller, goethe,..) zu lesen und zu interpretieren - bzw. nicht auf einem wiener gym (die leute aus wien sind zu 100% im ersten jahr durchgefallen).
nun studiere ich auf der montan metallurgie - und ich kann englisch (TOEFL test ohne vorbereitung mit 97 punkten) und ich kann sogar deutsche texte lesen und interpretieren.

soviel zu ihren vorurteil.

27
25.11.2009 22:13

"...nicht interpretieren und kritisch reflektieren können..."

Ja eh, alle Techniker müssen zwar sehr gut in den Naturwissenschaften sein aber können nicht denken...
Das ist dann wohl die Überheblichkeit der Geisteswissenschaftler.

Eva N
26.11.2009 10:34

Nein, das ist Begabungs- und auch Übungssache. Oder lernen Naturwissenschafter, wie man über Naturgesetze kritisch reflektiert? Das ist eben Gesetz, Punkt aus. Man lernt dort, Dinge als festgeschrieben hinzunehmen. Oder wo müssen Sie in Naturwissenschaften kritisch über Texte reflektieren?

greenIT
26.11.2009 12:31

"Oder lernen Naturwissenschafter, wie man über Naturgesetze kritisch reflektiert"

Ja ganz genau das tun sie. Die Sache ob die Erde nun Scheibe oder Kugel ist wird zwar mittlerweile nicht mehr diskutiert aber in ganz vielen Fällen geht es genau um die kritische Reflektion. Es ist ein riesen Irrglaube dass die technisch/naturwissenschaftliche Fächer auf Formeln lernen reduziert werden können. Es geht darum dazu Lernen größere Zusammenhänge zu erkennen und "neue Naturgesetze" zu entwickeln, zu verteidigen oder auch zu verbessern, die dann vielleicht in 200 Jahren nicht mehr diskutiert werden. "Das ist eben Gesetz, Punkt", dafür brauchts kein Studium, da reicht die HTL

Quintus Beckloeffel
25.11.2009 21:06

Ich kann mich aber an einen Bericht über eine Studie erinnern, in welcher überraschenderweise festgestellt wurde, dass Naturwissenschaftler in der Regel verstädlicher, klarer strukturiert und auch stilistisch flüssiger formulieren als Geisteswissenschaftler.

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