Pensionserhöhungen

Große Gerontokratie-Show

24. November 2009 17:51

Weil sich die Parteien aller Couleurs vor der ergrauenden Wählerschaft fürchten, entwickelt sich Österreich zu einer großen Gerontokratie-Show

Sie sei den Ruheständlern gegönnt, die Erhöhung ihrer Gagen um 1,5 Prozent. Denn angesichts der strukturellen Probleme im hiesigen Pensionssystem - die OECD weist Österreich regelmäßig als äußerst komfortabel ausgestattetes Pensionisten-Eldorado aus, laut Wifo wird sich der Anteil der Pensionszahlungen in den kommenden Jahren auf sagenhafte 23 Prozent des Bundesbudgets belaufen - ist es beinahe schon gleichgültig, dass die Oldies einen höheren Abschluss herausgeholt haben als die Metaller.

Das sind Zahlen, schiere Zahlen. Und die sagen nichts über den eigentlichen Skandal des Vorgangs aus: Weil sich die Parteien aller Couleurs so vor der ergrauenden Wählerschaft fürchten, können Andreas Khol und Karl Blecha, als Waldorf und Statler der hiesigen Polit-Muppetsshow in ihrer bequemen Loge darüber feixen, wie sich Österreich Jahr für Jahr mehr zu einer großen Gerontokratie-Show entwickelt. Inzwischen ist selbst die Frage, ob nun die gewählten Amtsträger der Republik oder die Chefs der Senioren-Lobbys mehr Macht im Staat haben, keine theoretische mehr.

Auf der anderen Seite der politischen Fresskette stehen die Studenten, die Unis lahmlegen müssen, um auf die bemerkenswerte Zukunftsvergessenheit dieses Landes hinzuweisen. Und eine seltsam ruhige Schicht von Steuerzahlern mittleren Alters, die sich monatlich über die Abgabenlast wundern, unter zunehmendem Arbeitsdruck stöhnen und pensionsmäßig sowieso blöd dastehen werden. Quasi ein Glück, dass die - noch - keine Zeit zum Protestieren haben. (Christoph Prantner/DER STANDARD-Printausgabe, 25.11.2009)

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schlitzohr2
21.04.2010 20:10
Ich mache auch einen Vorschlag. Die Mega-Pensionen (Beamte etc.) werden zum Wohle unseres Budget auf ein erträgliches Maß zusammengestrichen.

Über 2000€ netto gibt es keine Sonderzahlungen. Ich neide niemandem etwas, nur woas zvüü is zvüü. Ist kein Thema?! Ich weiß… Sie kleben gerade wie Saugnäpfe am schwindenden Volksvermögen. Der angehäufte Reichtum steinreicher Wirtschaftsgewinnler aus den letzten 50 Jahren, ist die vorsätzliche Wegschaumentalität unserer elitären Mehrwertbürger: Nicht hingucken auf die Wohlstandsstiefkinder. De san sowieso zum Vergesssen… Wäu bei uns is kana oam und wenn, isa sööba schuid. Bravo! So ist’s recht! Ganz vortrefflich!-Die antisoziale Klunkermischpoche hat gesprochen. Pardon, es war vielleicht eh grad ein Hilferuf nach gleichbleibender Gerechtigkeit-owa fia alle!!!

chilli p.
27.11.2009 05:55
gut, jetzt müssen wir es endgültig zur kenntnis nehmen:

der standard ist nicht bereit, zu differenzieren und setzt stattdessen auf das populäre pensionistenbashing auf der basis ökonomischer ignoranz und verallgemeindernder plattitüden.

ich geh jetzt mein abo kündigen (bin übrigens kein pensionis).

Alter Knacker
25.11.2009 16:54

wieso fürchten sich alle Parteien vor den Wählern ? Weil wenn nicht die eine Partei die Stimmen kriegt, dann eben die andere. Nur bei der SPÖ ist es so, daß das eine Pensionistenpartei ist und das ihre einzigen Wähler sind, da fürchten sie sich vielleicht deswegen ?

25.11.2009 15:32
Schon mal was von Solidarität und Antidiskriminierung gehört?

Lieber Christoph Prantner!

Zur Info: Die durchschnittliche Pension liegt in Österreich bei rund 900 Euro. Ich weiß nicht, ob Sie sich vorstellen können, davon leben zu können. Ihre diskriminierende Wortwahl gegenüber alten Menschen ist für einen seriösen Journalisten unwürdig! Mein Trost: Auch Sie werden einmal - sollten Sie nicht jung sterben - in den "Genuß" kommen, die Dinge einmal aus der Sicht derjenigen zu sehen, die -oft gar nicht freiwillig - aus dem Erwerbsleben aus Altersgründen ausgeschieden sind!

Doris Eisenriegler, Die Grünen SeniorInnen Österreichs

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
27.11.2009 17:40
"... für einen seriösen Journalisten unwürdig!" D. Eisenriegler

Aber, den hat Artikel hat doch der Prantner geschrieben, Frau Eisenriegler.
Und was den Trost angeht: Bis dahin hat sich ein Journalist dieser Tonart längst saniert, fürchte ich.

Schnabeltierfresser
26.11.2009 12:02
Ja,

aber die durchschnittliche Pension ist nicht zuletzt deshalb so niedrig, weil die Menschen alle mit 58 Jahren und Abschlägen in die Pension gehen.

chilli p.
27.11.2009 05:56
ja, aber

die menschen haben zu 90% keine andere wahl - weil das arbeitslosengeld nämlich aufhört, sobald irgendeine alterspension anfällt.

The Dark
25.11.2009 15:26
Wenn der Karren an die Wand gefahren ist

werden die Pensionisten die ersten sein, die kein Geld mehr bekommen, weil dann einfach keines mehr da ist.

Da sollte man auch nie vergessen. Auf welcher Seite man auch steht.

Vseckojedno von Jednovsek
25.11.2009 13:33
Eh klar

Dafür leisten wir es uns bei der Jugend und bei der Bildung zu sparen.

prusiner
25.11.2009 13:38
und die Roten

wundern sich, dass sie von den Jungen nicht mehr gewählt werden .. die Pensionistenhofieren ..

derEismann
25.11.2009 16:30

<ironie>
Aber geh:
Das ist nur, weil die Österreicher immer mehr rechts werden und nicht aus Protest. Zum speiben :)
</ironie>

Susanne_B
25.11.2009 13:44

Der Fairness halber müssen Sie jetzt zugeben, dass Bleche den Abschluß gelobt hat, während Khol noch gemosert hat, dieser sei für Bezieher mittlerer und höherer PEnsionen nicht erfreulich. Und Khol war wirklich noch nie SPÖ-Politiker!

Putin Okotie
25.11.2009 12:32
die automatisches erhöhung des pensionsalters

wäre der erste schritt in die richtige richtung gewesen, leider von der pensionisten partei verhindert.
desweiteren gehört eine EINHEITSPENSION her, und alle die mehr benötigen sollten privat vorsorgen (einlagen sollten zu 100% steuerfrei sein)

chilli p.
27.11.2009 05:59

und das trauen sie sich wirklich semi-öffentlich zu sagen - im jahr nach der krise, in der in den usa hunderte von millliarden an privaten pensionseinlagen sich einfach in luft aufgelöst haben?

mutig.

Wähler Wille
25.11.2009 10:50
Das eigentliche Problem ist die total ungerechte

Verteilung der Pensionen. Die Deckung der Pension durch die Pensionsbeiträge ist unter den verschiedenen Pensionssystemen total unterschiedlich. Extrem hohe Pensionen weisen einen sehr niedrigen Eigenbeitragsdeckungsgrad auf.

Zukünftige Pensionserhöhungen sollte 2 anteile enthalten:
- eine fixe Erhöhung (um die Niedrigpensionen zu unterstützen)
- einen variablen Teil, der nicht von der Pensionshöhe sondern von den geleisteten beiträgen abhängt.

Alter Knacker
25.11.2009 17:13

Sie müssen das verstehen. Wenn die Beamten sich in Staatsangelegenheiten gegenüber dem Volk schon nicht durchsetzen können, so müssen sie wenigsten privat eine Anerkennung haben. Weil das nötige Selbstbewußtsein ist ja das Werkzeug für ihre Arbeit. Der Politiker ist ja legitimiert durch Wählerstimmen, sie nicht. Übern Politiker können die Leute nach der Wahl schimpfen, soviel sie wollen, aber der Beamte muß es machen.

Alter Knacker
25.11.2009 16:54

die größte Ungerechtigkeit ist aber, daß eigentlich alle zu wenig haben und niemand will das zahlen.

AsaJoe
25.11.2009 12:10
Hat etwas für sich Ihr Vorschlag!

Allerdings ist zu bedenken, dass Beamte im Ruhestand ja quasi nix dafür können, dass ihr Dienstrecht keine Pensionsbeiträge des Arbeitgebers während der aktiven Laufbahn vorsieht.

Diskutierenswert ist das aber dennoch allemal.

Herby80
25.11.2009 10:14
Bitte unterscheiden

Es stünde einer Qualitätszeitung wie 'derStandard' gut an, eine Regelung zu treffen:
Nicht von "die Pensionisten" (und Abwandlungen davon) zu schreiben, sondern grundsätzlich zu unterscheiden zwischen ASVG-Pensionisten und den anderen Bereichen (oberflächlich "Beamte").
Die Einteilung mag variieren.

NELGA
25.11.2009 09:43
Was will uns Herr Prantner sagen?

Ich hätte mir von einem Standard-Mitarbeiter in verantwortlicher Rolle (auch wenn es das Aussenresort ist) mehr Inhalt und keinen Beitrag zur Polarisierung erwartet. Schade um's Papier!

alte frau
25.11.2009 09:09

die seltsam ruhige schicht ist nur deshalb so ruhig, weil sie tag für tag schuftet um zu leben, aber nicht mehr.

1116er
25.11.2009 16:34
aber nicht mehr?

doch: denn unmittelbar nach dem schuften beeilt sich der großteil, sich den dabei erworbenen frust von der seele zu shoppen.

Ja wenn das so ist - dann Prost!
 
25.11.2009 08:47
"Quasi ein Glück, dass die - noch - keine Zeit zum Protestieren haben."

Ganz im Gegenteil!
Die gutverdienende Mittelschicht hat eben andere Wege des Protests. Viele wandern aus, andere verlagern Geschäfte ins Ausland, andere optimieren ihre Steuern. Es gibt immer Möglichkeiten, wer zuviel zahlt, ist selber schuld.
Die Abgabenlast hat eine natürliche Obergrenze, wird sie überschritten, erodiert die wirtschaftliche Basis, bis der Ausgleich erreicht wird.
Das ist halt schlecht für die Pensis, aber auch hier gilt zukünftig: selbst schuld, wenn man an die haltlosen Versprechen des Sozialstaats glaubt.

Menschen gegen Menschen
25.11.2009 15:47

Prächtig. Raus aus diesem Land. Nach Zug. Nach Bratislava. Man hat diesen Irrsinn jetzt lange genug finanziert.

Erst wenn die Steuerzahler, die sich bewegen können, protestieren, wird sich in Österreich etwas ändern.

Ist leider so.

Aries81
25.11.2009 08:14
grimmig, grimmig

hätte grosse lust, zig alte frauen und männer zu "mobilisieren", die trotz jahrzehntelanger arbeit so um die 300-500 euro im monat erhalten. allein - diese menschen POSTEN NICHT.

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