Das Gefälle zwischen Generationen

24. November 2009, 18:01
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    foto: filmladen

    Rauch aus vergangenen Tagen: Ratz (Helmut Köpping) und Mimi (Sabine Timoteo) in Michael Glawoggers mit dem Diagonale-Preis prämierten "Vaterspiel".

Michael Glawogger hat Josef Haslingers Roman als nicht nur sprachlich unebenes Drama um schuldhafte Verstrickungen für die Leinwand adaptiert

Wien - Ein "lost highway" in Niederösterreich, eine nächtliche Autofahrt bei dichtem Schneetreiben. Olga Neuwirth, erklärter Fan von David-Lynch-Filmen, hat dazu atmosphärische Musikgebilde komponiert, die nicht nur diese Fahrtbilder, von Scheinwerfern punktuell ausgeleuchteten Straßen- und Landschaftsaufnahmen ganz eigentümlich tönen.

Allerdings ist Michael Glawoggers Kinoversion von Josef Haslingers Roman Das Vaterspiel im Vergleich mit den Lynch'schen Filmrätseln, die zunehmend unergründlicher werden, um einiges klassischer konstruiert: Ein gewisser Rupert Kramer, genannt Ratz (Helmut Köpping), wird im Jahr 1999 von einer Exstudienkollegin überraschend aus Wien nach New York gebeten.

Mimi Kalikauskas (Sabine Timoteo), eine Weltenbürgerin mit litauischen Wurzeln, benötigt seine Dienste als verschwiegener Heimwerker. Ratz, Sohn eines abgedankten SPÖ-Ministers, abgebrochenes Publizistikstudium, will bei der Gelegenheit auch sein PC-Ballerspiel promoten, das den virtuellen Vatermord ermöglicht.

Das Vaterspiel wird auf unterschiedlichen Zeit- und Erzählebenen gespielt: Aus der Gegenwart, in welcher der Spielprogrammierer aus Wien aufbricht, springt die Geschichte immer wieder unvermittelt zurück in Ratz' eigene Vergangenheit - und in die eines weiteren Mannes: des litauischen Juden Jonas Shtrom (Ulrich Tukur), der Ungeheuerliches zu Protokoll zu geben hat. In einem Keller - den österreichischen Topos für alles Verdrängte kann man auch auf Long Island finden - kommen diese beiden Stränge schließlich zusammen. Aber der Knoten aus begangener Schuld und ausstehender Verurteilung bleibt unauflösbar, das Erfahrungsgefälle und die Distanz zwischen den Generationen unüberwindlich.

Wesentlich irritierender als die relative Ratlosigkeit des Finales, in dem einander unter anderem ein greiser NS-Kriegsverbrecher und ein milde angeekelter Computernerd gegenübersitzen, sind die unterschiedlichen Tonlagen der einzelnen Akteure: Köpping - und die übrigen Mitglieder seiner Filmfamilie - reden tendenziell so, wie es dem Österreicher umgangssprachlich über die Lippen kommt.

Tukur hingegen spricht seine Erinnerungen, als wären sie der Text eines Bühnenmonologs. Auch Timoteos Schilderungen vergangener Ereignisse im Imperfekt haben etwas Gestelztes. Das ist nicht konturiert genug, um als Kunstgriff durchzugehen.

Es produziert vor allem Unebenheiten, wenn zwei Sprechweisen im Dialog aufeinandertreffen. Die Verschachtelung der Erzählungen wirkt teilweise wie ein Ablenkungsmanöver: Was etwa im Verhältnis von Vater und Sohn Kramer die drastischen Fantasien des Jüngeren motiviert, bleibt unklar - so wie Ratz' über Jahre der Funkstille anhaltende Faszination für Mimi.

Dass der Wiener Familienroman mit Shtroms Erfahrungsbericht von der Verfolgung durch die und des Nazis nicht überzeugend zusammenginge, wurde schon als Kritik an Haslingers Roman formuliert. Vielleicht ist dort schon begründet, was den Film so unentschlossen wirken lässt. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 25. 11. 2009)

Ab 27. 11.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
paradeyugo
00
28.11.2009, 23:02
?

"...mit vaterspiel ist dem vielbeschäftigten und vielseitigen michael glawogger einer der besten filme des jahres gelungen. "

wenn dieser film als bester des jahres gelten soll, dann ist es eh kein wunder, dass nur 3% der österreicher einen österreichischen film in kino anschauen.
aber, wie sagte es mal jemand:
wenn ein film viele zuschauer bekommt, ist es business und bei wenig zuschauer ist es kunst!!!

Blutarsky
00
7.12.2009, 11:54
Gibt es schon Zuschauerzahlen?

Ich tippe auf Homöopathie...

eyeinthesky
00
30.11.2009, 12:45
nach "contact high" wahrscheinlich sogar sein zweitbester

Heinz Eisenbart
01
27.11.2009, 23:28
Vaterkomplex?

Mir hat der Film überhaupt nicht gefallen und ich weiss gar nicht was ich schreiben soll, angesichts der Unmenge an Ungereimtheiten...

Weil das Ganze "Vaterspiel", in Bezug auf Helmut Kramers' Computerspiel heißt, möcht ich dazu ein paar Fragen stellen:

Wo kommt der Hass her?

Helmut Kramer spricht seinen Unmut, im Taxi offen aus: "Warum zwingst du mich immer Dinge zu tun, die ich nicht tun will", sagt er und das soll dann der Beweggrund dafür sein, seinen Vater gleich tausendfach zu ermorden? Sehen wir im Film irgendetwas zu dem der Vater den Sohn zwingen würde? Eigentlich nicht. Da frag ich mich: Ist man jetzt ein schlechter Vater, weil man keinen Joint mit seinem Sohn rauchen will, oder nicht um den Schlaf gebracht werden möchte?

Verein zur Förderung der New Freunderlwirtschaft
 
00
7.12.2009, 17:53

darum geht´s doch überhaupt nicht!
warum ist ihnen der grund für den hass so wichtig?

fußfrei
00
26.11.2009, 11:23
besserer ego-shooter

Ein Hotdog unten am Hafen
Und vorm Einschlafen schnell noch ein Bier
Und Feind einen Tritt in die Rippen
Und ein paar Kippen für hinterher
Ein Date mit dem Dalai Lama
Und ein Apfelsaft morgens um zwei
Und eine halbautomatische Waffe ist immer dabei

http://www.youtube.com/watch?v=zDszZ0JyynI

harald6666
 
01
25.11.2009, 22:17

auch wenn das die üblichen berufsnörgler (hallo herr schaumlöffel ;-) anders sehen: mit "vaterspiel" ist dem vielbeschäftigten und vielseitigen michael glawogger einer der besten filme des jahres gelungen.
ausführliche begründung hier:
http://www.filmtipps.at/films/vat... rspiel.php

Lord Schaumloeffel
00
25.11.2009, 17:08
das buch...

... habe ich gemocht, als ich es vor zehn jahren gelesen hab. der film ist ein teilweise schlecht gespielter fadgasangriff (aber das wäre ja eher "opernball", das mit dem gas)...

Blutarsky
10
25.11.2009, 11:29
Zuschauer

Bin gespannt wieviele Zuschauer sich diesen durch Förderungen finanzierten Film ansehen. Vermutlich schaft er es nicht eine Woche in die Top Ten.

Wandbemaler ohne offiziellen Auftrag
 
11
26.11.2009, 11:35
Ihr Posting schafft es aber sicher nicht in die Top Ten!

Blutarsky
00
7.12.2009, 11:55
Das ist auch nicht gefördert.

Das gibt es gratis...

1000 Kopfläuse können nicht irren
81
25.11.2009, 09:12
Zwei Grauslichkeiten sehe ich auf diesem Bild...

... ein Mann, der einer Frau Rauch ins Gesicht bläst und Brustpelz! *g*

Witzig finde ich auch, dass in Filmen Schauspieler häufig zur Zigarette greifen müssen, obwohl das überhaupt nichts zur Handlung beiträgt...

diego71
00
2.12.2009, 16:57

Dann epilier Dich mal schön!

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
3.12.2009, 17:44
Dafür...

... lasse ich immer Diego kommen!

diego71
00
6.12.2009, 19:58

Ohne Haare keine Läuse.

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
7.12.2009, 19:13
Sie...

... haben wohl besonders viel Erfahrung darin?
(C;

eyeinthesky
02
25.11.2009, 20:58
witzig finde ich auch,

dass manche poster zur computertastatur greifen obwohl es nichts zur einer intelligenten diskussion beiträgt.

1000 Kopfläuse können nicht irren
10
26.11.2009, 17:43
Wow...

... mit SOLCH einem INTELLIGENTEN Post kann ich natürlich nicht dienen!
(C:

papst benedikt
01
27.11.2009, 17:35

das hätten sie jetzt aber nicht extra zu betonen müssen ;-)

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
29.11.2009, 10:07
Ich...

... werde mich schon noch verbessern.

Sie können das ruhig als Drohung auffassen!
(C;

eyeinthesky
00
26.11.2009, 19:07
quod erat demonstrandum

1000 Kopfläuse können nicht irren
10
29.11.2009, 10:06
Immer so überzeugende Argumente...

... die Sie da liefern. Ich bewundere Sie...

Rusty Sprint
00
25.11.2009, 13:26
buch lesen ;)

also vermutlich handelt es sich bei der zigarette um eine "haschisch- zigarette", welche einen nicht unwesentlichen bestand im leben des ratzen einnimmt.

buch lesen - dann urteilen

1000 Kopfläuse können nicht irren
10
26.11.2009, 17:44
Ich...

... möchte mir den Film eh anschauen!

Übrigens, ist das Buch dick? (C;

qball
00
25.11.2009, 12:48

es ist - eine von ihnen vielleicht nicht geliebte tatsache - das es raucher gibt.

wenn in filmen nur noch dinge gezeigt würden, die untrennbar mit der handlung verstrickt sind, wären wir bei kammerspielen.

im übrigen scheint für sie das rauchen in filmen eine sehr wichtige rolle zu spielen. es trägt also in so fern zur handlung bei, in dem eine rolle als raucher ausgestellt wird und sie sich dann gedanken machen können wie "die/der XY wäre ja ganz sympathisch angelegt wenn sie/er denn nicht rauchen würde".

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