Mythos und Wirklichkeit

Schlank und schön im Camp der Wahnwitzigen

24. November 2009 17:20
  • Artikelbild
    Foto: puls 4

    13 junge, hübsche Damen auf der Suche nach Glanz und Glamour: Am Mittwoch startet auf Puls 4 bei "Austria's Next Topmodel" der Run auf den Catwalk.

Mit der zweiten Staffel von "Austria's Next Topmodel" hofft Puls 4 auf Bestquoten - Modelshows setzen auf ein Regelwerk, das sich an Archetypen orientiert - Die Frauenministerin befürchtet backstage Magersucht

Den Modelschülerinnen in den USA geht langsam die Luft aus: Schlanke 3,6 Millionen wollten vergangenes Wochenende die inzwischen 13. Siegerin von "America's Next Topmodel" sehen. Zu Höchstzeiten schaffte die Show mehr als das Doppelte. Das US-Publikum leidet nach der Castingschwemme der vergangenen Jahre endgültig an Übersättigung.

Hungriges Publikum wünschen sich österreichische Nachwuchsmodels ab Mittwoch auf Puls 4. Zum zweiten Mal startet der Privatsender das Casting: Über zwölf Wochen versuchen sie sich in einem Paralleluniversum, das Schöpfungen wie den "Winterwalk", Herausforderungen wie "längster Laufsteg der Welt" am Ende eine Belohnung wie "Brunotti-Testimonial für Hervis, geshootet in Südafrika" bereithält.

Zielvorgaben

"Zuschauerzahlen im sechsstelligen Bereich also über 100.000 Zuseher und Marktführer bei den jungen Frauen zu sein", wünscht sich ProSiebenSat.1-Chef Markus Breitenecker. Gut möglich, dass er das schafft. Casting gehört in Österreich noch zu den Bringern. Zuletzt waren etwa auf ATV 443.000 Zuschauer bei "Bauer sucht Frau" dabei: Das erste Mal ließ der Privatsender an diesem Abend den ORF hinter sich.

Nachwuchsmodels suchen mittlerweile Sender in mehr als 40 Ländern von Aruba bis Westafrika. Gründe für den weltweiten Erfolg sieht die Filmwissenschafterin Andrea B. Braidt in Parallelläufen von Casting und alten Erzähltraditionen. Die Modelsuche folge dem Melodrama, erklärt Braidt: "Das Melodram ist auf die Gefühlswelt der Figuren konzentriert und richtet die Aufmerksamkeit auf die Zukunft."

Wird sie weiterkommen?

Das "Werden sie einander kriegen?" findet eine Entsprechung in der Frage: "Wird sie weiterkommen?" Daraus ergibt sich wie von selbst ein Spannungsbogen. Rückgriffe auf klassische Mythologien erlauben zudem allzeit gültige Heldengeschichten, die sich in der Modelsuche ebenfalls finden.

"Model Castingshows sind wie die Army Boot Camps, die man aus diversen amerikanischen Filmen kennt", pflichtet Diagonale-Chefin Barbara Pichler bei: "Die Rekrutin wird von harten, aber eigentlich wohlmeinenden Schleifern gebrochen, um aus der Erfahrung als stärkeres und überlebensfähigeres Individuum hervorzugehen." Das fasziniert nicht nur pubertierende Mädchen, sondern erreicht Erwachsene.

Wer solche Erfolgsfaktoren nicht beachtet, verliert. Schlechte Erfahrungen mit Casting macht derzeit der ORF: Promis, die sich mit Armin Assinger auf "Das Rennen" vorbereiten, verloren nach der ersten Folge rund 180.000 Zuschauer. Der Marktanteil fiel von 24 auf 18 Prozent. Bei Das Rennen fehlt die Dramaturgie des Melodrams. Was bleibt ist der "Gaudi"-Faktor. Ihn lösen die Promis aber nicht ein: Für voyeuristische Erlebnisse entblößen sich die mit Skikleidung, Helm und Skibrille ganzkörperverhüllten Nachwuchsrennfahrer nicht genug. Und beim Stürzen in den Schnee zu beißen, ist ebenfalls weitaus uninteressanter als Maden zu verspeisen. Das Moment der Schadenfreude hält sich demzufolge bescheiden.

Haufenweise Mädchen

Die Kombination Schadenfreude und Voyeurismus befolgt die Modelshow zu hundert Prozent, sagt Pichler: "Auf jeden Fall gibt es haufenweise hübsche Mädchen anzuschauen, sehr oft auch noch in emotionalen Ausnahmezuständen - es gibt also immer was zu lachen oder mitzuleiden oder auch Grund zum Fremdschämen."

Dem dritten Erfolgsrezept erliegt auch Pichler, nämlich sich so richtig über das Gebotene ärgern zu können: "Was mich wahnsinnig macht, sind die dramaturgischen Kniffe, die bei allen Reality-Formaten eingesetzt werden: Das ständige Vor- oder Nacherzählen und Zusammenfassen von Aussagen durch den Off-Sprecher." Das dient der Länge: Würde man alle Off-Texte streichen, wäre jede Folge einer Casting-Show maximal halb so lang. Rasend machen Pichler die immer wieder kehrenden Elemente der Spannungsdramaturgie. Pichler erläutert den Mechanismus der "wahnwitzigen Überdosierung: 'Du wirst nächste Woche... ewige Pause, Schnittorgie von Großaufnahme zur Totalen zur Großaufnahme, zitternde Hände, Tränen in den Augen, Händchenhalten mit der Kontrahentin etc.... wieder dabei sein.' Langweilig!"

"Frauenbild"

Endgültig schlecht weg kommen die Models beim Stichwort "Frauenbild": Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek sieht sich die Shows nicht an, "weil sie ein Frauenbild reproduzieren, das nur auf Schönheit und Schlankheit ausgerichtet ist." Die Show vermittle, "dass Äußerlichkeiten das Um und Auf sind. Und darauf folgen dann oftmals Schönheits-OPs bei Minderjährigen und Mädchen, die einfach nicht mehr essen wollen und können", sagt Heinisch-Hosek. Ihr Ziel sei es, "Mädchen in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken, damit sie sich nicht durch solche Sendungen in ihrer Entwicklung beeinflussen lassen."

Pichler hält das Frauenbild in „im Grunde genommen zum Weinen. Nicht, weil das Modeln so verdammenswert wäre, sondern weil die immer gleichen Schablonen zum Einsatz kommen." (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 25.11.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
NotDarkYet
26.11.2009 13:52
Austria's Next Topmodel: Schon der Titel ist eine Lüge!

Es gibt kein österr. Topmodel!
Die Gercke ist jedenfalls definitiv kein Topmodel und die Nachwuchstussis werden mit Sicherheit nie Topmodels werden, höchstwahrscheinlich nicht mal Models.

Was es zu den Castings sonst noch zu sagen gibt, sagt dieses Lied: http://www.youtube.com/watch?v=a2p6bukyCfc

Topfmodel Luna Gurke
25.11.2009 22:44
Nach der geschobenen Tochter jetzt also eine Schwester

Keine Ahnung, mit wem von Puls 4 die geschlafen hat - aber so peinlich, wie diese Schwester um jeden Preis weiterkommen musste. Aber war ja klar, man hat die auch schon bei Cafe Puls "modeln" gesehen. Dabei hat die ja absolut gar nichts zu bieten außer Furchengang und Vorbiss für zwei.

g'stieß
27.11.2009 15:06
was ist "furchengang"?

Topfmodel Luna Gurke
27.11.2009 18:46

Furchengang ist die wenig elegante, aber trittsichere Fortbewegungsart der ruralen Bevölkerung in den Furchen eines frischgepflügten Feldes. Bevorzugtes Schuhwerk hiefür sind Gummistiefel und keine Stuart Weitzmans (sowas wie Manolo Blahnik, nur in stilvoll).

TheLaw
26.11.2009 07:37
Stimmt. Ein nutzloser Knochenhaufen. Fürchterlich!

Zinédine Zidane
25.11.2009 16:25
Nein!

Nicht schon wieder!

Rondocor
25.11.2009 16:15
20 Meter VOR und 20 Meter zurück. 41 Meter ( 1 Meter verlauft sie sich ) a ca. 5 x mal 365. Dafür Millionen von Euro als Gage, Champagner und Kaviar. Cooles Ziel!

Ausgeflippter Lodenfreak
25.11.2009 15:54

Weil das auch einmal betont werden muss: Das ist eine reine Frauensendung, das schaut sich fast kein (hetero-)Mann an. Die Schönheit, die hier gezeigt wird, ist auch eine reine Mode-Schönheit, die nur teilweise damit zu tun hat, was Männer schön finden und viel mehr mit der Selbstwahrnehmung der Frauen. Also, wenn wieder einmal über die böse Gesellschaft und die Rollenbilder gejammert wird - dafür sind die Frauen zu einem großen Teil selbst verantwortlich.

Count Zero Interrupt
25.11.2009 19:46
so ein blödsinn

sicsche
26.11.2009 11:42

Nein traurige Wahrheit, oder glaubt ernsthaft wer das Männer auf Gerippe stehen die man eher füttern will?

Hibiskus
29.11.2009 16:15
Ja diese Männer gibt es.

Die reiben einem dann im Büro ständig unter die Nase wie geil die Fetzenpupperl in der Sendung nicht waren und wie toll es nicht ist dass die eigene Freundin einen BMI von 16 oder so hat...

Roter Baron
25.11.2009 14:58
aber es gibt ja keine rollenkilchees

neineunöunnöyn

pereswon
25.11.2009 14:58
Und da wundert man sich über den Gender Pay Gap,

wenn die jungen Frauen lieber Models werden wollen, als für so nerdige Dinge wie Chemie und Maschinenbau einen Platz in ihrer Lebensplanung vorzusehen?

FinalDestinati0n
25.11.2009 14:28

Schön?

Wirklich?

Nun, ich hab' die Larissa jetzt schon mehrmals auf diversen Partys getroffen, und nicht mal im Traum würde mir einfallen, etwas mit der S*hnalle anzufangen...

Lieber renn' ich immer der Nase nach an eine Wand...

Kinkidra
25.11.2009 15:05
BESSER SO!

... immerhin ist das Mädel grade mal 17.

FinalDestinati0n
25.11.2009 15:21

Richtig.

Und ich bin 18.

byron sully
25.11.2009 14:22

wenn es eine warnung gibt, unter-12jährige die simpsons sehen zu lassen, müßte bei so einer sendung die altergrenze bei zumindest 18 liegen, find ich...

Nusserl
25.11.2009 14:07
Nur net zu viel aufpudeln ...

Bitte, bitte, nicht vergessen:

1. Es ist nicht Reality, sondern eine RealitySHOW, sprich: tut so, als wärs Realität, isses aber nicht

2. Es gibt nichts Schöneres, als mit viel Schokolade und anderem nichtmodellmäßigem Gemampfe vor dem Kastl zu sitzen und sich darüber zu freuen, dass man einerseits essen kann, was man will, und andererseits andere Sorgen als einen Pickel im Gesicht hat.

Ein schönes Stück Unterhaltung jedenfalls - und sonst nix. Ich bin dabei (als Passivmodel natürlich).

3ch0
25.11.2009 13:52

Auch ohne Bulimie zum kotzen...

Eine Zurschaustellung degenerativer und infantiler Geistesgegenwart einiger von halluzinatorischen Lebensvorstellungen und kommerzialistischen Unwerten geplagten Sklavinnen des individualsozialen Unvermögens.

kotz

Rondocor
25.11.2009 14:32
OH Mann. LOL. Weltklasse Posting!

DD1981
25.11.2009 13:47

Ich weiss nicht wieso sich soviel über die Mädls aufregen. Sie entsprechen halt meistens dem allgemeinen Bild von SCHÖN. Und? Ist ja nichts schlimmes. Wenn eine Musik SCHÖN ist oder ein Bild SCHÖN ist, dann ist das nicht schlimm => das hört oder sieht man sich gerne an. (Und ja auch Geschmäcker sind verschieden aber es geht halt um den Mainstreambegriff von SchÖN) Also werden auch schöne Frauen gerne angesehen. Es geht ja nicht darum das die einen Wissenschaftspreis gewinnen.

Lasst die schönen Menschen schön sein und lasst die Menschen sie gerne ansehen. Es ist nicht mehr und nicht weniger. Ich bin mit sicherheit kein Model aber mir kommt vor als wenn die hässlichsten Eulen am lautesten "fürchterliche Sendung" schreien. Neid?

Kreuzquerer Quintenzirkel
25.11.2009 13:27
passt ja eh ...

ATV ist ein Privatsender, also sollen sie ruhig solche dumme Sendungen ausstrahlen.

Das traurige ist, dass ORF das bisher auch gemacht hat ...

sicsche
25.11.2009 17:39

Ihr Posting hat nur ein Haken, das ganze läuft auf Puls4 und net auf ATV :)

Das traurige dran ist nur, dass der ORF es noch immer macht ...

es ist das höchste der gefühle
25.11.2009 13:23
TOP!

Und wieder eine neue Staffel "Nichts im Hirn, schön sein und fresse halten"!
Bald gibts in Österreich nur mehr Topmodels und Obdachlose.

Lalai Dama
25.11.2009 13:21
Man muss schon ein erbärmlicher Trampel sein,

wenn das Lebensziel ist, seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten, irgendwelche Fetzen am Laufsteg zu präsentieren und weiter nichts zu tun als dämlich in Kameras zu grinsen.

Der geistige Sondermüll des privaten Gossenfernsehens sollte empfindlich besteuert werden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.