Graz

Rechtliches Dilemma um Fixerraum

24. November 2009, 17:09
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    foto: standard/andy urban

    Monatlich werden in Graz 3000 Spritzen gefunden.

Polizei und Justiz haben schwere Bedenken gegen in der steirischen Landeshauptstadt geplantes Pilotprojekt

Graz - Eigentlich könnte der erste heimische Drogenkonsumraum bereits im Februar in Graz aufsperren. Nicht nur das Gesundheitsministerium steht dem wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekt der Caritas positiv gegenüber, auch die maßgebliche Parteipolitik in der zweitgrößten Stadt Österreichs hat nichts dagegen. Doch nun droht das von der Beratungsstelle "Kontaktladen" initiierte Projekt doch noch zu scheitern. Polizei und Justiz machen nicht mit oder - wie es Rudolf Gollia, der Sprecher des Innenressorts, ausdrückt - "können gar nicht mitmachen, weil Suchtgiftmissbrauch in Österreich ein Offizialdelikt ist und verfolgt werden muss" .

Das rechtliche Dilemma ist den Befürwortern längst bewusst. "Aber es muss doch eine Lösung geben" , meint Heinz Baumann, grüner Gemeinderat in Graz und Sozialarbeiter. Er verweist auf Deutschland und die Schweiz, wo es "Fixerstuben" samt gesetzlichen Bestimmungen seit mehr als zwanzig Jahren gibt.

Um das Projekt nicht einschlafen zu lassen, laden die Grünen im Februar zu einer Enquete, bei der auch der Polizeipräsident aus Münster, Hubert Wimber, über den behördlichen Umgang mit Konsumräumen referieren wird. Einladungen an das heimische Innenministerium wurden dort bisher abgelehnt. Caritas-Präsident Franz Küberl wird es deshalb heute, Mittwoch, am Rande eines Intergrationstermins direkt bei Innenministerin Maria Fekter (VP) versuchen.

Wie berichtet, plant der Kontaktladen sechs Plätze, an denen sich schwer abhängige Patienten Suchtgift injizieren können. Pro Monat werden in öffentlichen Toiletten und Parks in Graz rund 3000 gebrauchte Spritzen gefunden. Abgesehen von der Gefährdung anderer heißt das, dass jeden Tag durchschnittlich 100 Patienten Suchtgift unter katastrophalen hygienischen Umständen konsumieren und ein hohes Infektionsrisiko eingehen müssen. Auf den sterilen Plätzen im Konsumraum würde das Infektionsrisiko minimiert, außerdem soll medizinisches Personal rund um die Uhr anwesend sein.

Das Innenministerium will sich nicht den schwarzen Peter zuspielen lassen, "aber jeder Beamter, der von einem Suchtgiftmissbrauch weiß und diesen nicht ahndet, macht sich strafbar" , betont Sprecher Gollia. Ähnlich argumentiert auch Katharina Swoboda, die Sprecherin von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner: "Es kann keine Freibriefe in der Strafverfolgung geben." Detaillierte Bewertungen werde es geben, wenn das Konzept für den Drogenkonsumraum dem Justizministerium vorliege. (Michael Simoner, DER STANDARD - Printausgabe, 25. November 2009)

 

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Posting 1 bis 25 von 30
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M L3
00
25.11.2009, 23:00
Nichts gegen den Fixerraum, der ist offensichtlich nötig, aber was ich nicht ganz verstehe:

Sind die infrage kommenden Benutzer einer solchen Einrichtung allesamt obdachlos,oder gibt es einen anderen Grund, das es nicht ausreicht, wenn diese sich die Spritze zuhause am Küchentisch setzen?

jussuf jussuf
22
25.11.2009, 17:56
Es kann keine Freibriefe in der Strafverfolgung geben...

a so a bledsinn! dann muss man eben das gesetz dementsprechend ändern. in den apotheken wird auch suchtmittel("ersatz") abgegeben bzw. vor aller entsetzten spiesser augen konsumiert, und da wird ja auch nicht amtsgehandelt. zehnmal besser im cleanroom abdrücken als im gebüsch beim kinderspielplatz, im ubahnhäusl oder in irgendeinem grindköllarn. und für alle die es nicht checken:
drogensucht ist eine krankheit und kein verbrechen, strafvervolgung und kriminalisierung nützt hier genau nichts!

man of constant sorrow
01
25.11.2009, 15:22
"Es kann keine Freibriefe in der Strafverfolgung geben."

Stimmt. Man macht halt nur da und dort eine Ausnahme und "vergisst" den Akt von Ex-Ministern jahrelang usw.
Und was in anderen Ländern, siehe Schweiz, als Maßnahme gegen Drogensucht absolut erfolgreich war, kann ja nur ein Schas sein...

Jukarno
10
25.11.2009, 14:19

macht sich in Ö ein Arzt eigentlich strafbar, wenn er einem Krebskranken Patienten Morphium abgibt?

Philodoofi
00
25.11.2009, 20:24
natürlich macht er sich nicht strafbar, wenn er ihm mo gibt!

er macht sich ja auch nicht strafbar, wenn er einem junkie einen drogenersatz verschreibt, wenn er gewisse bedingugen beachtet.

wieso auch nicht
04
25.11.2009, 14:02

Faktum ist: Drogen werden konsumiert. Ebenfalls erwiesen ist: Gesetze und Strafen verhindern Drogenkonsum nicht.

Weiters ist festzustellen, dass durch die Verfolgung von Drogenabhängigen sehr viel Geld vergeudet wird, das in Präventionsmaßnahmen wohl sinnvoller aufgehoben wäre. Durch Infektionen, Krankheiten usw. entstehen zusätzliche Kosten für die Allgemeinheit. Ein steriler Konsumraum unter Aufsicht könnte zumindest letzteres eindämmen.

Putin Okotie
01
25.11.2009, 13:58
so etwas sollte selbstverständlich sein !!!

oder müssen kindergärtnerinnen wirklich die parks nach spritzen absuchen bevor der nachwuchs schaukeln kann ?????

freezingbreath
40
25.11.2009, 13:49
hmmm

... irgendwie keine schlechte Idee, allerdings sollte man dem Ganzen nicht einfach blind vertrauen - ob eine sogenannte "Fixerstube" nicht auch Nachteile mit sich bringt...

Unterstützung für Gesetztesbrecher find ich irgendwie... naja merkwürdig, auch wenns zum Wohle der gesamten Gesellschaft beiträgt. Immerhin verteilt man ja auch ned Kondome an Kinderschänder... (ja ich weiß das der Vergleich hart ist :P)

8uddh48r0t
00
25.11.2009, 15:02
nicht alles was hinkt

ist ein Vergleich...

belgma
 
02
25.11.2009, 14:25

das sind suchtKRANKE, keine suchVERBRECHER!

mit solchen einrichtungen konnte in vielen städten die mortaliät gesenkt werden, ebenso die kriminalität, wesentlich mehr suchtkranke konnten wieder in ein "normales" leben rück geführt werden.

natürlich gibt es auch nachteile, das ist leider bei allem so.

in der schweiz gab es nach jahrzehntelanger erfahrung mit fixerstuben volksabstimmungen ZUGUNSTEN der fixerstuben. ich denke, das spricht für sich.

Michael Prückler
00
25.11.2009, 13:41
Wie funktioniert das dann mit Check-it?

Putin Okotie
00
25.11.2009, 14:39
dort kann man seine drogen auf unreinheiten testen lassen

fuchstritt
00
25.11.2009, 11:51

nun, das ist in der tat ein dilemma. in wahrheit wissen "wir" weder als gesellschaft nnoch als legislative noch als wissenschafter noch als menschen noch als ärzte was wir mit suchtkranken machen sollen.einsperren/zwangstherapieren hilft nicht wirklich, verbieten nur wenig, freigeben wahrscheinlich noch weniger.

suboptimal
 
12
25.11.2009, 11:49
Polizei und Justiz tun ja so, wie wenn Suchtgiftmissbrauch nur in Österreich

ein Offizialdelikt wäre. Ist es aber rundherum auch, in der Schweiz genau so wie in Deutschland.

OSSIP in Frankfurt ist von der POLIZEI ausgegangen, nicht von der Stadt, und steht auf vier Säulen: Offensive Sozialarbeit - Sicherheit (Ordnungsamt) - Intervention (Polizei) - Prävention. Mit der öffentlichen Fixerszene haben OSSIP und die im OSSIP-Konzept enthaltenen neu gegründeten Fixerräume Schluss gemacht.

Folge: mehr Sicherheit für die Bevölkerung – weniger Tote unter den Suchtkranken, ein Gewinn für alle.

Stahl_____666
30
25.11.2009, 11:44
.

Vielleicht sollte man auch Einbrechern per Losentscheid täglich einen Supermarkt zur Verfügung stellen, in dem sie nächtens ungestört ihr Werk verrichten können.

naihoit
012
25.11.2009, 11:09
Suchtgiftmissbrauch ist in Österreich ein Offizialdelikt und muß verfolgt werden.

Und ??
Ist das eines der 10 Gebote oder könnte man das ev. auch ändern?
Suchtgifte, und zwar alle, nicht nur z.B. Alkohol und Nikotin, gehören entkriminalisiert.
Ist ja eh verboten, passiert aber trotzdem. Was also bringen Verbote? Hohe Preise, Abhängige dealen und verführen junge Menschen, um den eigenen Konsum finanzieren zu können, Beschaffungskriminalität und -prostitution (was Aids ein Bisserl und Hepatitis C massiv unter´s Volk bringt), eine unkontrollierbare Parallelgesellschaft und zu guter Letzt die Angst vor Bestrafung, die verhindert, daß Leute, die da irgendwie "hineingerutscht" sind, zum Arzt gehen, um wieder "herauszukommen".
Und wem nützt das ???

byron sully
00
25.11.2009, 14:32

danke für ihr posting!

Mucosaprolaps
00
25.11.2009, 13:15

Ja, aber wieso kam es um 1915-1920 zu den Verboten ?
a) Weil ohne Verbot zuviele Leute sich selbst zerstörten,
b) weil die lustfeindlichen puritanischen Sektierer in den USA ab 1880 gegen die Verderbtheit der saufenden europäischen Immigranten in den Großstädten rebellierten und - genau wie in Österreich heute - lautstark forderten, man müsse alles verbieten, was denen Spaß macht, also Alk
c) Weil es mehrmals Hunderte Todesopfer gab, nachdem Quacksalber ihr mit Morphium und Opiaten versetztes "Snake Oil" als Wundermedizin verkauft hatten

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass eine "Freigabe" oder Legalisierung von Heroinbesitz irgendetwas positives bewirkt - dazu ist der Mensch zu schwach, es gäbe nur viel mehr fertige Junkies :(

M L3
02
25.11.2009, 22:52
Letzteres glaube ich nicht

Es ist doch auch jetzt kaum ein Problem an Heroin heranzukommen, wenn man glaubt, es zu brauchen. Daher wird die Legalisierung des Besitzes kleiner Mengen (einige wenige Einzeldosen) keinen Nachteil bringen. Man sollte die Kräfte auf die Verfolgung der Händler konzentrieren.

8uddh48r0t
02
25.11.2009, 11:27
ja ist es

kommt gleich nach

* du sollst Alkohol und Tabak ehren

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
00
25.11.2009, 10:21
Sucht

Anstatt die Symptome zu bekämpfen, sollte man sich eher um die Krankheit an sich kümmern. Immer mehr Kinder, die durch ihr Umfeld und ihre (Nicht-)Erziehung zu Sozial-Kretins heranwachsen, flüchten sich in die Drogensucht. Aber die Ursachen dafür zu suchen, und vor allem zu bekämpfen, ist ungleich schwieriger als vordergründige politische Augenauswischerei...

Ptrk R
02
25.11.2009, 10:21
gut aber...

ich finde es gut, dass 'etwas' hinsichtlich der Drogenproblematik unternommen wird; ob's jedoch der richtige Weg ist?

Projekte zu initiieren und konstruktiv über das Thema zu diskutieren ist aber in jedem Fall besser als einfach nur wegzusehen!

clownklauen
04
24.11.2009, 23:08
bananen

republik

Ja wenn das so ist - dann Prost!
 
71
24.11.2009, 20:19
Neuer Pausenraum

für die Grazer KP?

noracismonearth
00
25.11.2009, 10:27
die grazer kriminalpolizei?

wasn das für ein schwachsin??

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