Ausgleichszahlungen

Uni-Problem made in Germany

24. November 2009 17:08

Faymann und Pröll uneins über Ausgleichszahlungen - Hahn für Ende der Besetzungen

Wien - Josef Pröll hat dazu "eine etwas andere Auffassung" als Werner Faymann. So "etwas anders" , dass man sie komplett anders nennen kann. Ausgleichszahlungen Deutschlands an Österreich für die deutschen Studierenden, die hier studieren, wie vom Bundeskanzler in einem Standard -Interview unter Hinweis auf das Ausgleichszahlungssystem der fünf Länder des Nordischen Rats vorgeschlagen, hält der Vizekanzler nämlich für "unrealistisch" .

Nach dem Ministerrat sagte Pröll am Dienstag im Gespräch mit dem Standard, nach allen Informationen, über die er verfüge, habe dieses Unterfangen auf bilaterale Ausgleichszahlungen der Deutschen "nicht viel Aussicht auf Erfolg" . Er selbst halte den "anderen Weg - über Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen mehr Qualität für die Studierenden zu bringen - für den richtigen" , so Pröll. Denn: "Warum haben wir ein Problem? Weil offensichtlich die anderen Zugangsbeschränkungen haben."

Der Bundeskanzler verteidigte seinen Vorstoß und erinnerte an bestehende Zugangsregelungen auch in Österreich, etwa durch den "Notfallparagrafen" für Fächer, für die es in Deutschland einen Numerus clausus gibt. Faymann will mit Deutschland einen "Dialog" führen über das Problem, denn: "Eines muss klar sein, wenn ein Nachbarland gleicher Sprache einen Numerus clausus hat - gegen den ich aus Prinzip bin -, dann wird es immer einen Zug zu uns geben."

Er sehe im skandinavischen Ausgleichszahlungsmodell, das ja auch für eine ganz spezielle Region maßgeschneidert sei, "einen Ansatz für Gespräche, wie wir für unsere Region eine Lösung herbeiführen können" . Ausgleichszahlungen könnten Teil dieser Lösung sei, so Faymann am Dienstag.

Gespräch mit Westerwelle

Im Gespräch mit dem Standard kündigte Faymann dann noch an, dass es schon heute, Mittwoch, eine erste Thematisierung dieses Problems geben werde. Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) habe ihm zugesagt, etwaige deutsche Ausgleichszahlungen beim Antrittsbesuch des deutschen Außenministers Guido Westerwelle in Wien ansprechen zu wollen.

An anderer Stelle könnte das auch Thema sein: beim heutigen "Dialog Hochschulpartnerschaft" , den Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) als Reaktion auf die Studentenproteste initiierte. Die Audimax-Besetzer bitten zum "Echten Bildungsdialog" .

Hahn interpretiert die SPÖ-Forderung nach deutschen Zahlungen an Österreich als Zeichen, dass die SPÖ "ein bisschen populistisch unterwegs" sei. Der künftige EU-Kommissar kann sich für das nicht "übergroße Problem" eher EU-rechtliche Maßnahmen vorstellen. Angesichts der "reihum stattfindenden Gespräche" forderte Hahn am Dienstag die Studenten auf, die Besetzung "abzubrechen oder zu unterbrechen" . Er räumte aber auch Fehler ein. "Die Lehre und die Buchwissenschaften" seien "auch von der Politik" vernachlässigt worden. (Lisa Nimmervoll, Michael Völker, DER STANDARD-Printausgabe, 25.11.2009)

Kommentar posten
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mountaineer
28.11.2009 13:19

wenn einer den Numerus-Clausus für eine bayrische Uni nicht schafft, wieso soll der dann in Salzburg oder Innsbruck studieren dürfen?

Im Übrigen - Prozentanteile darf man hier nicht zu Rate ziehen. Wenn mehr Deutsche in Ö studieren als Ö in D, warum soll es dann keine Ausgleichszahlungen geben?

Und das Argument, dass die Deutschen hier so brav konsumieren, hat mit der Bildungsdebatte nichts zu tun. Konsumieren tun Touristen auch.

derStandardmeint
26.11.2009 03:28
Volkswirtschaft für Anfänger:

Deutsche, die hier studieren, konsumieren: sie wohnen, essen, genießen ihre Freizeit – und zahlen zumindest USt. mit jeder Ausgabe, die sie tätigen: Sie sind jung, belasten das Sozialsystem nicht, weil sie heimkehren. Falls nicht, bleiben Akademiker, die Ö sowieso dringendst braucht. Mit dem volkswirtschaftlichen Mehrwert könnte man die Mehrausgaben wohl finanzieren, das ist eben eine Frage einer ganzheitlicheren Betrachtung.
Hat die mal jemand angestellt oder geht es nur um den Sündenbock aus dem Norden, dem man eine Misere in die Stiefel schieben kann, die schon lange da war, bevor die deutsche Invasion kam...

mountaineer
28.11.2009 13:23

Wenn Sie an einer grenznahen Uni ein Seminar absolvieren wollen, werden Sie sehr bald merken, dass die hohe Studierendenzahl infolge vieler deutscher NC-Flüchtlinge die Qualität der Lehrveranstaltungen sehr wohl erheblich belastet.

Erich Hartig
26.11.2009 01:09
Eine einfache Lösung?

Die ersten 2 oder 3 Semester sollte nur grundsätzlich im Heimatland zu absolvieren sein, erst dann macht ein Auslandsaufenthalt eigentlich erst Sinn. Es ist auch gängige Praxis erst in einem späteren Semester Auslandserfahrung zu sammeln. Könnte doch sogar EU-konform sein und löst das D-Gäste-Problem auf einen Schlag.

120 Jahre Karl Schranz
26.11.2009 01:21
wenn sie sich ein wenig mit Eu-recht beschäftigt hätten, würden sie das vermutlich nicht mehr behaupten.

seit dem gravier-urteil von 1985 (übrigens nochmal danke an alle österreichischen politiker, die das problem 20 jahre lang ignoriert haben!) ist weitgehend klar, dass bildungsangebote in den bereich dienstleistung fallen. und da besteht quasi ein absolutes diskriminierungsverbot. inwieweit könnte eine regelung, dass man eine zeitlang eine dienstleistung im gemeinsamen europäischen markt und hochschulraum aufgrund seiner staatsbürgerschaft nicht in anspruch nehmen kann, gemeinschaftsrechtskonform sein?

wolken kratzer
25.11.2009 22:46

außerdem würde ich folgendes fordern:

deutschland nimmt genauso viele österreicherInnen als nachwuchs und o-profs wie österreich neuerdings deutsche.

ansonsten wird es in bälde keine österreicherInnen mehr in der lehre geben.

pfs79
26.11.2009 09:18

Ich gehe einmal stark davon aus, dass wesentlich mehr österreichische Wissenschafter nach D gehen, als umgekehrt. Nachdem es aber in A generell sehr viel weniger Posten in der Wissenschaft gibt als in D, fallen die Deutschen an österr. Unis stärker auf.

Erich Hartig
26.11.2009 01:00
wenn pro Studienrichtung

dann könnte das funktionieren: es gibt kaum Österreicher die Medizin im 1. Semester in D absolvieren, damit auch keine Plätze für Deutsche im 1. Semester in Ö?!

Die Marslady
25.11.2009 22:03
Auch Brüssel hat gesäumt

Grundsätzlích ist gegen GaststudentenInnen aus den weiterenh EU-Ländern nichts einzuwenden.
Aber bittschön', zuerst kommen schon unsere eigenen Studiosi zum Zug und dann dürfen die verfügbaren Restplätze von EU-ausländischen StudentenInnen belegt werden. Das ist doch klare Logik und Sache der EU-Gerechtigkeit.
Hier hätte Brüssel im selben Atemzug bei der Schaffung EU-Studien für klare Regelungen sorgen müssen, um einen gerechten Ausgleich zwischen den grossen und kleinen EU-Staaten zu schaffen.
Es geht nicht an, dass die StudentenInnen der grossen EU-Länder die Strukturen der UNI's in den kleinen EU-Ländern überstrapazieren, auch nicht in finanzieller Hinsicht.

buzzrider
25.11.2009 20:45
Pröll bremst?

nur weil es schwieriger ist ausgleichszahlungen mit deutschland auszuhandeln soll man weiter bremsen?

keine angst vor positiver entwicklung nach vorn. ich finde es gut wenn deutsche studierende zu uns kommen jedoch kann doch deutschland echt ein bissl was zuschießen schließlich dürfen deutsche gratis studieren hier in austria und es kommt ihnen ja auch zugute wenn sie mehr platz haben in der vorlesung oder nicht? natürlich ist deutschlands regierung nicht happy darüber aber sie werden es einsehen wenn man ihr erklärt das sie dafür was bekommen.

also nicht immer bremsen und geht nicht sagen sondern ein wenig arbeiten und probleme ernst nehmen und auch mal alternativen und verbesserungen zulassen wenn sie jemand vorschlägt.

ether
25.11.2009 17:42
Uni-Problem made in Austria

Der Faymann will Ausgleichszahlungen...

Tja, dann hätte er nicht die Studiengebühren abschaffen sollen.

Dann müssten die Deutschen jetzt Studiengebühren zahlen, während sie die Österreicher durch Stipendien zurückerstattet bekämen.

Erich Hartig
26.11.2009 00:57
und bei der EU

Studiengebühren sind nur ein unbedeutender Teil der Kosten eines Studienplatzes und haben die Deutschen Freunde bisher auch nicht davon abgehalten in Ö Medizin zu studieren, sind also sicher nicht die Lösung.

pfs79
26.11.2009 09:22
alles eine Frage der Höhe von Studiengebühren

Es ist ja wohl klar, dass schlappe 370€ keine deutschen Studenten abschrecken (wo die Gebühren in D ja meist wesentlich höher sind). Anders würde es wohl aussehen, wenn pro Semester z.B. 2000€ zu zahlen wären (die die Österreicher mittels Stipendien wieder zurück bekämen).

DPfand
25.11.2009 11:46
Peinliche Vorstellung

beim Antrittsbesuch Westerwelles gleich die Ausgleichszahlungen für 6.500 Studenten aus D zur Sprache zu bringen.

Außerdem ist der Außenminister die falsche Adresse. Ist es denn so schwer zu begreifen, Bildung ist in D LÄNDERSACHE. Viel Spaß bei den Verhandlungen mit den 16 einzelnen Kultusministern.
:-)

01010111001
25.11.2009 02:04
1000+ UC Irvine students march on campus

http://www.ireport.com/docs/DOC-361147

Wake up
25.11.2009 01:58
Auch Frankreich schläft nicht!

Le Monde http://www.lemonde.fr/societe/a... _3224.html

derunbestechliche
 
25.11.2009 00:27
An Hahn: Wie lange noch?

Wann geht ihr Flieger Richtung Brüssel? Als Wissenschaftsminister waren sie schon überfordert, somit vergönne ich ihnen das Brüssler Eisparkett. Das Problem wird wohl sein, dass sie als Blinder, mit einem Fuß und Krüken auf diesem Eisparkett unterwegs sein werden. Alles Gute, denn irgendwann ist es zu Ende mit den Glückskeksen. Wenigstens können sie nicht viel kaputt machen, da ja die Brüsseler Beamten den Ton angeben werden und nicht sie.

last exit
24.11.2009 23:59
Unter dem Eindruck bundesweiter Studentenproteste

griff die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) die Kultusminister an..,

Süddeutsche Zeitung http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/jo... 5488/text/

sprung
 
24.11.2009 23:23
Hahn soll bei Schwarzgeld-Übergabe dabei gewesen sein?

"Im Dezember 1997 soll Hahn, damals gerade Vorstandsmitglied beim Glücksspielkonzern Novomatik geworden, dabei gewesen sein, als einem Unternehmer Schwarzgeld übergeben wurde.

Das behauptet zumindest ein Unternehmer, der eine Immobilie in Bruck an der Mur an eine Novomatik-Tochter – die Admiral Sportwetten – verkauft hat. 4,5 Millionen Schilling (327.000 Euro) habe er dafür offiziell überwiesen bekommen, weitere zwei Millionen Schilling (145.000 Euro) schwarz im Hinterzimmer eines Brucker Gasthauses. Hahn sei bei der Übergabe dabei gewesen."

http://www.regionews.at/?special=... ws_ID=2684

hetscha
24.11.2009 23:00
kommt eigentlich...

in diesem bereich von der övp auch noch eine andere aussage oder immer nur das selbe?
kein wunder, dass in der bildung nichts weitergeht wenn diese partei am ruder ist.
das ist doch mittlerweile peinlich.

Alfred Urban
24.11.2009 20:29
Unsere Studenten haben immer weniger Chancen für ein Studium

Warum müssen wir zweitklassige deutsche Studenten durchfüttern. Herr BM Hahn will sich in Brüssel gut stehen und hat jeden Kampf aufgegeben. Pröll sieht auf Merkel auf .... und traut sich nichts zu sagen. Die unselige Bildungspolitik der ÖVP (Dorfschule der Frau Gehrer und dazu der ÖAAB) macht sich jetzt bemerkbar. Die ausländischen Studenten sollen nicht nur eine Gebühr zahlen sondern die echten Kosten. Die österr. Studenten sollen ein leistungsbezogenes Stipendium erhalten.
Und endlich soll man mit Hobbystudien Schluss machen (Politik, Soziologie, Komm. Wissenschaften und v.m.). Dafür braucht die Wirtschaft Techniker.

pfs79
26.11.2009 09:33
leider sind die zweitklassigen D oft besser als die erstklassigen A

Also so ganz verblödet sind Leute mit einem 1.2er Abitur-Schnitt nicht, und trotzdem liegt der zum Teil über dem kritischen NC Notenschnitt. Aus meiner Erfahrung als Unidozent in einem von NC-Flüchtlingen betroffenen Fach kann ich auch erwähnen, dass ein großer Teil deutscher Studenten wesentlich besser ist, als die österreichischen Kollegen. Auch bei den Aufnahmetests schneiden sie besser ab. Also sind Sie sich bewusst, dass die (zu Unrecht) viel gehassten deutschen Studenten nicht sooooo dumm sind.

mountaineer
28.11.2009 13:21

ein NC-Schnitt von 1,2 entspricht aber beileibe nicht einem österreichischen Maturaschnitt von 1,2.
Dieser wird nämlich ganz anders errechnet.

Rudi Lölein
24.11.2009 23:34

ein bisserl soziologie oder politikwissenschaft hätte ihnen ganz gut getan, um sich zu bildungspolitischen themen qualifizierter äußern zu können.

hetscha
24.11.2009 22:41
sie zeigen gerade...

dass sie keine ahnung davon haben was bildung ist. sie reden von fh´s, die haben nicht viel mit bildung zu tun, hier gehts nur um fungible arbeitskräfte und mehr nicht. ich werde ihnen den unterschied nun nicht erklären denn sonst sinds sicherlich überfordert.

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