"Sterbende Kinder vergisst man nicht"

24. November 2009, 17:27

Jean Ziegler, Globalisierungskritiker und Soziologe, im STANDARD-Interview über Neoliberalismus, den Aufstand des Gewissens und das Buch als Waffe

Jean Ziegler, Globalisierungskritiker und Soziologe, sprach mit Stefan Gmündner über sein neues Buch "Der Hass gegen den Westen", Neoliberalismus, den Aufstand des Gewissens und das Buch als Waffe.

***

STANDARD: Sie zitieren in ihrem neunen Buch den babylonischen Talmud: "Jede Zukunft hat eine lange Vergangenheit". Eine ihrer Thesen lautet, das Gedächtnis der geknechteten Völker sei wieder erwacht.

Jean Ziegler: Es geht um das verwundete Gedächtnis und darum, wie Gedächtnis zu Bewusstsein wird. Es handelt sich dabei um einen sehr geheimnisvollen Prozess. Ich übernehme die These von Elie Wiesel, dass, wenn im Leben eines Menschen oder eines Kollektivs etwas ganz Fürchterliches passiert, die Vernunft gelähmt ist. Das Schreckliche wird verdrängt, dann merkt die zweite Generation, weil die Eltern nicht reden, dass es ein Familiengeheimnis gibt. In der dritten oder vierten Generation erst wird das verwundete Gedächtnis dann zu politischem Bewusstsein.

Raoul Hilberg, ein österreichischer Jude, der in die USA flüchtete, hat 1952 mit "Die Vernichtung der Juden in Europa" ein absolutes Referenzwerk geschrieben. Das Buch blieb praktisch ohne Resonanz. 30 Jahre später, als eine neue Auflage erschien, war sie gewaltig. Der Holocaust, von dem in den 50er-Jahren niemand redete, wurde erst sehr spät zu einem öffentlichen Thema. Obwohl die Welt spätestens seit den Nürnberger Prozessen wusste, was für unglaubliche Verbrechen geschehen waren. Gedächtnis und Wissen haben offenbar nichts miteinander zu tun. Der Holocaust war Inhalt eines verwundeten Gedächtnisses, das erst zwei, drei Generationen später politisches Bewusstsein und politische Kraft geworden ist.

STANDARD: Dieser Mechanismus gilt auch für die Völker des Südens?

Ziegler: Ja. Die Sklaverei liegt 120 Jahre zurück, das letzte Land, das sie abschaffte, war Brasilien im Jahr 1888. Die Kolonialmassaker in Algerien fanden bis in die 1960er-Jahren statt, Indien wurde 1947 frei. Erst heute wird dieses verwundete Gedächtnis zu politischem Bewusstsein, zu historischer Widerstandskraft, es kommt zu einer Renaissance der kollektiven Identität und zu Forderungen nach Entschädigung und Entschuldigung.

Im Dezember 2007 ging Sarkozy nach Algerien, um Erdölverträge auszuhandeln. Die französische Delegation setzte sich an den Verhandlungstisch und bevor die Verhandlungen begannen, stand der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika auf und sagte, zuerst wolle er eine Entschuldigung für Setif, ein fürchterliches Massaker an 4000 unbewaffneten zivilen Demonstranten, die für die Autonomie Algeriens demonstrierten, das die Fremdenlegion am 8. Mai 1945 begangen hat. Laut Protokoll sagte Sarkozy: "Ich bin nicht der Nostalgie wegen gekommen". Replik von Bouteflika "Das Gedächtnis vor den Geschäften". Und es gab keine Verhandlungen.

STANDARD: Beim Buchtitel "Der Hass auf den Westen" würde man eher an die islamische Welt denken.

Ziegler: Es gibt zwei Arten des Hasses. Jean Paul Sartre sagt: "Um die Menschen zu lieben, muss man sehr stark hassen, was sie unterdrückt", nicht wer sie unterdrückt. Es gibt den pathologischen Hass, das ist jener von Al Kaida, der Taliban, des Terrors allgemein, der darauf aus ist zu hassen, wer sie unterdrückt.

Terror hat keine Legitimation, er ist organisiertes Verbrechen, was immer auch die religiösen, politischen, kulturellen Vorwände sein könnten. Der pathologische Hass kommt allerdings aus demselben Leiden wie der vernunftgeleitete, der aus dem verwundeten Gedächtnis ein politisches Bewusstsein macht, das dann Widerstandskraft, Mobilisation, soziale Bewegung wird. Er ist die neue historische Kraft bei den Völkern des Südens, wo über zwei Drittel der Menschheit leben. Es geht diesem Hass darum, mit der kannibalischen Weltordnung zu brechen, denn das Gedächtnis des Westens ist blind, arrogant und ethnozentristisch.

Die 500 größten transkontinentalen Privatkonzerne der Welt haben vergangenes Jahr 52 Prozent des Weltbruttosozialproduktes kontrolliert. Sie haben eine Macht, wie sie nie ein Kaiser, kein König und kein Papst hatte. Im Westen steigen die Gold- im Süden die Leichenberge. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Wir leben unter der Weltdiktatur des globalisierten Finanzkapitals, das im Süden als das letzte und schlimmste Unterdrückungssystem des Westens erlebt wird.

STANDARD: Sie schreiben, es sei ein Weltkrieg im Gange..

Ziegler: Ja. Aber die Unterdrückten wehren sich, und in Lateinamerika ist dieses Sich-wehren schon ein Sieg. Im vergangenen Jahr sind durch verseuchtes Wasser, Epidemien, Sterblichkeit im Kindsbett, durch Hunger sind 53 Millionen Menschen umgekommen. In einem Jahr. Das ist der dritte Weltkrieg. Die Opferzahlen steigen auch wegen der Finanzhalunken.

STANDARD: Sehen Sie in der Finanzkrise eine Chance?

Ziegler: Nein. Es gibt allerdings einen positiven und einen negativen Aspekt. Bis jetzt sind Tausende von Milliarden von Vermögenswerte vernichtet worden. Die neoliberale Wahnidee ist zersprungen, die Maske gefallen. Man hat ja immer gesagt, dass es eine unsichtbare Hand gebe, einen Weltmarkt ohne menschlichen Einfluss, dass die Marktgesetze wie Naturgesetze seien usw.. Die Privatisierung aller öffentlicher Sektoren, hieß es, sei die Voraussetzung für das maximal gute Funktionieren des Marktes. Das genaue Gegenteil ist passiert, in den letzten 15 Jahren wurde weltweit privatisiert und liberalisiert, vor allem in der südlichen Hemisphäre.

In der Folge sind die Leichenberge gestiegen, also kann die Theorie nicht gut sein. Das neoliberale Gift hat bis zur europäischen Sozialdemokratie alle vergiftet, bis hin zu Schröder, von Österreich will ich nicht reden. Diese Maske liegt, wie gesagt, am Boden. Es zeigt sich, dass dahinter nur Profitgier stand und diese Plünderer nur ihres eigenen Vorteils wegen diese Theorie aufstellten. Was aber gleichzeitig passiert, sagt ein chinesisches Sprichwort: "Wenn die Reichen abmagern, sterben die Armen".

Ein Beispiel, am 22. Oktober 2008 sind im Elysée-Palast Merkel und Sarkozy mit den 15 Staats- und Regierungschefs des Euroraumes zusammengekommen. An der nachfolgenden Pressekonferenz sagten die beiden, sie hätten 1700 Milliarden Euro freigestellt, um den Interbankenkredit zu mobilisieren und die Eigenkapitalquote der Banken von drei auf fünf Prozent zu heben. Bis zum Jahresende 2008, sind dann die Kredite der Industriestaaten für Entwicklungshilfe und humanitäre Soforthilfe massiv eingebrochen. Das Welternährungsprogramm für humanitäre Soforthilfe, bei Kriegen, bei Katastrophen hatte vor 2008 ein Jahresbudget von 6 Milliarden Dollar. Ende 2008 waren es nur noch 4 Milliarden. In Bangladesch zum Beispiel wurde die Schülerspeisung für eine Million unterernährte Kinder ersatzlos gestrichen.

STANDARD: Sie schreiben auch von der Doppelzüngigkeit des Westens ...

Ziegler: Nehmen wir ein Bespiel, Mali, ein uraltes Bauernland, hat letztes Jahr 380000 Tonnen Baumwolle exportiert und 72 Prozent seiner Nahrung, Reis vor allem, importiert. Zu Preisen, die wegen der Börsenspekulation explodierten. Gleichzeitig zerfiel der Baumwollpreis wegen der amerikanischen Massivsubvention der eigenen Baumwollbauern. Die Industriestaaten haben dieses Jahr 349 Milliarden Dollar an Export- und Produktionssubvention für ihre Bauern ausgeschüttet.

Auf jedem afrikanischen Markt können sie heute deutsches, französisches oder portugiesisches Gemüse, Geflügel oder Früchte zur Hälfte oder einem Drittel des Preises qualitätsmäßig entsprechender afrikanischer Inlandprodukte kaufen. Der afrikanische Bauer hat somit keine Chance, auf ein Existenzminimum zu kommen. Und da wundert man sich in Europa, dass die Hungerflüchtlinge zu Zehntausenden übers Mittelmeer, den Atlantik zu kommen versuchen.

Diese Scheinheiligkeit ist abgrundtief. Zudem sind die großen Spekulanten nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte in die Agrarbörsen umgestiegen – und machen dort astronomische Profite mit der Spekulation auf Reis, Mais und Getreide, deren Preise explodiert sind. Das ist die kannibalische Weltordnung in ihrer Dynamik.

STANDARD: Sie sind studierter Soziologe, man hat den Eindruck, Soziologie habe heute, obwohl sie wichtig sein könnte, kaum mehr eine Bedeutung.

Ziegler: Soziologie ist eine Befreiungsbewegung. Sartre hat gesagt, "den Feind erkennen, den Feind bekämpfen". Ich möchte, dass mein Buch eine Waffe zum Aufstand des Gewissens bei uns ist. In meinem Arbeitszimmer in einem kleinen Dorf bei Genf nahe der Schweizer Grenze, wo die Schweiz endlich zu Ende ist, habe ich ein Foto aufgehängt, darauf Bertolt Brecht auf einer Parkbank sitzend. Er hat ein offenes Buch auf den Knien, darunter steht: Bertolt Brecht, bewaffnet.

Jeder hat in sich den kategorischen Imperativ, jeder. Bei Kant steht: "Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir". Da ich jetzt Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrates bin, habe ich ein unglaubliches Privileg, unter anderem Mitarbeiter und Zugang zur ganzen UNO-Dokumentation. Das gibt eine Verantwortung, Kraft auch. Daraus ist das Buch entstanden.

STANDARD: Sie sind immer auch auf Widerstand gestoßen..

Ziegler: Vor allem von der amerikanischen Diplomatie, die zwei Mal meine Abberufung forderte.

STANDARD: Es wird Ihnen vorgeworfen, zu Muammar al-Gaddafi eine Nähe zu haben

Ziegler: Den kenne ich, ja. Aber zwischen einem Intellektuellen und einem Staatschef kann es keine Nähe geben. Ich werde auch immer wieder von Castro oder Bouteflika eingeladen. Das hat auch damit zu tun, dass ich die Interessen des Südens verteidige und Radikalkritik an der westlichen Herrschaftsstruktur äußere.

STANDARD: Es ist vergeblich, aber nicht umsonst, haben Sie einmal geschrieben. Was gibt Ihnen die Kraft zum Weitermachen?

Ziegler: Ich habe in meiner Tätigkeit für die UNO viel gesehen. Beispielsweise in somalischen Flüchtlingslagern. Sterbende Kinder vergisst man nicht. Nie mehr im Leben. Gleichzeitig bin ich ein Privilegierter unter den Privilegierten. In der Schweiz aufgewachsen, liebevolle Familie, ich habe studieren, also analytische Waffen schmieden können, lebe in einem Land, das zwar ein wenig korrupt ist, aber die Freiheitsrechte respektiert. Wenn ich da nicht klar reden würde, könnte ich nie mehr in den Spiegel sehen. Wenn man nichts tut, in den Hedonismus abgleitet, oder in die Indifferenz, gehört man gehängt. Der französische Schriftsteller Bernanos hat gesagt, "Gott hat keine andern Hände als die unsern". Ich glaube an Gott und Punkt. Meine Mutter sagte immer, "mach di Sach". Entweder man tut, was man kann, oder man verdient es nicht zu leben.

STANDARD: Und die Hoffnung?

Ziegler: Ich habe große Hoffnung, weil der Widerstand in der südlichen Hemisphäre fortschreitet. In Südamerika werden die Plünderer enteignet. In Afrika wird dieser Aufstand beginnen, man weiß nicht wann, aber er wird kommen. Und die neue planetarische Zivilgesellschaft entsteht aus dem kategorischen Imperativ, nicht aus einer politischen Ideologie, nicht geleitet von einem Zentralkomitee. Der Aufstand des Gewissens im Westen, die Nationenbildung im Süden sowie die Solidarität zwischen beiden wird zu einer neuen planetarischen Revolution führen. (Langfassung des in DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2009 erschienen Interviews)

Unbezähmbarer in unauffälligem Gewand

Jean Ziegler stellt in Wien sein neues Buch vor

Wien - Normalerweise tritt Jean Ziegler in Anzug, Hemd und Krawatte auf. "Je extremere Ideen du hast, desto normaler musst du dich anziehen" sagte er einmal. Er weiß, wovon er redet, mehr als 20 Bücher hat der Soziologe, ehemalige Schweizer Nationalratsabgeordnete und nunmehrige Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrates geschrieben. Den einen gilt der streitbare Globalisierungskritiker als Unbezähmbarer, anderen ist er ein rotes Tuch.

1934 im schweizerischen Garnisonsstädtchen Thun geboren, zog Hans, wie er damals noch hieß, nach der Matura aus, um in Paris das Glück zu finden und Jean Ziegler zu werden. Es folgten Jahre in Genf, Kuba, wo er Zuckerrohr schnitt, als Uno-Assistent im Kongo, bei den Straßenkindern in Brasilien. Dort hat er das vernommen, was er später einmal die Trommeln der Auflehnung nennen wird.

Wie immer wird auch Zieglers neuestes Buch Der Hass auf den Westen. Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren (€20,60, Bertelsmann) heftig diskutiert. Seine Grundthese: Das verwundete kollektive Gedächtnis der südlichen Hemisphäre, wo täglich Tausende an Unterernährung und Epidemien sterben, führe zu einem Aufstand. (steg)

Am Mittwoch um 19.30 Uhr liest Ziegler im Wiener Volkstheater aus "Der Hass auf den Westen".

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Posting 1 bis 25 von 218
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frune
44
26.11.2009, 16:54
Schön,

dass sich hier im Forum wieder mal das eigene schlechte Gewissen bezüglich der himmelschreienden Ungerechtigkeiten unseres Wirtschaftssystems dadurch äussert, dass man Ziegler schlechtzumachen versucht.

Dieses Verhalten ist zwar verständlich, aber auch sehr verräterisch.
Die Masse ist nunmal im besagten "Hedonismus" gefangen, weil man die Situation mit all ihren Ungerechtigkeiten als "eh nicht zu ändern" darstellt. Wir alle wissen, dass das jetzige kannibalistische System 90% der Menschen übervorteilt, sie auszehrt bis aufs Letzte - aber nachdem wir Österreicher davon ja noch profitieren, entblöden wir uns nicht z.B. die ehemaligen Kolonien selbst für ihre korrupten Politiker verantwortlich zu machen.
Und WER korrumpiert diese?

grazistanders
51
26.11.2009, 15:04

Der Typ labert eh nur halbwahrheiten, und wer gestern Club 2 geschaut hat, weiß auch dass dieser Mann sicher seit 20 jahren pensionsreif ist. Lasst doch endlich mehr junge Leute die noch ein logisch denkendes Hirn im Kopf haben diskutieren aber nicht so nen abgefreakten Hans Klein.

emma goldman
01
26.11.2009, 19:59

pensionsreif wärn die verhältnisse die er kritisiert.

frune
11
26.11.2009, 17:04
ja, genau!

Weg mit dem!
Wir brauchen junge, frische Gesichter! Leute, die dann von "Leistungsmenschen" Kompetenz und Fleiss bescheinigt bekommen, wenn sie das neoliberale Konzept als "gottgewollt und einzig logisch" darstellen.

- dass die Wirklichkeit das Gegenteil beweist, ist doch wurscht!
Wenn der Neoliberalismus nicht funktioniert, dann liegt das daran, dass die Menschen im betroffenen Land zu faul oder korrupt sind!

"Schön, in der geistigen Hängemätte - Denken und Selbstkritikfähigkeit sind doch auch wirklich unbequem"- sagt der "Hausverstand".

Murmel166
32
25.11.2009, 19:00
Mugawe und Ziegler

J. Ziegler über R. Mugawe bewundernd im Jahr 2002: "Mugawe ist ein Mann von geschichtlicher Bedeutung und Moral."

J. Ziegler über R. Mugawe weniger bewundernd 2008: "Mugawe ist ein verrückter Diktator!"

J. Ziegler im Standard 2009: "Terror hat keine Legitimation, er ist organisiertes Verbrechen, was immer auch die religiösen, politischen, kulturellen Vorwände sein könnten."

J. Ziegler über den "Freiheitskampf im Nahen Osten" 2015?

Viel Beifall für wenig Rückgrat...

frune
11
26.11.2009, 17:11
jaja

, weil er über den Mugawe mal was Positives gesagt hat, sind alle seine weiteren Aussagen wertlos, oder?

Die Logik der Unmenschlichkeit war schon immer, den unbequemen Rufer zu denunzieren um dessen Aussagen zu entwerten.
Je billiger, desto geil.

Fragen Sie sich doch mal, wer dem feinen Herrn Mugawe denn sonst noch so in den langen Jahren seiner Amtszeit in den A**** gekrochen ist - aber das interessiert ja nicht, stimmts?
Wer selbst Moral einfordert, muss unbescholten, reinsten Gewissens und am Besten noch Jungfrau sein, damit er ernstgenommen werden kann. Gut, dass es keinen perfekten Menschen gibt. So kann man in seinem eigenen Saft der Lüge weiterdümpeln und jeden Mahner durch den Dreck ziehen.

insertnamehere
 
00
27.11.2009, 11:49
"weil er über den Mugawe mal was Positives gesagt hat, sind alle seine weiteren Aussagen wertlos, oder?"

Natürlich nicht.

Jede seiner Aussagen hat exakt den Wert, der ihr isoliert zukommt. So SOLLTE es zumindest sein.

Es gibt aber zum Beispiel auch einige, die der Meinung sind, dass eine besonders schlaue Aussage von ihm auch alle seine weiteren Aussagen schlau macht. Was exakt derselbe Quargel ist.

insertnamehere
 
01
26.11.2009, 13:19
Naja, wenn ers jetzt besser weiß, kann man ihn wohl schwer zwingen, Mugabe trotzdem weiter gut zu finden.

Und wer weiß, vielleicht geht der nächste Schwenk ja dahin, dass man niemanden mehr aufhängen braucht?

Das wär dann schon wieder gut.

Funk1
25
25.11.2009, 20:59

Wenn ich meine Meinung ändern kann, zeigt das von Rückrat.

Dani B.
51
26.11.2009, 13:39

"rückrat" - ach mensch. lern doch mal dieses wort richtig schreiben. wie oft habe ich in diesem forum schon rückgrad, rückrad, rückenrad gelesen. meine vermutung: dies ist in österreich ein sehr selten verwendetes wort, deshalb auch die getrübte erinnerung an die rechtschreibung.

Murmel166
00
25.11.2009, 21:06
...wie gesagt...

"Mugabe - ein Mann von Geschichte und Moral..." (Ziegler)

Murmel166
00
25.11.2009, 21:04
Meinung ändern...

Auch schon vor 2002 hat Mugabe 20.000 Zivilisten umbringen...dazu braucht man nicht nur Rückgrat...

NO : ID
 
00
25.11.2009, 17:39

jean ziegler könnte paul bulcke ein exemplar seines buches zum bevorstehenden konsumfest schenken.
dabei kann er gleich die durchschlagskraft seiner waffe testen ;-)

Dorian Gray
14
25.11.2009, 16:38
Ein Kernsatz ...

Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.

Universitätsprofisau Dr. Bigmäc Dumboldt
45
25.11.2009, 15:21
Meine Kollegen, wir müssen schleunigst

etwas gegen diesen Herren Zegler unternhmen.

Wenn er weiter Reden hält, dann glaubt bald niemand in der Bevölkerung mehr an unseren vielgepriesenen Schweinebraten und wir müssen abtreten.

Hans Müller1
 
610
25.11.2009, 14:55
Gutes Interview, allerdings fehlt der wohl wichtigste Mosaikstein:

die ehemaligen Kolonien sind heute selbstständig, werden halt von korrupten Eliten gelenkt die ihre Länder verkaufen;

Wenn nun Jean Ziegler vom Hass in diesen Ländern auf die ehemaligen Kolonalisten spricht käme man fast auf den Eindruck er würde das für was Gutes und Produktives halten.
Tatsächlich wird der Hass auf ein Feindbild aber immer von Diktatoren dazu mißbraucht die eigene Stellung zu legitimieren und von den Ungerechtigkeiten im eigenen Land abzulenken. Solange die Menschen in den ehemaligen Kolonien nicht verstehen dass sie zuallererst bei den eigenen Herrschern anfangen müssen kann und wird sich nichts ändern

Frobin Jojo
11
25.11.2009, 16:58
Verharmlosende Verallgemeinerung

Die oft korrupten & inkompetenten Eliten in Entwicklungsländern sind zwar durchaus ein Grund für die schlechte Entwicklung so mancher Staaten, ABER Jean Ziegler spricht hier von internationalen Machtstrukturen, die schlicht nicht bestreitbar sind, und die es diesen Ländern in jedem Fall fast unmöglich machen ihre zahlreichen Probleme zu lösen!

Und im übrigen gibt es korrupte & inkompetente Eliten und allgemeines Elitenversagen auch im Westen ... nur sind Positionierung in dieser Machtstruktur und Problemlagen ungleich vorteilhafter gelagert.

insertnamehere
 
00
26.11.2009, 13:21
Man müsste also den korrupten und inkompetenten Regierungen der ärmeren Länder international mächtiger machen, ja?

Regierungen, die eh alles richtig machen, brauchen dagegen KEINE internationale Macht, weils denen eh auch so gut geht.

Hans Müller1
 
00
25.11.2009, 21:32
Und warum entwickeln sich unterschiedliche ehemalige Kolonien

dann komplett unterschiedlich?

3ch0
10
25.11.2009, 16:39

Schnickschnack!

..deshalb spricht Ziegler auch vom "Kampf in der Heimat"?
Meinst du die Süd-A-Latinos, Afrikaner und Zentralasiaten wissen nicht was Sache ist und wer mit wem Diamanten, Metalle und Sklaven gegen Waffen + Privilegien dealt?
Ich will keine Debatte über deren modus vivendi führen, aber 'Rebellen' (mal !, mal ?) vor Ort kämpfen, genau, gegen Ihren lokalen Herrscher (und damit ja auch gegen die ex-Kolonialisten, mit oder ohne Hass.)

Und: Kann man sich diese 'Heimat' aussuchen?

Aber: ist diese 'Heimat' nicht unseraller Mutter Erde?

Moral: Kämpfen.


...



(was dann, gestern Abend, aufseiten detailverblendeter Studentinnen in der Frage nach 'Motiv mit Migrationshintergrund?' mündet..hat mich enttäuscht)

1116er
33
25.11.2009, 16:14
hat ziegler an sie gedacht,

als er sagte: "...denn das Gedächtnis des Westens ist blind, arrogant und ethnozentristisch" ?

insertnamehere
 
13
26.11.2009, 13:24
Na sorry.

Viel ethnozentristischer als die Annahme, dass "wir Westler" als die größten Tausendsassas aller Zeiten für so ziemlich alles verantwortlich sind, was passiert, während alle andern eben keine solchen Macher sind und uns deshalb auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren udn sind, gehts ja wohl nicht mehr.

Hans Müller1
 
00
25.11.2009, 21:35
Ich habe nie die Verbrechen des Westens abgestritten;

ich habe nur in Zweifel gezogen dass sie als Entschuldigung und Rechtfertigung für alle heutigen Mißstände herangezogen werden sollten,
insbesondere wenn einem daran liegt aktuelle Probleme zu lösen

Timagoras
 
43
25.11.2009, 18:11
""...denn das Gedächtnis des Westens ist blind, arrogant und ethnozentristisch""


"das Gedächtnis des Westens" gibt's genausowenig, wie das "das Gedächtnis des Ostens" oder "das Gedächtnis des Südens".
dieses ewige pauschalisieren und schwarz-weiß-denken ist wirklich ermüdend ...

emma goldman
23
25.11.2009, 19:55

selbstverständlich gibts ein kollektives gedächtnis, welches sich aus der Beziehung zwischen Gruppen ergibt. Das verhältnis des kolonialen westens zu den Ländern des Südens hat genauso zu einer kollektiven Einstellung gegenüber den Menschen Afrikas ,Lateinamerikas etc. geführt wie es umgekehrt deren Verhältnis zu den Bevölkerungen des Westens bestimmt hat.

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