Studentenproteste

Die Forderungen der Studenten

24. November 2009, 11:27

Mittlerweile viel konkreter - Von demokratischer Organisation der Uni bis zu "Stop der Ökonomisierung der Ökonomie"

Wien - Die Aufstellung vielfach diffuser Forderungen war zuletzt einer der Kritikpunkte an den Besetzern von Hörsälen an österreichischen Unis. Mittlerweile vertreten die Studenten neben allgemein gehaltenen Punkten aber ganz konkrete Vorstellungen. Die Besetzer des Audimax der Uni Wien etwa haben einen allgemeinen Forderungskatalalog an die Politik verfasst und einen konkreten an die Universität. Überraschend: Die zuletzt immer wieder kolportierte Hauptforderung nach einem Aus für den Bologna-Prozess findet sich nirgendwo - nicht einmal das Wort kommt vor.

Demokratische Organisation der Hochschulen

Unipolitisch fordern die Besetzer etwa die demokratische Organisation der Hochschulen durch eine gleichberechtigte Einbeziehung aller Kurien (Studenten/Professoren/Mittelbau/allgemeines Personal), die Abschaffung der Uni-Räte, die Beschneidung der Befugnisse des Rektorats zugunsten "demokratisch legitimierter Gremien", die Wiedereinführung der Direktwahl der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) und die Zusammenlegung von Wissenschafts- und Unterrichtsministerium. Sämtliche Studiengebühren sollen abgeschafft und die Qualität von Bildung und Lehre "nicht durch Zugangsbeschränkungen, sondern durch ausreichende Finanzierung im Bildungssektor gewährleistet werden". Forschung und Lehre müssten in einem Ausmaß finanziert werden, das Drittmitteln nicht notwendig mache.

Abschaffung des Selektionsinstruments STEP

Weiters verlangen die Besetzer die "Abschaffung des Selektionsinstruments der Studieneingangsphasen (STEPs) inklusive ihrer Knock-Out-Prüfungen", ein Aus für intransparente Anmeldesysteme und "Voraussetzungsketten" (Prüfungen, deren Abschluss Voraussetzung für den Antritt zu anderen ist, Anm.) sowie ein Ende von Deadlines für Sozialförderungen. Außerdem müssten alle Diplomstudiengänge aufrechterhalten und an anderen Unis absolvierte Lehrveranstaltungen und Abschlüsse angerechnet werden.

Gegen Zentralmatura

Die Forderungen beziehen sich aber nicht nur auf die Unis: So werden etwa Zentralmatura und Sitzenbleiben in der Schule abgelehnt. Ebenfalls nicht anfreunden kann man sich im Audimax mit prekären Dienstverhältnissen - sowohl an den Unis als auch in der gesamten Arbeitswelt. Gefordert wird dagegen ein Streikrecht für Schüler und Studenten sowie "die Restitution aller im Zuge der Shoa geraubten Güter, die sich in 'Besitz' der Universitäten sowie anderer staatlicher Einrichtungen befinden".

50 Prozent Frauen

Im Bereich Antidiskriminierung werden unter anderem eine 50-prozentige Frauenquote auf allen Ebenen des Bildungswesens sowie Quoten zur Förderung von Migranten gefordert. Ganz generell sind die Besetzer nicht nur für einen "Stop der Ökonomisierung der Bildung" - sie wollen gleich auch noch einen "Stop der Ökonomisierung der Ökonomie". (APA)

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13 Postings
posaunist
00
5.12.2009, 09:29
eine 50-prozentige Frauenquote auf allen Ebenen des Bildungswesens

woher nehmen, die volksschullehrer?

(*kopfschüttel*)

anra10
00
24.11.2009, 13:05
konkrete Forderungen...

manche Forderungen sind tatsächlich nun etwas konkreter formuliert, allerdings wäre es hilfreicher wenn diese Forderungen zum Hochschulsystem (z.B. bez. Deadlines für Sozialförderungen, Finanzierung etc.) auch argumentiert würden, bevor man sich an so ultralinke Slogans wie "Stop der Ökonomisierung der Ökonomie" oder bez. Restituierung geraubter Güter (so richtig diese Forderung auch sein mag) drüberdraut - das entzieht dem ganzen nämlich wieder den Boden...

momo10001
01
24.11.2009, 15:23

Ich bin der Meinung die protestierenden muessen fordern, durchaus allgemein. Konkrete Loesungen muss die Politik finden, dafuer werden diese schleiszlich bezahlt.

So schoen es ist, dass es AGs zur Hochschulfinanzierung mit klaren ganz konkreten Ideen etc. gibt, die auszuarbeiten und umzusetzen ist Aufgabe der Politik. Sonst sollen die Leute der Unis die Gehaelter von Hahn, Fayman etc bekommen.

Der Blablaologe
00
24.11.2009, 20:02

also fordern und auf mitsprache bzw. gleichberechtigung bestehen und dann, wenn es um konstruktive lösungsfindung geht einfach verschwinden? ... bravo!

momo10001
00
25.11.2009, 17:03

Sie tun mir irgendwie leid...

Ich versuchs mal so: Wenn Sie zum Arzt gehen, sagen Sie schon wo es weh tut, aber operieren tun Sie nicht selber, oder? Sie haben aber immer die Moeglichkeit mitzubestimmen, ob und wie er Sie behandeln darf. Jetzt besser?

JosyH1
00
24.11.2009, 12:24
Is eh bald Weihnachten

Schade - aber ich war ein paar mal dort und mich wunderts nicht...

LM AA
01
24.11.2009, 12:16
hört sich an wie ein Brief ans Christkind ...

stellt sich nur die Frage, wann die Streiks / Besetzungen aufhören werden, denn es ist illusorisch zu hoffen, dass all diese Forderungen durchgesetzt werden können.

Ich habe selbst studiert und finde es legitim, wenn man für eine Ausbildung einen Beitrag leistet, solange es zweckgebunden den Universitäten zugute kommt. Und 370 Euro pro Semester sind nun wirklich nicht der Rede wert, wenn man es auf das Monat oder gar den Tag umrechnet.

Michael Bakunin
30
24.11.2009, 12:23

aber mathematik hast du nicht studiert, oder?
wie sonst kannst du es dann logisch gerecht finden, dass ein beitrag pro semester verlangt wird. obwohl es doch jedem logisch denkenden menschen klar sein mauss, dass es kostenmäßig völlig egal ist, wie viel semester ein studium dauert.
wenn schon gebühren, dass muss ein studium immer gleich viel kosten, egal ob man in 10 oder 30 semestern den abschluss macht. und um den zugang zur universität nicht duch soziale hürden zu erschweren, sollte der beitrag gleich null sein, so wie es auch 30 jahre lang vorher funktioniert hat.

Diverl
11
24.11.2009, 13:01

Hast du nachgedacht bevor du gepostet hast ?

Michael Bakunin
10
24.11.2009, 21:54

ja, aber du offensichtlich nicht. ;-)

posaunist
00
5.12.2009, 09:32
nein, du nicht, towarischtsch bakunin

wer sich 30 semester land immer wieder in die gleichen übungen einschreibtm und die dann nicht beendet, der kostet das 3-fache eines 10semester studenten

ich habe davin prifitiert - hab für 30 studenten zahlt gekriegt, am ende waren 10 da - und das fach war kein KO-fach!

Michael Bakunin
00
5.12.2009, 20:55

die länge eines studiums hat nicht unbedingt mit der anzahl der wiederholten prüfungen oder übungen zu tun. es sollte jedem freigestellt sein, ob er 10 oder 30 semester studieren will. auch wenn er jede übung gleich beim ersten mal schafft.

curricula
31
24.11.2009, 11:53
Enttäuschend...

Nicht nur das Aus für Bolognia ist stillschweigend verschwunden - nein, auch der Weltfrieden und "Tempo 100 auf allen Autobahnen"...

Ein Trauertag.

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