Uni-Proteste Tag 34

Hahn fordert Abbruch der Besetzungen

24. November 2009 16:02
  • Artikelbild
    Foto: privat

    Unter dem Motto "Vermögen besteuern, Bildung erneuern" protestierten sozialistische Jugendliche länderübergreifend.

Wiener Hochschuldialog und das Casting für "die Drei" - Faymann pocht weiter auf Ausgleichszahlungen - Die Besetzungen in Deutschland und der Schweiz gehen weiter - Gespaltenes Echo zum deutschen Bildungs-Bausparmodell

Morgen wird es spannend. Denn gleich zwei Dialoge zu Hochschulen finden statt. Einerseits jener, der von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) initiiert wurde, andererseits jener, den die Besetzer des Wiener Audimax ins Leben riefen. Denn von Seiten der Besetzer sollen lediglich drei Studierende an Hahns Gesprächen teilnehmen. Am Dienstagnachmittag wurden sie gecastet. Die politische Diksussion hat sich mittlerweile auf ein Thema festgefahren: Ausgleichszahlungen, die Deutschland für deutsche Studenten an Österreich zahlen soll. Die SPÖ fordert die Zahlungen vehement ein, die ÖVP ist genauso vehement dagegen. Vom den weiteren Entwicklungen wird derStandard.at in gewohnter Manier aktuell berichten.

***

UPDATE 15.50: Graz -  Besetzerinnen der Uni Graz und das Rektorat haben sich wieder zum Gespräch getroffen. Dieses verlief "konstruktiv", melden die BesetzerInnen. „In Graz haben wir die österreichweit fast einzigartige Situation, dass gemeinsam - Studierende und Rektorat - an der Lösung der dringendsten Probleme der Unis konstruktiv gearbeitet wird", sagte eine Besetzerin.

UPDATE 14.45: Wenige prominente Teilnehmern haben sich für den morgigen "Echten Bildungsdialog" der Studentenprotestbewegung, der Gegenveranstaltung zum von Wissenschaftsminister Hahn initiierten "Dialog Hochschulpartnerschaft", angesagt. Neben den Hörsaal-Besetzern werden voraussichtlich nur der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), der Schriftsteller Robert Menasse und die Exekutive der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) teilnehmen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Hahn werden auch nach Ende des Hochschuldialogs nicht kommen, die Universitätsrektoren dürften ebenfalls fernbleiben, meldet die APA.

UPDATE 14.30: Angesichts der nun "reihum stattfindenden Gespräche" forderte Wissenschaftsminister Johannes Hahnam Dienstag die protestierenden Studenten auf, die Besetzungen "abzubrechen oder zu unterbrechen". Gleichzeitig kritisiert der Minister das "vorschnelle Urteil" der Studierenden, die den morgen stattfindenden "Hochschuldialog" als Alibiveranstaltung bezeichnen würden. "Man sollte von gegenseitigem Respekt getragen die Dinge behandeln und diskutieren", erklärte Hahn im Gespräch mit der APA.

UPDATE 13.15: Eine Medienaktion im Rahmen eines internationalen Jugendtreffens: Die Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ), die SJD-Die Falken, die JUSOS Deutschland und die JUSO Schweiz erklärten sich vor dem Parlament in Wien mit den Studierenden solidarisch (siehe Foto).

***

Einen Tag vor dem Hochschuldialog, zu dem Wissenschaftminister Johannes Hahn (ÖVP) eingeladen hat, wird auch die politische Diskussion konkreter: Das große Thema sind Ausgleichszahlungen, die Deutschland an Österreich leisten soll. Die SPÖ setzt sich dafür ein, dass Hahn Gespräche aufnimmt, bevor er nach Brüssel geht. Hahn hält nichts von der Idee. Deutschland auch nicht - derStandard.at berichtete. Dennoch pocht Bundeskanzler Werner Faymann weiter darauf, erst heute wieder.

Parallel-Dialoge

Hahns "Dialog Hochschulspartnerschaft" beginnt am Mittwoch um 11 Uhr in der Aula der Wissenschaften. Von den Audimax-Besetzern können nur drei Vertreter teilnehmen: Das Casting für "die Drei" soll heute Nachmittag im Presseraum des Audimax stattfinden - möglichst mit Anzug, wie es auf der Homepage der Besetzer heißt. "Die Drei" sollen "möglichst nicht ihre echten Namen" angeben ("Entpersonalisierung").

Ob Pseudonyme verwendet werden, bleibt ihnen selbst überlassen, vermummen sollen sie sich nicht. Getragen werden sollen vielmehr T-Shirts, die mit "Eine von vielen" oder "Einer von vielen" bedruckt sind. Sie sollen beim Dialog klarmachen, dass sie keine Vertreter oder Abgesandten der Besetzer sind und "möglichst oft auf den "echten Bildungsdialog" verweisen".

Dieser beginnt um 12 Uhr als Parallelveranstaltung im Palais Kabelwerk - mit anschließender Lichterkette ums Parlament ("Licht ums Dukel") um 20 Uhr.

Ebenfalls um 20 Uhr kommt Jean Ziegler ins Audimax, allerdings heute, und stellt sein neues Buch vor.

Proteste auf europäischer Ebene

Die Bildungsproteste sollen bald europäische Form annehmen: Von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag hat das "International Plenum for Better Education" (IPBE) die protestierenden Studenten zu einem Treffen nach München eingeladen, berichtet die APA. Dort sollen dann pro Uni jeweils drei Vertreter "europaweite Forderungen" formulieren und den Protest "endgültig auf die europäische Ebene bringen". Der Aufruf richtet sich vorrangig an jene Unis, an denen derzeit Räume besetzt sind - laut Audimax-Besetzern derzeit rund 70.

Unterdessen gehen bei den Nachbarn die Besetzungen weiter.

Deutsche Bauspar-Diskussion

Der Vorstoß der deutschen Bildungsministerin Annette Schavan für ein sogenanntes Bildungssparen nach dem Prinzip des Bausparens hat ein gespaltenes Echo ausgelöst, meldet AP. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete das Konzept als "sozial ungerecht". Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) signalisierte grundsätzlich Zustimmung. Ebenso wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verwies er aber darauf, dass Bildungsabschlüsse noch immer im Wesentlichen vom sozioökonomischen Hintergrund der Eltern abhingen.

Schweizer Räumungs-Ultimatum

Die Universitätsleitung der Universität Zürich hat den protestierenden Studenten ein Ultimatum gestellt: Bis Mittwoch früh muss der besetzte Vorlesungsraum geräumt sein. Rektor Andreas Fischer hatte sich am Montagabend zu einer rund einstündigen Anhörung im besetzten Hörsaal eingefunden. Laut Uni-Mediensprecherin Christina Hofmann bot er den Studierenden an, ihre Protestaktionen in kleinere Räume unweit des Hauptgebäudes zu verlegen.

WU erste Uni, die Notfallparagrafen anwendet

In Wien hat die überlaufene WU als erste Uni einen Antrag auf Zugangsbeschränkungen gestellt - wir berichteten: Die Zugangsbeschränkung aufgrund des "Notfallparagrafen" 124 b des Universitätsgesetzes (UG) soll für das Bachelor-Studium "Wirtschafts- und Sozialwissenschaften" gelten.

Zu Erklärung: Der "Notfallparagraf" (§ 124b) sieht vor, dass im Falle von "unvertretbaren Studienbedingungen" für jene Studien, für die in Deutschland der Numerus clausus gilt, wieder Zugangsbeschränkungen eingeführt werden können. Dafür müssen alle Unis, die das betreffende Fach anbieten, gemeinsam einen Antrag an das Wissenschaftsministerium stellen. Schließlich muss noch die Bundesregierung dem Antrag zustimmen. Im Wissenschaftsministerium ist man laut APA der Meinung, dass die WU als einzige Universität den betreffenden Studiengang anbietet. Der Antrag auf Einführung von Zugangsbeschränkungen werde nun geprüft. (mil, derStandard.at, 24. November 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 209
1 2 3 4 5
*Herr der Fliegen
 
25.11.2009 21:56
Hahn fordert? Schön für ihn

Unsere Forderungen werden nicht erfüllt -> seine Forderungen werden nicht erfüllt. Politik kann so einfach sein

3ch0
25.11.2009 00:51

Jean Ziegler im audiMax:
es fielen heute Worte des Erschreckens und Erweckens welche den wenigen Aufrechten, wahrlich revolutionären Protest'anten' (nicht nur Studis) viel Mut und viel Hoffnug gaben.
Sehr sozialradikal, aber grundsätzlich zielgerichtet und nachvollziehbar korrekt.

ein toller Vortrag!, dessen Folgediskussion leider viel zu schnell durch 'Sicherheitsbestimmungen' & "Unterhaltungs"programm abgebrochen wurde.

pr re
25.11.2009 06:16
Jean Ziegler: "Es geht darum, die Freiheit im Menschen zu befreien."

http://www.ustream.tv/recorded/2633621
+
http://www.ustream.tv/recorded/2633798

barbara klaric
25.11.2009 02:30
Link zum Vortrag.,.

http://tinyurl.com/ybnnu7t

last exit
25.11.2009 00:07
Bildungsstreik in Deutschland

Süddeutsche Zeitung (24.11.09)
http://www.sueddeutsche.de/jobkarrie... r/?img=0.0

Hagen Arnheim
24.11.2009 23:49
Kein Wort vom Bätschelar???

"Die zuletzt immer wieder kolportierte Hauptforderung nach einem Aus für den Bologna-Prozess findet sich nirgendwo - nicht einmal das Wort kommt vor." (Presse.at)

Verstehe ich auch nicht, warum aus den unsäglichen Bologna-Prozess nicht eingegangen wird. Der Dekan des Juridicum, Heinz Mayer, hat zu Recht die voreilige Umsetzung von Bologna durch die Politik kritisiert, obwohl es sich nur um eine unverbindliche Empfehlung handelt. Der Bologna-Prozess ist das Grundübel der derzeitigen Misere. Dieser Schmarren stört mich mehr als alles andere auf der Uni. Aber den Herr- und Frauschaften im Audimax sind ja ihre Feminismusdebatten und Kapitalismuskritik wichtiger, als eine Evaluierung und Aussetzung von Bologna zu fordern.

Der Blablaologe
25.11.2009 07:19

Der so verhasste Bologna-Prozess könnte euch designierte Langzeitstudenten ja gefährden ... sie haben mein Mitleid :-P

Eva N
26.11.2009 10:15

Nein, ich glaube sogar beim Bachelor wird es einem deutlich leichter gemacht, 6 Jahre zu brauchen.

Eva N
26.11.2009 10:15

Ich weiß, der Artikel ist jetzt schon älter, aber vielleicht lesen Sie noch mit:

Warum sollte das einen "Langzeitstudenten" gefährden? Man kann genauso 6 Jahre für den Bachelor brauchen wie man 8 Jahre für's Diplom brauchen konnte, wenn man will und es sich leisten kann. Was wird also dadurch anders für die vielbesungenen "Langzeitstudenten"?

Ich B. Sisyphos
 
24.11.2009 22:41

Ich B. Sisyphos fordert Ende von Wissenschaftminister Hahn!

Bin mal gespannt ob morgen was rauskommt. Ich erwarte mir noch nicht einmal was konkretes, nur vernünftige, zeilführende Diskussionen.

Claidheamh Mòr
24.11.2009 22:40
sieht ganz so aus

und das hoffe ich auch inbruenstig, dass die Uni-Affaere das Ende dieser unsaeglichen Regierung Faigmann einlaeutet.

Adam Markus
24.11.2009 20:12

Dass der Hahn ein Ende der Besetzungen will ist die total neueste Meldung! Hat mich beim Lesen glatt vom Hocker gehaut.

Ansonsten verstösst die Forderung nach Ausgleichszahlungen gegen EU Recht. Es verstösst gegen mehrere Grundfreiheiten, vor allem das der Gleichbehandlung vor dem Gesetz.

Sollte man soetwas von Deutschland fordern, müsste man soetwas von allen Staaten fordern. Damit wäre Österreich wohl der einzige Staat der Welt mit solchen Forderungen.

Das würde natürlich Studierende aus ärmeren Staaten ausschließen, deren Staaten es sich nicht leisten könnten Ausgleichszahlungen zu tätigen.

Das wäre für unsere jämmerliche Akademikerquote und auch für die heißgeliebte Wirtschaft sicher auch super!

Toni Blaher
 
24.11.2009 23:42

In skandinavischen Ländern gang und gebe... Mehr Bildung braucht das Land....

SiSe
24.11.2009 20:42

Soweit ich weiß, kann dies nur über den Weg eines bilateralen Vertrages mit D realisiert werden. Diese sind mWn. nicht EURechtswidrig.

Allerdings könnte man hier auch eine bessere Lösung finden...

DDr.Klugscheisser
24.11.2009 18:22
Ich fordere Abbruch von Hahn!

Guppy KHG Beamtenforellen & Kredithaie en gros
24.11.2009 18:36

und, wenn hahn zurückgetreten ist, was wird dadurch besser? gewiss, er macht eine unglückliche figur, aber er ist nicht das eigentliche problem; an ihm werden die probleme aufgehängt. die handarbeitsministerin hat ihm eine menge probleme vererbt - und seine partei läßt ihn da nicht raus.

yada yada yada
25.11.2009 00:43

richtig, zb. der finanzminister hat viel mehr kompetenten das problem zu lösen als ein hahn

Das Gespenst der Universität Wien
24.11.2009 17:35
was soll das heißen, "der spuk ist endlich aus"?

nichts ist aus!
da freuen sich ein paar, ein skript zu haben, das täglich in etwa das gleiche mail abschickt und halten das für eine gelungene web 2.0-applikation, weil sie nicht anwesend sind, wenn es läuft.
aber die wirkung ist verblüffend: mensch könnte glauben, es tatsächlich mit humanpostis zu tun zu haben. sagt das etwas über das skript oder über die postis aus?

Österreich statt Österpleite
25.11.2009 02:40

HHHHIIILLLFFFEEE!!!

stoppt dieses grün-strichelmonster!

janeinvielleicht
24.11.2009 18:07
wir können sowieso weiter spuken als die!

Schwatzwutz
 
24.11.2009 17:11
hahn soll die go halten

und sich endlich nach brüssel schleichen, wo er sich dann in seinem phantasiezukunftsressort der korrekten übersetzung von texten und der glücksspieltheorie widmen kann.

The Man from Earth
24.11.2009 17:54
Da geht mal wieder einer der künftigen Elite...

...mit kommunikationstechnisch vorbildhaften Methoden voraus... Und sich dann wundern wenn man "kein Gehör" findet. Nur zur Klarstellung: Bin selbst ehemaliger Student und mir ist schon klar das gar manches in der österr. Bildungslandschaft verbessert gehört. Mir hat sich nicht nur noch die bildungspolitische Relevanz der Audimax-Verwüstung erschlossen...

4321
24.11.2009 19:43

laut Doppelseite KRONEN ZEITUNG So-Ausgabe haben die StudentInnen Schäden repariert und es soll dort blitz-sauber sein ... woher haben sie das mit den Verwüstungen wenn ich fragen darf?

übrigens jetzt ab 20h im Audimax: Jean Ziegler bei freiem Eintritt!

The Man from Earth
24.11.2009 20:07
Und danke für den Tipp mit Jean Ziegler...

...aber den hab ich mir schon für morgen im Volkstheater vorgenommen (Für alle, die diesen Mann noch nicht kennen - Pflichttermin, aufs Wärmste empfohlen! Volkstheater/19.30 Uhr)

http://derstandard.at/125674552... -man-nicht

The Man from Earth
24.11.2009 20:01
Dürfen Sie...

Einerseits vor Ort selbst gesehen (die große Beamerleinwand war über und über mit fetten Permanent Eddings "verziert", Der Audimax selbst hat ausgesehen wie das Flex nach einer heftigen Partynacht... auch das "Restplenum" sprich Alkoholleichen...)

Andererseits aus Berichten von zur Zeit dort Studierenden aus meinem Freundeskreis... Von einem gibts ein besonders "trauriges" Kapitel zu berichten: Nachdem er durch die Besetzung und dadurch ausgefallenen Prüfungen mit großer Wahrscheinlichkeit sein Stipendium verliert (Einspruch läuft noch...) war er dort, um den Besetzern die Konsequenzen derer Handlungen für seine Lebenssituation zu schildern und erntete nur Spott und Hohn... Gibt halt immer zwei Seiten einer Medaille...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 209
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.