Plädoyers

"Es hat sein Leben leichter gemacht"

23. November 2009 18:39

Schlussplädoyer im ersten Prozess gegen Rote Khmer - Anwalt wirft früherem Chef-Folterer Duch Uneinsicht vor

Phnom Penh - Der erste Prozess um die Gräueltaten der Roten Khmer in Kambodscha ist in die Schlussphase gegangen. Angeklagt ist Kaing Guek Eav, alias Duch, der während der Schreckensherrschaft der Kommunisten 1975 bis 1979 das schlimmste Folter- und Hinrichtungsgefängnis in der Hauptstadt Phnom Penh leitete. Dort starben mindestens 15.000 Menschen. Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Vor dem Sondertribunal in Phnom Penh warfen die Opferanwälte Duch am Montag in ihren Plädoyers vor, das volle Ausmaß seiner Schuld nicht anzuerkennen. Der 67-jährige Angeklagte habe seine Rolle bei der Ermordung von Insassen des berüchtigten Tuol-Sleng-Gefängnisses in den 1970er-Jahren zu verharmlosen versucht, sagte Anwalt Karim Khan. "Der Angeklagte hat das, was er getan hat, nicht nur getan, weil er dieselbe ideologische Überzeugung hatte wie die Führungsriege (der Roten Khmer), sondern weil es sein Leben leichter machte."

In dem Verfahren treten 93 Opfer der Roten Khmer als Nebenkläger auf. Am heutigen Dienstag soll die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer halten.

Bitte um Vergebung

Das Anfang des Jahres begonnene Verfahren gegen Duch ist der erste Prozess gegen einen ranghohen Vertreter der Roten Khmer. Im März hatte Duch die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer um Vergebung gebeten. Duch bekannte sich in zwei Fällen dazu, im Gefängnis Tuol Sleng (S-21) persönlich gefoltert zu haben, will aber niemanden getötet haben. Mit einem Urteil wird frühestens für Anfang 2010 gerechnet. Die Höchststrafe, die das von der Uno unterstützte Gericht verhängen kann, ist lebenslängliche Haft.

Das Sondertribunal wurde nach jahrelangem Tauziehen eingerichtet, um die Verbrechen der Roten Khmer juristisch zu verfolgen. Insgesamt kamen während der Herrschaft der Roten Khmer rund zwei Millionen Menschen um. Im kommenden Jahr sollen sich vier weitere Schlüsselfiguren des Regimes vor dem Gericht verantworten: der Chefideologe Nuon Chea, Kambodschas früherer Staatschef Khieu Samphan, der ehemalige Außenminister Ieng Sary sowie dessen Frau, die ehemalige "First Lady" und frühere Sozialministerin, Ieng Thirith. Der oberste Khmer-Führer Pol Pot starb 1998. (AFP, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2009)

wolken kratzer
23.11.2009 21:25

er bittet um vergebung?

wer je ein paar bücher über kambodscha und die roten khmer durchgelesen hat, im land jüngst rumgefahren ist und registriert hat, dass es kaum alte menschen gibt, der weiß, dass jenen, die damals ermordet wurden, nicht vergeben wurde, weil sie französisch sprachen, ihre kinder schützen wollten, eine brille trugen, lehrer waren...

lebenslängliche haft ist ja fast milde angesichts dessen, was die roten khmer fast jeder familie angetan haben.

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