Kopf des Tages

Ante Sapina

23. November 2009, 18:26

Ante Sapina steht seit Donnerstag unter dem Verdacht auf "fortgesetzte, gewerbsmäßige Wettbetrügereien"

Dem Reiz des schnellen Wettgewinns ist Ante Sapina (33) schon mit 16 Jahren erlegen. Damals, sagte der Deutsch-Kroate vor vier Jahren in seinem Prozess wegen gewerbsmäßigen Betrugs, hätte er erstmals sein Taschengeld erfolgreich in Sportwetten investiert.

Warum der jüngste der drei Sapina-Brüder, der seit vergangenen Donnerstag unter dem Verdacht auf "fortgesetzte, gewerbsmäßige Wettbetrügereien" in Untersuchungshaft sitzt, nicht einfach ein Wetter wie weltweit Millionen andere geblieben ist, sondern Wege suchte und fand, seinem Glück nachzuhelfen, beantwortete der Berliner Suchtexperte Werner Platz schon 2005. Der Gerichtspsychiater attestierte Sapina nach sieben Sitzungen eine durch dessen Spielsucht entstandene "große Persönlichkeitsveränderung" sowie ein typischerweise bei Spielsüchtigen auftretendes hohes Maß an Kreativität.

In den 80er-Jahren war Ante Sapina mit seiner Familie von Duisburg nach Berlin übersiedelt. 1987 starb der Vater. Ante Sapina schaffte das Abitur und studierte an der Technischen Universität Berlin Verkehrswesen. Vor allem aber beschäftigte er sich mit Sportwetten, meist im Internet. Er tauchte ein in die Welt von Spielen und Quoten, wurde ein Fachmann, ganz gleich, ob es sich um unterklassigen Fußball oder hochklassigen US-Sport handelte. Sapina sammelt Informationen, beschäftigte sich mit Wahrscheinlichkeiten.

Und er lernte als erfolgreicher Wettkönig im familieneigenen Berliner Café King nahe dem Kurfürstendamm ebenfalls der Wettleidenschaft erlegene Schiedsrichter und Kicker kennen. Sie groß dazu zu überreden, zum Zwecke des Wettbetrugs Fußballspiele gegen Entgelt zu manipulieren, sei gar nicht notwendig gewesen. "Man muss einen Frosch auch nicht überreden, ins Wasser zu springen" , zitierte Ante Sapina, wegen seiner Findigkeit "Navigator" genannt, dazu vor Gericht ein kroatisches Sprichwort.

Bei einem Schiedsrichter, Robert Hoyzer, fielen die Unregelmäßigkeiten auf. Der Fall kam ins Rollen und Sapina zu Fall. Er wurde am 17. November 2005 zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Der deutschen Klassenlotterie zahlte er in zwei Tranchen 1,8 Millionen Euro Schadenersatz.

Am 17. Juli des Vorjahres wurde Ante Sapina auf Bewährung entlassen und gelobte, ein neues Leben zu beginnen. Heute ist er einer der Hauptverdächtigen im mutmaßlich größten Wett- und Manipulationsskandal des europäischen Fußballs. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 24. November 2009)

Feigenbauer
00
26.11.2009, 19:28

wie kann den eigentlich ein normalsterblicher so leicht 1,8 Millionen Euro nachzahlen?

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