Ein Präsident sucht sein Volk

23. November 2009, 18:05

Die Latte für Heinz Fischer liegt hoch: Es geht nicht nur um die Wiederwahl

Immerhin versuchte der Bundespräsident originell zu sein, indem er neue Kommunikationskanäle nutzte: Heinz Fischer gab die Nachricht seiner Wiederkandidatur über Videobotschaft und Internet bekannt. Das war insofern eine gelungene Überraschung, als alle damit gerechnet hatten, Fischer würde sein Antreten bei der Vorstellung seines Buches (wegweisender Titel: Heinz Fischer - Die Biographie) am kommenden Donnerstag verlautbaren. So wird die Buchpräsentation im Musensaal der Albertina aber bereits der erste Wahlkampfauftritt.

Die Wahlkampfmaschinerie um Heinz Fischer ist längst angelaufen, und auch am Montag blieb nichts dem Zufall überlassen. Dem Internet wurde zwar ein Vorsprung gewährt, aber nur minimal: Die Fischer-Fans in Facebook erfuhren um 10.45 Uhr von der Neuigkeit, der Rest der Welt dann eine Viertelstunde später herkömmlich via Presseaussendung. Damit vergrätzte man auch jene vorwiegend ältere Wählerschaft nicht, denen Internet, Facebook und Youtube nicht so geläufig sind. Soll es ja noch geben.

Auch sonst war alles fein arrangiert: Im digital gefilmten Präsidentenvideo gerät auf dem Schreibtisch ein Bilderrahmen mit Baby in den Blickpunkt. Für alle, die sich fragen sollten, wer das Baby ist, teilte die Präsidentschaftskanzlei vorausblickend und ungefragt mit: Fischers Enkerl, vor wenigen Monaten geboren, Anna ihr Name. Auch andere Details erfährt die möglicherweise noch unentschlossene Wählerschaft am ersten Tag des präsidentiellen Werbens: "Zur Stärkung hat der Bundespräsident immer Obst - in diesem Fall Äpfel - und ein paar Mannerschnitten oder andere Süßigkeiten auf seinem Schreibtisch."

Die Schnitten liegen übrigens gleich neben dem Kompendium zum österreichischen Bundes-Verfassungsrecht, wie dankenswerterweise mitgeteilt wird. Damit ist der Wahlkampf schon gelaufen, diesen Vorsprung holt kein Gegenkandidat mehr auf - so g'scheit und doch auch menschlich, der Herr Bundespräsident.

In der ÖVP sprechen viele gute Gründe für einen eigenen Kandidaten, aber letztendlich spricht alles dagegen, wenn man nur verlieren kann. Mit Erwin Pröll, dem niederösterreichischen "Wahlkampf-Eber" , ist der Volkspartei ein zugkräftiger Kandidat abhandengekommen. Dem ist in letzter Sekunde eingefallen, dass er sich doch um sein Bundesland kümmern muss - und so seinem Neffen vielleicht die Tür zum Kanzleramt offen hält. Das ist keine gewagte Prognose: Die ÖVP wird auf einen Kandidaten verzichten. Nur um die SPÖ zu sekkieren und dennoch zu verlieren - das zahlt sich nicht aus. Die ÖVP wird versuchen, anderswo ein Rumoren zu erzeugen und entsprechend Aufmerksamkeit zu lukrieren.

Das würde jetzt Raum für einen Kandidaten der Opposition lassen, die Grünen überlegen noch, ebenso die Freiheitlichen, aber beide scheinen in ihrem Personalstand noch nicht fündig geworden zu sein. Sei's drum, es wäre Folklore, im besten Fall ein politisches Statement, aber in keinem Fall ein Kandidat, eine Kandidatin mit Chancen.

Fischer wird an anderen Parametern zu messen sein. Die 52,4 Prozent vom letzten Mal müssten leicht zu schaffen sein. Erst recht, wenn sonst niemand antritt. Schwieriger wird es, wenn man weiter zurückdenkt - etwa an Rudolf Kirchschläger und jene 80 Prozent, die er 1980 bei seinem zweiten Antreten erhielt. Damit war klar, dass Kirchschläger der Präsident des Volkes und aller Österreicher war, jenseits der Parteien.

Genau das will die ÖVP Fischer aber nicht zugestehen, deshalb mobilisiert sie gegen ihn. Damit heißt sein Gegner ÖVP, und die Latte liegt hoch: Beim Wert eines Rudolf Kirchschläger, oder, wie Fischer es formuliert, bei einer "rot-weiß-roten Unterstützung". (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2009)

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Posting 1 bis 25 von 73
1 2
dritter mann
 
00
25.11.2009, 13:13
Geh bitte,

die 80 Prozent (wovon eigentlich? mm. abgegebenen Stimmen) vom Kerzelschlucker kamen unter völlig anderen Umständen zustande und werden heute allenfalls in Dikaturen erreicht. Seinerzeit gab es das ja noch, ein gehorsames, noch von Katholizismus und Wahlpflicht geprägtes Volk. Das sollte sich mittlerweile doch etwas relativiert haben.

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
20
24.11.2009, 18:49

"wird er es finden ? es bleibt spannend. bleiben sie dran. und jetz die werbung..."



bis zu uns hat er noch nicht gefunden.

REHLEIN STATT STUR SEIN.

www.agenda2020.at/a20_migulist/

derzeitiger stand: 5312



wuascht.

oder ?



derpradler
01
24.11.2009, 18:13
Der Bundespräsident

ist zu wichtig, als daß man so ohne weiteres das Amt auflösen kannt.
Sicher könnte ich mir vorstellen, daß manche unserer Zeitgenossen lieber einen Bankdiretor als Bundespräsigent sehen würde. Das sind jene bedauerndwerten Menschen die glauben, niemanden ,außer fleißige Menschen, die für sie schuften, zu brauchen.
Es schreien ja auch jene nach Auflassung des Amtes, deren Parteien keine Chance haben das Amt je zu besetzen.
Wer unsere Verassung kennt und achtet, dem wird so ein Unsinn nicht in den Sinn kommen und die anderen, die mit dem 3.Republik-Traum, kann man getrost vergessen, Gott sei Dank!

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
00
25.11.2009, 00:57

die getrost zu vergessen halte ich für leichtsinnig:
www.agenda2020.at/a20_phpbb... f=18&t=145

Peter Sichrovsky
21
24.11.2009, 17:33
Guter Titel

Guter Titel des Artikels, nie war einem Volk das Oberhaupt so egal wie bei HF; wie sagte schon Kreisky: jetzt müssen wir eine Entscheidung finden, der Heinzi ist sicher wieder am Klo....

schlitzohr2
00
11.2.2010, 15:37
Von mir kriegen Sie ein GRÜN

Schäferhund vom Pavillon E
11
24.11.2009, 16:58
Wenn man das Amt abschaffen will: Meinetwegen.

Aber solange es dieses noch gibt ist Heinz Fischer ein erstklassiger Kandidat.

Helmut.Hromadnik
 
21
24.11.2009, 15:06
WARUM durften rechtsextreme die hofburg für ihr treffen benützen, OHNE ihren einspruch, herr BP. dr. FISCHER ???

Herzerzog Johann
00
24.11.2009, 16:15
Vielleicht weil Fischer die Hofburg nix angeht?

Er hat ja nur sein Büro in einem Teil der Hofburg.

chavs on the run
02
24.11.2009, 14:54

amt abschaffen, den "staatsnotar" kann auch ein parlamentspräsident machen.

schlitzohr2
00
11.2.2010, 15:40
Owa net da GRAF! Und aa net da Neigebauer!

Gebhard von Bluecher
00
24.11.2009, 16:22
überflüssig

Da stimme ich zu. Im Zuge der Kompetenzverlagerung Richtung Brüssel und dortiger Kreation neuer Ämter sind solche " Royals auf Zeit "
obsolet

happyhour1
 
02
24.11.2009, 14:06
Und worin ...

... besteht die politische Leistung von Herrn Fischer im Amt? Kann mir das jemand mit Bezug auf politische relevante Fragen und Themen mitteilen? Ich habe noch nie mein Wahlrecht 'liegen gelassen'. Dieses Mal könnte das der Fall sein.

0815-Kommentar
10
24.11.2009, 14:21

vielleicht liegt die genau darin, sich nicht permanent in den vordergrund zu drängen. praktisch hat ein BP ja kaum gestaltungsspielraum und ist damit nur wenig publikumswirksam.

Dark Funeral
 
21
24.11.2009, 13:55
Alle, die meine wir brächten keinen BP

sollten sich überlegen, dass für unser demokratisches System prinzipiell wichtig ist, dass der BP Oberbefehlshaber des Heeres ist und das Innenministerium die Polizei kontrolliert. Es darf nicht sein, dass beide von den selben Leuten kontrolliert werden.

Und: gäbe es keinen BP, wäre unser höchster Repräsentant die Grinsekatze....

schlitzohr2
00
11.2.2010, 15:43
Drum san die BH-Kasernan so versaut. Is eham owa nie aufgfoin. Wäu durt wo ma net hinschaut, des foid an net auf u a Ruah is in da desolaten Hitten

bego
10
24.11.2009, 14:33
..im Zweifelsfall für den Parlamentarismus

Genau das spricht ja für die Abschaffung des Amtes - nämlich das da ein Mann so einsame Entscheidungen wie den Einsatz des Heeres (auch gegen das Volk) treffen kann..

Dark Funeral
 
00
24.11.2009, 14:18
Die Tipfehler gibts geschenkt

hollaro jojojo
01
24.11.2009, 13:33
Abschaffung des Kanzleramtes

Also wenn man schon Staats und Regierungschef zusammen legen will, dann ist es wohl angebracht den Bundeskanzler zu stanzen, anstatt des direkt gewählten Präsidenten.
Vorteile:
Regierung und Parlament würden unabhängiger voneinander agieren, da sie getrennt gewählt werden.
Außerdem könnten wahlverlierende Parteischranzen sich nicht durch Kolaitionstaktieren ins Kanzleramt hiefen.

Rinus Michels
01
24.11.2009, 13:08
märchenonkel

XP
51
24.11.2009, 12:33

Kirchschläger war ja tatsächlich immer parteilos und er war überzeugter Christ. beides ist Fischer nicht.

schlitzohr2
00
11.2.2010, 15:44
Und a Nazikämpfer bis zur letzten Stund-woara aa

Josef Höllwerth
01
24.11.2009, 14:31

Fischer stellt seine religiöse Überzeugung nicht in den Vordergrund und das ist gut so.

talfuchs
00
24.11.2009, 12:26
immerhin ein hbp der ein buch verwendet.

pröll konnte ja nur den "schatz im silbersee" aufbieten.

Ein Band B-VG ist überblickbar und sollte in 12 Jahren Amtszeit doch erlesen werden können.

Toll, dass es auch ganz ohne mannerbrösel und apfelflecken auf dem (ansonsten leeren und tellerlosen) Schreibtisch abgeht.

luis trew
00
24.11.2009, 12:14
Er ist der Volkspräsident

Dass Fischer DER PRÄSIDENT DES VOLKES ist, ist doch längst erwiesen!!

Warum wohl stellt keinen andere Partei einen Gegenkandidaten auf?

Weil sie genau wissen, dass das (Wahl)volk voll hinter Heinz Fischer steht.


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